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Sex mit Messer erzwungen?

Wie lange soll der Angeklagte ins Gefängnis? Staatsanwalt und Verteidigung beurteilen diese Frage unterschiedlich. dpa
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Wie lange soll der Angeklagte ins Gefängnis? Staatsanwalt und Verteidigung beurteilen diese Frage unterschiedlich. dpa

Er soll unter anderem seine ehrenamtliche Asylbetreuerin mehrfach vergewaltigt haben, teils unter Gewaltandrohung: Seit gestern steht ein angeblich 22-jähriger Afghane deshalb vor Gericht. Sein Alter ist aber unklar. Er gab vier verschiedene Geburtsdaten an.

Traunstein/Bad Aibling – Ein laut Gutachten mindestens 22 Jahre alter afghanischer Staatsangehöriger – er hatte sich bei der Festnahme Anfang Juli 2018 als jünger ausgegeben – soll seine frühere Freundin und ehrenamtliche Asylbetreuerin mehrfach vergewaltigt haben. Wegen zweier Sextaten in Nürnberg und Bad Aibling, davon einmal unter Anwendung eines Messers, sowie wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung sitzt der Berufsschüler seit gestern vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs. Der Prozess wird am 22. März um 9 Uhr fortgesetzt.

Aufgrund der Altersangabe des Afghanen mit vier verschiedenen Geburtsdaten sollte zunächst die für Jugendliche und Heranwachsende zuständige Jugendkammer die Vorwürfe juristisch beleuchten. Das Gericht holte eine rechtsmedizinische Expertise zur Altersbestimmung ein. Das Ergebnis: Er war bei den angeklagten Vorwürfen möglicherweise bis zu 25 Jahre, zumindest 21 bis 22 Jahre und keinesfalls erst 19 Jahre alt.

Mitte 2017 hatten sich der Asylbewerber und das spätere Opfer über einen freiwilligen Helferkreis kennengelernt. Etwa im Februar 2018 kamen er und die Betreuerin (38) sich näher. Der erste erzwungene Sex soll sich im Mai 2018 in einem Hotel in Nürnberg ereignet haben – unmittelbar nach einem Streit samt beiderseitiger Entscheidung, das Verhältnis sofort zu beenden. Der Angeklagte soll trotz eindeutiger Weigerung und massiver Gegenwehr der Geschädigten auf nochmaligem Geschlechtsverkehr bestanden haben. Schauplatz des zweiten Vorfalls gegen Mitternacht des 24. Juni 2018 soll die Wohnung der Frau gewesen sein.

Angst vor Verletzung oder gar Tod

Am Abend hatte sich das einstige Paar nochmals getroffen. Dabei vermittelte die Zeugin dem früheren Freund klar, sie wolle keinen Kontakt mehr mit ihm haben. Als der Mann dies nicht akzeptierte, fuhr die Frau zur Polizeiinspektion Bad Aibling und berichtete den Beamten, sie werde nicht in Ruhe gelassen. Der Afghane wartete damals bei der Rückkunft vor der Wohnung auf die 38-Jährige. Die Frau griff zum Handy, um den Notruf zu wählen. Da nahm ihr der 22-Jährige gemäß Anklage von Staatsanwalt Dr. Martin Freudling das Telefon weg, drückte ihr ein Messer an den Hals und forderte, sie solle wieder ins Auto steigen.

Auf die Drohungen hin fügte sie sich. Sie konnte den Angeklagten aber davon abbringen, zum Sex mitten in der Nacht irgendwohin zu fahren. Ihre Wohnung sei ihr lieber, gab die Geschädigte an. Mit dem Messer in der Hand packte sie der Asylbewerber am Arm und brachte die Frau in die Wohnung. Aus Angst vor Verletzung oder gar Tod leistete sie keinen Widerstand mehr. Während der angeklagten mehrfachen Vergewaltigung soll das Messer griffbereit neben dem Bett gelegen haben. Die Geschädigte erlitt am Hals leichte Verletzungen.

Der Verteidiger, Harald Baumgärtl aus Rosenheim, regte gestern ein Rechtsgespräch zur Höhe der Strafe im Fall eines Geständnisses und ohne Vernehmung der Nebenklägerin an. Während der Verteidiger maximal vier Jahre Freiheitsstrafe in den Raum stellte, sprach der Staatsanwalt von sechs bis sieben Jahren Haft. Das Gericht sah sich außerstande zu einem eigenen Vorschlag und wollte zunächst die Geschädigte anhören.

Der Angeklagte berief sich auf sein Schweigerecht. Vor dem psychiatrischen Sachverständigen, Dr. Josef Eberl vom Inn-Salzach-Klinikum in Gabersee, hatte er alles konträr zum mutmaßlichen Opfer dargestellt und jegliche Gewaltanwendung abgestritten. Der Gutachter wörtlich: „Seine Angaben bei mir decken sich nicht mit der Anklage.“

Regelrecht gestalkt: 70 Anrufe pro Tag

Die 38-Jährige mit Opferanwältin Manuela Denneborg aus Rosenheim zur Seite informierte ebenfalls gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit über ihre Erlebnisse. Dabei bestätigte sie insgesamt die Vorwürfe der Anklageschrift. Deutlich wurde unter anderem, dass sie der 22-Jährige nach dem Abbruch der Beziehung regelrecht gestalkt hatte – mit bis zu 70 Anrufen pro Tag und zahllosen unerwünschten Begegnungen.