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Der Kinderschutzbund Rosenheim findet, dass Kinder nicht zu Corona-Demos sollten

Demos gegen die Corona-Vorschriften: Aus Sicht des Kinderschutzbundes Rosenheim sollten Kinder nicht teilnehmen.
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Demos gegen die Corona-Vorschriften: Aus Sicht des Kinderschutzbundes Rosenheim sollten Kinder nicht teilnehmen.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Kinder haben selten schwere Covid-19-Verläufe. Die Pandemie spüren sie trotzdem stark - die Einschränkungen der sozialen Kontakte belasten sie. Mariane Guggenbichler, Geschäftsführerin vom Kinderschutzbund in Rosenheim, gibt Tipps. Und sagt, was sie an manchen Demos gegen die Corona-Maßnahmen stört.

Täusche ich mich, oder demonstrieren Gegner der Corona-Maßnahmen immer wieder mit auffallend vielen Kindern?

Marianne Guggenbichler: Nein, Sie täuschen sich nicht. Wir bekommen zahlreiche Anrufe von Eltern, Großeltern und Bürgerinnen und Bürgern, die sich Sorgen um die Kinder machen. Und andererseits wüste Beschimpfungen von Corona-Leugnern und Menschen, die Verschwörungstheorien anhängen. Das betrifft jetzt nicht nur unseren Orts- und Kreisverband, das hören wir auch von anderen Kinderschutzverbänden.

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 Fällt das unter frühe Gewöhnung an das Recht der Meinungsäußerung oder doch eher unter Instrumentalisierung?

Guggenbichler: Wir finden diese Entwicklung besorgniserregend, hier wird die Kritik am Staat auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Das Demonstrationsrecht nach Artikel 8 des Grundgesetzes ist eines der höchsten Rechtsgüter in Deutschland. Manche Eltern haben aber leider die Bedürfnisse der Kinder aus dem Blick verloren, wenn sie sie – wie zum Beispiel in Berlin – als menschliche Schutzschilde benutzen.

Marianne Guggenbichler, Geschäftsführerin des Kinderschutbundes Rosenheim.

Dabei verkennen die Eltern die Gefahren, die den Kindern bei einer solchen Demonstration drohen können: der Lärm, die Menschenmassen und eine oftmals bedrohliche, aufgeheizte Stimmung. Das alles kann äußerst beängstigend auf Kinder wirken. Und was machen die Eltern, wenn die Demo aus dem Ruder läuft? 

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Kinder sind durchaus betroffen, von den Maßnahmen vielleicht sogar starker als von der Pandemie an sich. Wie wirkt sich das Fernbleiben von Kindertagesstätte, Sportverein und Schule aus?

Guggenbichler: Klar ist: bei allem Verständnis für den hohen Handlungsdruck muss die Belastung für die Kinder und Jugendlichen so gering wie möglich gehalten werden. Kontakte mit Gleichaltrigen fallen weg, das trifft die Kinder und Jugendlichen am meisten. Und sie wollen nicht nur als Schülerinnen und Schüler gesehen werden, zu ihrem Leben gehört mehr als Schule und Kita. Eltern können gemeinsam mit ihnen überlegen, wie sie Kontakt zu Freunden und Großeltern halten können. Mit ihnen im Gespräch zu bleiben, ist jetzt besonders wichtig. Ihnen das Gefühl zu geben, dass sie ihre Ängste, auch ihre Wut oder Traurigkeit äußern dürfen, dass diese Gefühle in Ordnung sind. 

Wie sehr trifft der Lockdown ärmere Familien?

Guggenbichler: Auf jeden Fall stärker, besonders, wenn Leistungen wie ein kostenfreies Mittagessen in Schule oder Kita ersatzlos wegfallen. Oder wenn kein Geld für die technische Ausstattung da ist, die für Fernunterricht oder digitalen Kontakt nötig ist. 

Gibt es Anzeichen dafür, dass Kinder stärker als sonst häuslicher Gewalt ausgesetzt sind?

Guggenbichler: In der Weihnachtszeit bauen sich in vielen Familien ohnehin Spannungen auf. Wir gehen davon aus, dass es dieses Jahr nicht anders sein wird, und sich die Situation zuhause durch den Lockdown noch verschärft. Umso wichtiger, dass Kinder, Jugendliche und Eltern wissen, wo sie auch in den Ferien, an den Feiertagen Hilfe und Unterstützung bekommen können. Darum ist es so wichtig, dass die Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe vor Ort geöffnet bleiben. Der Kinderschutzbund ist auch während der Feiertage telefonisch und digital erreichbar. Und unsere Telefonberatung ist durchgängig besetzt.

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Werden wir eine verhaltensauffällige „Generation Corona“ erleben?

Guggenbichler: Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen haben Angst vor der Zukunft, das hat eine aktuelle Studie ergeben. Bemerkenswert finde ich, dass trotzdem mehr als 60 Prozent von ihnen den Corona-Schutzmaßnahmen zustimmen. Wir sind davon überzeugt, dass Kinder und Jugendliche an der Eindämmung des Corona-Virus mitwirken möchten. Sie wollen unterstützt und beteiligt werden. Dazu müssen sie – natürlich altersgemäß - informiert sein und beteiligt werden.

Andererseits sind Kinder besonders schutzbedürftig. Das muss nicht nur bei den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie berücksichtigt werden, sondern auch in den Familien selbst. Gerne kommen wir dazu mit den Familien ins Gespräch und bieten unsere Unterstützung an. Wir Erwachsenen können den Kindern das Leben leichter machen - wir sind Vorbilder, wie man mit einer so herausfordernden und von Unsicherheiten und Ängsten geprägten Zeit umgehen kann.

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