Das Design macht den Unterschied

Mehr Wohnraum für weniger Geld: Rosenheimer Studenten wollen nachhaltiges Konzept kreieren

Die Teamleiter planen das Projekt (von links): Giulia Bettini, Julian Scheuring, Barbara Salzeder, Friederike Schiff, Sebastian Obermaier, Johannes Strohm und Nadine Socher.
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Die Teamleiter planen das Projekt (von links): Giulia Bettini, Julian Scheuring, Barbara Salzeder, Friederike Schiff, Sebastian Obermaier, Johannes Strohm und Nadine Socher.
  • Korbinian Sautter
    vonKorbinian Sautter
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Rund 50 Studenten haben sich an der TH Rosenheim zusammengeschlossen, um beim internationalen Hochschulwettbewerb „Solar Decathlon Europe 2021“ anzutreten. Mit ihrem Wohnungs-Prototypen hoffen sie, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Doch das ist nicht das einzige Ziel des Großprojekts.

Rosenheim – Klimaneutralen, flächensparenden und trotzdem bezahlbaren Wohnraum schaffen: Das ist das selbsterklärte Ziel eines Großprojekts an der Technischen Hochschule (TH) Rosenheim.Gut elf Jahre sind vergangen, seit man zuletzt 2010 an den „Olympischen Spielen des Bauens“ teilgenommen hat. In Madrid belegte die Rosenheimer Hochschule als bester deutscher Teilnehmer den zweiten Platz. Jetzt, da der Wettbewerb zum ersten Mal in Deutschland ausgetragen wird, bewarb man sich erneut für das prestigeträchtige Bauprojekt.

Die Anforderungen sind gestiegen

„Im Vergleich zu damals hat sich viel verändert und alles ist deutlich komplexer geworden“, berichtet Projektleiter Andreas Boschert, „heutzutage baut man nicht einfach nur ein einzelnes Gebäude, sondern muss ein ganzheitliches Konzept mit unterschiedlichen Anforderungen entwickeln.“ Dieses Konzept beinhaltet neben der theoretischen Planung des Designs auch die technische Ausstattung, die Abgrenzung zu den Nachbarn oder die Energieversorgung. Zudem sind die Schließung von Baulücken und die Nachhaltigkeit mittlerweile wichtige Bewertungskriterien.

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Aus diesem Grund wird der „Solar Decathlon“ mit seinen zehn unterschiedlichen Teildisziplinen zum aufwendigen „Mammutprojekt“, für das die Rosenheimer Studenten aus allen möglichen Studiengängen zusammenarbeiten werden: von Architektur und Ingenieurwesen über Informatik und IT-Technik bis hin zu BWL. Alle helfen zusammen, um schließlich im Juni 2022 einen modernen Wohnraum präsentieren zu können, der den Anforderungen der heutigen Großstädte entspricht.

Projekt wird aus der Region unterstützt

Doch der Weg zum Erfolg ist laut Borschert lang und bedarf daher jeglicher Unterstützung aus der Region. Bevor das Testmodell eines Raums entsteht, wird an der TH zunächst ein ganzheitliches theoretisches Konzept entworfen.

Mithilfe der Wohnungsbaugesellschaft Siedlungswerk Nürnberg planen die Studenten dann das Design für ein komplettes Stockwerk, nach dessen Vorbild ein einzelner Wohnraum auf dem Testgelände der TH Rosenheim aufgebaut wird. Dieser circa zwölf mal acht Meter große Raum wird dann zur geplanten klimaneutralen und flächensparenden Wohnung optimiert. Kurz vor der Austragung des Wettbewerbs wird der Prototyp abgebaut und von Rosenheim nach Wuppertal gebracht, wo er wieder errichtet und öffentlich ausgestellt wird. Wie genau die moderne Wohnung letztendlich aussehen soll, bleibt derzeit noch ein Geheimnis.

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Um das Langzeitprojekt zu stemmen, braucht Boschert jede Hilfe, die er kriegen kann und setzt dabei, neben diversen Partnern und Sponsoren, vor allem auf staatliche Unterstützung. So übernimmt beispielsweise das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr einen Teil der angesetzten Gesamtkosten von rund 1,2 Millionen Euro, um „die praxisorientierte Entwicklung und zukunftsweisende Ideen“ zu unterstützen, wie Bauministerin Kerstin Schreyer in einem Schreiben betont. Sie zeigt sich überzeugt, dass sich aus den Ideen durchaus Projekte entwickeln ließen, die letztendlich bayernweit umgesetzt werden können.

Eine große Herausforderung für alle Teilnehmer stellen die Corona-Maßnahmen dar. Während die Vorlesungen zwar problemlos digital stattfinden können, wird die Absprache zwischen den beteiligten Studenten und Professoren laut Boschert deutlich erschwert.

Testraum wird im Herbst aufgebaut

Bis zum Bau des Prototyps im Herbst hofft man jedoch, dass sich die Lage etwas bessert, um eine ähnlich gutes Ergebnis wie vor elf Jahren zu erzielen. „Die Konkurrenz ist stark, doch wir haben jede Menge guter Studenten und sind aktuell im Zeitplan“, gibt sich der Projektleiter zuversichtlich und blickt optimistisch auf das internationale Bauprojekt.

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