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Mehr als 15 Kilogramm Kokain im Auto

  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Traunstein/Rosenheim – Ein enormer Rauschgiftfund gelang Beamten der Grenzpolizeiinspektion Raubling im August 2020 im Bereich von Flintsbach.

15,22 Kilogramm Kokain im Wert von einer Million Euro zogen sie bei der Kontrolle eines Pkw Range Rover Evoque mit einem inzwischen 42-Jährigen am Steuer im doppelten Sinn „aus dem Verkehr“. Die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler verhängte gegen den albanischen Staatsangehörigen jetzt eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und vier Monaten.

Der Pkw war am Morgen des 24. August 2020 von der Autobahn A 8 kommend auf der A 93 Richtung Kufstein/Innsbruck unterwegs, als ihn eine Zivilstreife der Grenzpolizeiinspektion Raubling auf den Parkplatz Petersberg lotste. Der 42-Jährige verneinte den Zivilbeamten gegenüber die Frage, ob er illegale Dinge mitführe.

Einhandmesser inder Mittelkonsole

Beim Durchsuchen des Wagens entdeckten die Polizeibeamten in der Mittelkonsole ein Einhandmesser. Außerdem bemerkten sie Manipulationsspuren im Bodenbereich. Unter einem Teppich lag der eigentliche Zugang zu einem professionellen Schmugglerversteck, in dem insgesamt 15 Einzelpakete mit Kokain verstaut waren. Das Rauschgift war mit 40 Prozent Kokainhydrochlorid von sehr guter Qualität, wie sich später herausstellte.

Wegen Nachermittlungen hatte die Kammer das Verfahren im März 2021 ausgesetzt. Jetzt wurde der Prozess nochmals von vorne begonnen. Stundenlange Verhandlungen und Rechtsgespräche gingen der Verhandlung voraus. Dabei rangen die Prozessbeteiligten über die Art der verwirklichten Straftaten, vor allem wegen der im Auto mitgeführten „Waffe“, und die Höhe der Strafe im Fall eines Geständnisses. Erst nach der Mittagspause konnte Staatsanwalt Josef Haiker die Anklageschrift verlesen.

Hatte der Albaner in der ersten Verhandlung noch geschwiegen, so machte er im zweiten Anlauf Angaben, wenn auch nicht zum Beispiel zu seinen Hintermännern. Die Verteidiger, Daniel Amelung aus München und Hans Hafner aus Berchtesgaden, gaben eine Erklärung ab. Das Fahrzeug sei seit 2018 auf den 42-Jährigen zugelassen gewesen. Mehrere Personen hätten es genutzt. Ihr Mandant habe nie zuvor Drogen transportiert. Einige Tage vor der Fahrt nach Italien sei das Kokain in seiner Gegenwart in den Range Rover eingebaut worden.

Bei Rosenheim hätte der 42-Jährige von einem Fahrzeug gezeigt bekommen sollen, an welcher Ausfahrt er die Autobahn verlassen sollte. Ihr Mandant habe den Zivilwagen der Polizei für das besagte Auto gehalten.

Verteidiger Daniel Amelung sprach von „einer von den Auftraggebern überwachten Fahrt“ des Angeklagten. Das Einhandmesser erklärte der Anwalt mit einem Neffen des 42-Jährigen, der bei einem Verkehrsunfall im Wagen verbrannt sei. Aus Angst, im Fall eines Brands nicht rauszukommen, führe der Angeklagte stets das Messer als „Gurt- und Glasschneider“ mit sich. Der Albaner bestätigte dies. Als Lohn für den Drogenschmuggel hätte er von den Hinterleuten nach seinen Worten den Range Rover Evoque Baujahr 2012 geschenkt bekommen sollen.

Verzicht auf vieleZeugenaussagen

Angesichts des Geständnisses verzichteten die Prozessbeteiligten auf die meisten Zeugen. Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts in München informierten über zahlreiche Genspuren des Angeklagten an den Rauschgiftpäckchen. Trotz Spuren von Kokain in einer Haarprobe des 42-Jährigen verneinte der psychiatrische Sachverständige, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, Suchtprobleme. Der Mann sei bei der Schmuggelfahrt voll schuldfähig gewesen.

Staatsanwalt Josef Haiker plädierte wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und mit Waffe auf zehn Jahre Freiheitsstrafe. Die Verteidiger forderten Verurteilung wegen „Beihilfe zum Handeltreiben“, stellten aber keinen konkreten Antrag zur Höhe der Strafe.

Im Urteil folgte die Sechste Strafkammer teils dem Staatsanwalt, gelangte jedoch nicht zu einer „Waffe“ im Sinn eines „bewaffneten Handeltreibens“. Vorsitzende Richterin Jaqueline Aßbichler begründete, das sichergestellte Messer falle nicht unter den Paragraf 30 des Betäubungsmittelgesetzes: „Die Einlassung des Angeklagten zum Verwendungszweck des Messers war nicht widerlegbar.“

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