Tag 1 der Maskenpflicht in Rosenheim: Polizei will „sensibilisieren, nicht schikanieren“

Ein Euro pro Maske: Roy Konzack vom Sicherheitsdienst Cult Crew gibt Kunden, die keinen Mund-Nase-Schutz dabei haben, vor einem der Prechtl-Märkte eine Einweg-Maske. Der Erlös kommt den Tafeln, mit denen Prechtl zusammenarbeitet, zugute. Gestern war der erste Tag der Maskenpflicht im Landkreis Rosenheim. Ruprecht

Gestern war der erste Tag mit Maskenpflicht im Landkreis Rosenheim. Die Polizei wird im Zuge der Ausgangsbeschränkungskontrollen auch auf ihre Einhaltung achten. Einen genauen Bußgeldkatalog gibt es aber noch nicht. Positive Resonanz kommt von Betrieben aus der Region.

Von Alexandra Schöne

Rosenheim–  Die Überwachung der Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise unterliegt nach wie vor der Polizei, wie ein ein Sprecher des Polizeipräsidiums Rosenheim mitteilte. „Wir werden jetzt aber keine Maskenstreifen rausschicken, die verstärkt in diesem Bereich kontrolliert.“ Das Hauptaugenmerk liege weiterhin darauf, mit den Kontrollen das Infektionsrisiko zu senken. Es gehe nicht darum, Menschen zu sanktionieren. „Wir wollen die Menschen sensibilisieren und gerade am Anfang viel kommunikativ lösen“, sagt der Polizeisprecher.

Verstoß ist eine Ordnungswidrigkeit

Bezüglich eines etwaigen Bußgeldes bei Verstößen verweist ein Sprecher des Landratsamtes Rosenheim auf den Paragrafen 73 des Infektionsschutzgesetzes. „Ein Verstoß gegen die Maskenpflicht ist eine Ordnungswidrigkeit und kann entsprechend mit bis zu 2 500 Euro geahndet werden“, sagt er. Wie teuer es konkret wird, wenn man zum Beispiel ohne Mundschutz in den Supermarkt geht, lässt sich bis jetzt noch nicht genau sagen.

Die Polizei werde dem Sprecher zufolge kontrollieren, für die Abwicklung der Verfahren seien jedoch das Landratsamt oder die Stadt Rosenheim zuständig. „Wir gehen aber davon aus, dass die Menschen verantwortlich handeln“, betont der Sprecher.

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Positive Reaktionen zur Maskenpflicht kommen von Betrieben in der Region.

„Ich war überrascht, dass gestern so viele Leute schon über die neue Entwicklung informiert waren und ihre Masken auch dabei hatten“, sagt Andreas Prechtl junior, Geschäftsführer der Frischemärkte Prechtl. „Die Leute sind verständig und einsichtig“, bestätigt er.

Masken wurden frühzeitig gekauft

Schon seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen Mitte März hat Prechtl in den vier Filialen in Raubling, Bad Aibling, Bad Feilnbach und Brannenburg erste Corona-Maßnahmen angestoßen. Frühzeitig kümmerte er sich um Mund-Nasen-Schutz für das Personal in den Märkten. Die Mitarbeiter haben die Masken aus medizinischer Baumwolle von Anfang auch getragen. „Das ist die neue Normalität inzwischen“, sagt Prechtl.

Jetzt überwachen Mitarbeiter von Securityfirmen die Einhaltung der Maskenpflicht. Falls Kunden ohne Schutz in den Laden wollen, gibt die Security diesen eine Einweg-Mund-Nasen-Maske. „Wir erbitten dafür eine Spende von einem Euro. Die Beträge kommen dann den Tafeln zugute, mit denen wir zusammenarbeiten“, erklärt Prechtl.

In der Brot- und Feinbäckerei Wolter in Rosenheim steht man ebenfalls ganz hinter der neuen Verordnung. Inhaber Matthias Wolter hatte ähnlich wie Prechtl schon vor Wochen Masken für seine Mitarbeiter bestellt. Er habe sich dafür entschieden, dass alle einen Schutz tragen, da Produktion und Verkauf in einem Raum stattfinden.

Seine Kunden halten sich großteils an die Vorschrift. Aber: Gestern Morgen seien es weitaus weniger gewesen als üblich. Das ist laut Wolter eine Folge der Kurzfristigkeit der Verordnung im Landkreis Rosenheim. „Für mich ist es unverständlich, dass man am Dienstagabend so etwas bekanntgibt, und am nächsten Morgen sollen sich alle daran halten. Da hätte man den Bürgern mehr Zeit geben müssen“, betont er.

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Mundschutz ist auch in der Rosenheimer Frischehalle schon seit längerem ein Muss. Marktleiter Josef Hartl begrüßt die Maskenpflicht, vor allem, weil er Vater zweier kleiner Kinder ist. „Alle brauchen Schutz“, bekräftigt er.

90 Prozent der Fahrgäste mit Schutz

Positives hat auch Ingmar Töppel, Chef des Stadtverkehrs Rosenheim, zu berichten. „90 Prozent der Fahrgäste halten sich schon an die Pflicht“, sagt er. Eigentlich dürften die Busfahrer laut Straßenverkehrsordnung eigentlich gar nicht mit einem solchen Schutz arbeiten. „Wegen des Wiedererkennungswerts“, erklärt Töppel. Es ist nämlich gesetzlich vorgeschrieben, im Straßenverkehr für Radarkontrollen beispielsweise gut erkennbar zu sein. „Das passt alles bis jetzt noch nicht so zusammen.“ Töppel würde eine Maskenpflicht für die Fahrer gern vermeiden, da durch die verminderten Luftzufuhr auch die Konzentrationsfähigkeit leiden kann.

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In den Zügen der Bayerischen Regiobahn tragen die Mitarbeiter laut einem Sprecher seit gestern Schutzmasken – und das nicht nur im Landkreis Rosenheim. „Falls die Kollegen an Bord eine Person ohne Schutz wahrnehmen, werden sie diese auf die gesetzliche Verordnung hinweisen“, sagt der Bahnsprecher. „Wir melden Verstöße an die zuständigen Behörden.“

„Aiwanger-Vlies“

Material für 41000 Masken:

Rund 350 freiwillige Näher hatten sehnsüchtig auf die zweite Lieferung des sogenannten „Aiwanger-Vlies“ gewartet. Daraus kann Nasen-Mundschutz genäht werden, der in allen Bereichen dringend benötigt wird. Inzwischen ist die Lieferung da. Insgesamt 16 Rollen des Vlieses haben Stadt und Landkreis Rosenheim nach Angaben des Landratsamtes erhalten. Komplett ausgerollt, ergibt sich eine Länge von 6,4 Kilometern. Daraus können rund 41 000 Masken genäht werden. Die Rollen wurden von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerkes (Foto: THW) abgeholt und dann direkt an die Firma Sefar GmbH in Edling übergeben. Das Unternehmen übernahm den Zuschnitt mithilfe eines Lasers. Im Anschluss wurden die zugeschnittenen Teile in 50er-Bündel gepackt und an die rund 350 freiwilligen Näher ausgeliefert, die sich auf einen Aufruf des Landratsamtes gemeldet hatten. Die haben dann zwei bis drei Tage Zeit, die 50 Masken zu nähen, bevor sie wieder abgeholt werden. Die fertigen Masken werden dann an Kliniken, Alten- und Pflegeheime, Ärzte, Rettungsdienste und Pflegedienste weiterverteilt.

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