Maskenpflicht in Stadt und Kreis Rosenheim: Was funktioniert und was nicht

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Eine Gesichtsmaske ist in Bayern in Läden und im ÖPNV ab dem 27. April Pflicht. In Stadt und Kreis Rosenheim schon ab dem 22. April.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Abstand halten. Und wo das nicht geht: Maske auf. Am Montag, 20. April, kündigte Ministerpräsident Söder Maskenpflicht ab nächster Woche an. Ob in Rosenheim die Maske früher kommt, wurde am Dienstag beraten. Ab dem heutigen Mittwoch gilt die Pflicht. Wir haben Experten befragt, welche Maske hilft.

Rosenheim - Das Vermummungsgebot ist da: In seiner Regierungserklärung vor dem Landtag hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Kampf gegen Corona die Maskenpflicht verkündet. Ab nächster Woche muss in Läden und im Öffentlichen Nahverkehr Mund- und Nasenschutz getragen werden. Doch wie ist das angesichts des allgemeinen Mangels an wirksamen Masken überhaupt zu schaffen? Experten aus der Region Rosenheim wissen Rat.

+++ Die Maskenpflicht in Stadt und Kreis Rosenheim gilt ab dem 22. April. +++

Jürgen Hoffmann heißt einer dieser Fachleute. Er bezeichnet sich selbst als Saurier der Filter-Technik. In Schechen bei Rosenheim baute er das Filterkontor auf. Spezialität: Äußerst feine Filter-Vliese, die weltweit für die Filterung von Flüssigkeiten eingesetzt werden. In Zeiten von Corona ist das sinnvoll. „Jeder Erreger sitzt auf einem Tröpfchen“, sagt er, auf einer winzigen Menge Flüssigkeit, ausgeatmet oder -gehustet von Menschen. Grundsätzlich meint er: Maskenpflicht ist angebracht. „Wir gehen gerade dazu über, Einschränkungen zu lockern. Da sollte man tun, was möglich ist, um sich und andere zu schützen.“

Genormte Masken sind fürs Rettungspersonal

Genormte Masken sollten Medizinern, Pflegern und Krankenschwestern vorbehalten sein. Was tun gegen den Mangel? Selber schneidern und basteln - das geht. Davon ist Jürgen Hoffmann überzeugt. Masken kann man aus Vliesstoffen herstellen, die nach modernsten Verfahren hergestellt werden. „Wasserabstoßendes Mikro-Vlies“, so sagt es Jürgen Hoffmann, „schützt in beide Richtungen sehr gut.“

Man kann auch auf herkömmliche Stoffe zurückkgreifen, etwa ausgemusterte Hemden, Kissenbezüge oder Geschirrtücher - so lange man gewisse Dinge beachtet. Hoffmann rät, bei Nähen dieser „Stoffmasken“ aufzupassen - auf dass die Nadel den Stoff ja nicht im Bereich von Nasenlöchern oder Mund durchsticht. „Eine Nadel macht ein Loch von einem Milimeter Durchmesser“, weiß er - mehr als groß genug, um Coronaviren auf winzigsten Tropfen den Austritt zu gewähren.

Masken aus herkömmlichem Stoff haben Nachteile. Aus mikroskopischer Sicht klaffen in ihnen riesige Öffnungen.

Scheunentore zwischen Fasern

Im Vergleich wären die Zwischenräume zwischen den Fasern des Schals das berühmte Scheunentor, die Poren eines Vlieses dagegen dagegen kleiner als das Schlüsselloch, wie Hoffmann erklärt.

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Dennoch: "Grundsätzlich ist alles gut, das Mund und Nase bedeckt, egal, ob dies eine medizinische, eine selbst genähte, waschbare oder ein sogenannter Mund-Nasen-Schutz, wie er im OP getragen wird, ist. Dies sagt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundhsiteamtes Rosenheim. „Auch ein Schal oder Halstuch sind geeignet.“

Sie schützen zumindest das Umfeld. Aber: Sie stellen eine Gefahr für den Träger dar, wenn der nicht nur eigene  Keime, sondern auch die aus dem Umfeld verbreiteten infektiösen Erreger inhaliert.

Gesichtsmaske selbst nähen: Schritt für Schritt erklärt

Was nicht lange dauert. Wenn die Feuchtigkeit der Atemluft verdunstet ist, sind die Keime nicht mehr an die Faser gefesselt und können sich auf den Weg in die Atemorgane machen. Also, sagt Jürgen Hoffmann: Häufig wechseln, nach spätestens drei Stunden, gründlich waschen. „Hitze und Lauge mögen die Erreger nicht.“ Vlies-Masken nicht waschen!

Und medizinische Masken mit Vlies? Nicht waschen, rät Hoffmann, sonst verlieren sie ihre wasserabstoßenden Eigenschaften. Er empfiehlt die Sterilisierung in der Mikrowelle (einige Minuten) oder im Backofen - bei 80 Grad, 20 Minuten lang.

Masken mit Ventil bringen nur Bildhauern etwas

Was gar nichts bringt, sind FFP-Masken mit Ventil. Sie seien entwickelt für Bildhauer oder Trockenbauer und gewährten der Umgebung ein falsches Gefühl der Sicherheit. „Die sind in der jetztigen Situation Unsinn“, sagt Hoffmann. Wer andere schützt, wird selbst geschützt

Eine Hand wäscht die andere: Das gilt nicht nur für Hand-Hygiene, sondern auch dafür, dass man mit dem Tragen einer Maske einerseits schützt, andererseits auch ein Beispiel gibt.

Hierl appelliert nochmals an den Gemeinschaftssinn, der direkt den andern und indirekt damit einen selbst schützt: „Je öfter und je mehr Bürgerinnen und Bürger eine Maske tragen oder Mund und Nase bedecken, desto größer wird der Schutz für alle vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.“

Morgen soll dann entschieden werden, ob die Region Rosenheim als Corona-Hotspot die Maskenpflicht ab sofort einführt.

Was der Leiter des Gesundheitsamtes sagt

Was Wolfgang Hierl auf die Anfrage des OVB sagte: „An erster Stelle bei der Vorbeugung von Infektionen steht weiterhin, Abstand halten. Dort, wo sich das nicht immer einhalten lässt, wie im ÖPNV oder beim Einkaufen, weil mehrere Menschen zusammenkommen, ist bereits jetzt schon das Tragen einer Maske dringlich zu empfehlen. Wahrscheinlich wird nicht jeder Bürger bis zur Einführung der Maskenpflicht eine Maske haben.

Grundsätzlich ist alles gut, das Mund und Nase bedeckt, egal ob dies eine medizinische, eine selbst genähte, waschbare oder ein sogenannter Mund-Nasen-Schutz, wie er im OP getragen wird, ist. Auch ein Schal oder Halstuch sind geeignet.

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes schützt vor allem mein Gegenüber, indem es verhindert, dass Tröpfchen nach außen gesprüht werden. Wenn mein Gegenüber auch einen Mund-Nasen-Schutz trägt, ist das wiederum ein Schutz für mich persönlich. Je öfter und je mehr Bürgerinnen und Bürger eine Maske tragen oder Mund und Nase bedecken, desto größer wird der Schutz für alle vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.“

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