Flyer sorgt für Aufregung

Maskenpflicht an Schulen im Raum Rosenheim: Eltern warnen – Kinderpneumologe beruhigt

Die Maske kehrt in den Schulalltag zurück. Noch gebe es keine Studien über die Langzeitfolgen, die die Maske hervorrufen kann, bemängelt das Aktionsbündnis Rosenheimer Eltern.
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Die Maske kehrt in den Schulalltag zurück. Noch gebe es keine Studien über die Langzeitfolgen, die die Maske hervorrufen kann, bemängelt das Aktionsbündnis Rosenheimer Eltern.
  • Anna Hausmann
    vonAnna Hausmann
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Die Maskenpflicht an den Schulen in der Region Rosenheim erhitzt die Gemüter. Das Bündnis Rosenheimer Eltern spricht von möglichen Kohlenstoffdioxidvergiftungen und mindestens einem kollabierten Kind. Mediziner, die betroffene Schule und das Gesundheitsamt sehen keine Grundlage für solche Behauptungen.

Rosenheim – Das Bündnis Rosenheimer Eltern steigt wieder in den Ring. Das Streitthema ist dasselbe: die Maskenpflicht an den Schulen. Diese gilt seit gestern in Stadt und Landkreis Rosenheim, an Grund- sowie an weiterführenden Schulen. In einem Brief an die Lehrer und Schulleiter warnen die Eltern vor einer Kohlendioxidvergiftung. Außerdem fordern sie von Bayerns Regierung eine Studie über die Gefahr der Mund-Nasen-Bedeckung.

Flyer warnt vor dem „lautlosen Tod“

„Woran erkenne ich, wenn es mir unter der Maske nicht gut geht?“ Diese Frage stellt sich ein Mädchen, abgebildet auf einem Flyer, den das Bündnis Rosenheimer Eltern gefertigt hat. Die Antworten des Bündnisses: Schwindel, Rauschen in den Ohren, Kopfschmerzen – alles Anzeichen einer Kohlendioxidvergiftung, auch „der lautlose Tod“ genannt. Die Flyer haben sie bereits zahlreichen Schulleitern in Stadt und Landkreis zukommen lassen, damit diese an die Schüler verteilt werden.

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Elternbündnis spricht von Anfeindungen der Mitglieder

„Wir möchten die Kinder sensibilisieren, sie können ihre Symptome vielleicht noch nicht mit der Maske in Verbindung bringen“, erklärt das Aktionsbündnis, dessen Vertreter (Name der Redaktion bekannt) aufgrund von Anfeindungen nicht mehr namentlich genannt werden möchte.

Das Bündnis lässt von seinen Forderungen nicht ab, zu groß sei das Risiko durch das Tragen der Masken. Angeblich seien bereits Mädchen und Jungen an Schulen in der Region ihretwegen kollabiert. Am Ignaz-Günther-Gymnasium habe es einen Fall gegeben, erklärt das Bündnis. Die Schule dementiert den Vorwurf auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen vehement, auch dem Schulamt ist ein solcher Fall nicht bekannt.

Elternbündnis sieht Nachweis für Nutzen von Masken nicht erbracht

In einem offenen Brief an alle Schulen der Stadt und des Landkreises legen die Eltern nach: Solange es noch keine Studien über die Gefahr von Masken gebe, „sind Lehrer, Erzieher und Eltern gesetzlich verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder keinen Schaden durch das Tragen von Masken erleiden“.

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Parallel fordern sie von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml sowie ihrem Kollegen auf Bundesebene, Jens Spahn, die Durchführung einer Studie. Diese soll belegen, welche gesundheitlichen Schäden tatsächlich von einer Maske ausgehen können – und wie viele Infektionen selbige überhaupt verhindert. Denn solch ein wissenschaftlicher Nachweis fehlt bisher aus Sicht des Bündnisses.

Viele Eltern melden sich wegen Maskenpflicht beim Schulamt

Die Maskenpflicht ist und bleibt Streitthema. Das weiß der Schulamtsleiter Edgar Müller. Den ganzen Tag klingele bei ihm das Telefon. Am Apparat: Besorgte Eltern und Lehrer. Vielen sei die Maskenpflicht ein Dorn im Auge. „Es geht aber in beide Richtungen: Manche wollen sogar noch strengere Regeln.“

Für ihn ist es legitim, dass sich das Bündnis nun an die Schulen wendet. Er hat für sie Verständnis. „Wir haben Meinungsfreiheit. Gerade zu den Masken gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Aussagen.“ Den Flyern kann er nichts Negatives abgewinnen. Die Eltern hätten auch den richtigen Weg gewählt, indem sie diese nicht direkt an die Kinder verteilt haben. „Die Schule ist ein geschützter Raum, Flyer dürfen nicht ohne Einverständnis der Schule verteilt werden.“

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Unverständnis beim Mediziner

Bei dem Rosenheimer Kinder- und Jugendarzt und Kinderpneumologen Otto Laub mit Praxis in Happing stoßen die Aussagen des Bündnisses auf Unverständnis. Der Arzt, der Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Bayern und Vorsitzender des Praxisnetz-Verbunds „Paednetz Bayern“ (Pädiatrie/Kinderheilkunde) ist, erklärt: „Ich finde in der mir verfügbaren Literatur keine Daten, die solche Symptome im Zusammenhang mit dem Tragen von Alltagsmasken valide darstellen.“

Keine derartigen Symptome

Seit Jahren betreut er Kinder und Jugendliche mit teilweise schweren Atemwegserkrankungen. Ihm sind durchaus eine ganze Reihe von Kindern und Jugendlichen bekannt, die bereits seit Langem zum Eigen- und Fremdschutz derartige Masken tragen. Dabei gibt es laut dem Mediziner auch Patienten mit bekannter Einschränkung der Lungenfunktion. Selbst von diesen Patienten gebe es bisher keine Berichte, in denen etwa von einer Kohlendioxidvergiftung die Rede sei. Umso verwunderlicher findet er es, dass angeblich bei völlig gesunden Kindern mit keinen dieser Einschränkungen solche Symptome auftreten sollen.

Unterstützung bekommt der Mediziner vom Rosenheimer Gesundheitsamt: „Die immer wieder zitierte Behauptung, dass es durch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung zu vermehrter Rückatmung von CO2 mit entsprechenden toxischen Symptomen kommt, wird aus wissenschaftlicher Sicht verneint“, so Sprecher Michael Fischer.

Eine von den OVB-Heimatzeitungen angefragte Stellungnahme des bayerischen Gesundheitsministeriums steht noch aus.

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