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Masernimpfung: Schlusslicht in Bayern

Dr. Irmgard Wölfl
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Dr. Irmgard Wölfl

Seit dem Tod eines Kleinkindes in Berlin ist die Diskussion über die Gefährlichkeit der Masernerkrankung und die Impfrisiken auch in der Stadt und im Landkreis Rosenheim voll entbrannt. Die Junge Union fordert eine Impfpflicht für alle Kinder, die eine Kindertageseinrichtung besuchen.

Die OVB-Heimatzeitungen haben mit der Chefin des Gesundheitsamtes, Dr. Irmgard Wölfl, über die Situation im Landkreis gesprochen.

∗ Bei Masern handelt es sich um eine Infektionserkrankung, die dem Gesundheitsamt gemeldet werden muss. Wie viele Fälle wurden im Vorjahr in der Stadt und im Landkreis Rosenheim bekannt, wie viele wurden 2015 bereits registriert?

Im Jahr 2014 wurden dem Gesundheitsamt Rosenheim insgesamt drei Masernfälle gemeldet. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres waren es 18 Meldungen.

∗ Nach Aussagen der Jungen Union beträgt die Impfquote in der Region nur 40 Prozent anstatt der aus Sicht der Wissenschaft erforderlichen 95 Prozent. Wenn diese Zahl zutrifft, worauf führen Sie die Impfmüdigkeit zurück?

Laut Gesundheitsreport Bayern des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit betrugen die Impfraten der Einschulungskinder in Bayern, Schuljahr 2012/2013, für die erste Masernimpfung 95,3 Prozent, für die zweite Masernimpfung 90,5 Prozent. Für Stadt und Landkreis Rosenheim betragen diese Zahlen 86,4 beziehungsweise 77,5 Prozent. Damit liegt die Durchimpfungsrate im Rosenheimer Bereich im bayernweiten Vergleich an letzter Stelle. Dies ist sicherlich einer gewissen Impfskepsis in unserem Einzugsgebiet geschuldet.

∗ Sie gelten als Impfbefürworterin. Wie leistet Ihre Behörde Überzeugungsarbeit, und müssen möglicherweise neue Wege bei der Aufklärung der Bevölkerung beschritten werden?

Das Gesundheitsamt Rosenheim leistet vielfältige Überzeugungsarbeit. Anzuführen sind hier unter anderem telefonische Impfberatungen im Hause und die Teilnahme am sogenannten "Impfrecall": Anlässlich der Impfbuch-Durchsicht durch Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamts bei der Einschulungsuntersuchung und in den fünften Klassen werden fehlende Impfungen registriert und auf einem Einlegeblatt den Eltern mitgeteilt - mit der Bitte, diese Impfungen beim Kinder- oder Hausarzt nachzuholen. Im Juli 2014 veranstaltete das Gesundheitsamt für die Kinder- und Jugendärzte sowie Hausärzte und hausärztlich tätige Internisten eine Veranstaltung zum Thema Impfnotwendigkeit. Ich nehme die Bedenken von Eltern gegenüber dem Impfen ernst und verstehe gut, dass man als Vater und Mutter das Beste für seine Kinder will und selbstverständlich Nutzen und Risiko einer Impfung sorgfältig abwägt. Genau hier setzt unser neues Projekt "IMog" (Impfen nach motivierender Gesprächsführung) an. Dabei erstellen Eltern eine Liste mit allen Argumenten und Gefühlen für und gegen die Impfung. Im Gespräch mit einem Experten werden die Bedenken soweit möglich ausgeräumt. Ziel ist eine Entscheidung ohne Angst und schlechtes Gewissen. Zum Thema bieten Kinder- und Jugendärzte in Stadt und Landkreis Rosenheim in den nächsten Monaten Infoabende in Kindergärten an. Neu ist auch eine Kinokampagne zum Thema Masernimpfung des Bayerischen Gesundheitsministeriums im Rahmen des LGL-Projekts "Bayerische Impfoffensive gegen Masern", die in vier bayerischen Landkreisen durchgeführt wird - darunter auch Stadt und Landkreis Rosenheim. Start ist am 5. März. Zusätzlich werden Edgar Cards verteilt.

∗ Zugang in eine Kindertageseinrichtung nur bei Vorliegen eines Impfnachweises: Ist diese Forderung des CSU-Nachwuchses Populismus oder ein geeigneter Weg, die von der Krankheit ausgehenden Gefahren zu reduzieren?

Eine allgemeine Impfpflicht für Kinder könnte nur als ultima ratio in Erwägung gezogen werden. Ihr stehen die Eigenverantwortung und die Eigeninitiative des mündigen Bürgers gegenüber. Eine Impfpflicht bedeutet einen erheblichen Eingriff in das im Grundgesetz garantierte Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und in das Sorgerecht der Eltern. Bayern setzt daher insbesondere auch für Kinder vor dem Eintritt in die Kita vor allem auf die Beratung und Aufklärung der Eltern. Interview: Norbert Kotter

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