Erst seit 1998 vom Tisch

Marienberg bei Rosenheim: 30 Jahre Streit um ein mögliches Atomkraftwerk

Das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld.
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Das Atomkraftwerk in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt: Eine solche Anlage war auch mal in der Nähe von Rosenheim in der Diskussion.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Mit der Standortsuche nach einem Endlager für Atommüll ist das Thema zurück in der Region Rosenheim. Zurück? Es gab vor Jahrzehnten Überlegungen für ein Atomkraftwerk bei Marienberg zwischen Rosenheim und Schechen. Erst im Jahr 1998 wurden sie endgültig begraben.

Rosenheim – Ein Atomkraftwerk in Marienberg zwischen Rosenheim und Schechen? Solche Pläne gab es. Die Diskussionen darüber entbrannten Anfang der 1970er Jahre. 1978 wurden die Überlegungen konkreter. Der bayerische „Standortsicherungsplan“ wies Marienberg neben zwölf anderen Orten als möglichen Standort aus.

Rosenheimer Abgeordnete bleiben Abstimmung im Landtag fern

Damit begann eine Welle von Protesten. Führende Politiker aus Stadt und Landkreis Rosenheim wie Landrat Georg Knott, Walter Schlosser oder der Bürgermeister von Schechen kündigten an, mit „allen legalen Mitteln gegen den Bau eines Kernkraftwerks Marienberg“ zu kämpfen. An ihrer Seite waren zahlreiche Rosenheimer Bürger.

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Die Argumente der Gegner: die meteorologischen Verhältnisse in der Rosenheimer Beckenlandschaft, die Wasserqualität des Inns sowie die unabsehbaren Auswirkungen auf Natur und Tourismus. Auch Österreich bezog Stellung gegen ein AKW Marienberg. Dennoch passierte der Standortsicherungsplan ohne weitere Diskussionen den Landtag. Die Rosenheimer Landtagsabgeordneten waren der entscheidenden Sitzung ferngeblieben.

Stoiber macht Schluss mit einem AKW Marienberg

28 Jahre des Protestes, Demonstrationen und Unterschriftenaktionen führten dann aber doch ans Ziel: 1998 versprach der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber die Streichung des Standorts Marienberg. Die endgültige Entwarnung folgte ein Jahr später. 

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