Zu Gast bei den ausländischen Profis

Mannschaftssportler sind auch Familienmenschen: Und so feiern sie Weihnachten

Weihnachtsfest
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Eine goldene Kugel hängt an einem Weihnachtsbaum. Wie feiern Profisportler in der Region das Fest?

Das Schmücken des Christbaums, die Teilnahme an der Christmette, traditionelle Weihnachtslieder, Würstl mit Kraut und tags darauf der Festtagsbraten, die Bescherung am Abend sowie Platzerl und Glühwein - und die große Gemeinsamkeit ist, die festliche Zeit mit der Familie zu verbringen. Das ist auch der Brauch bei den ausländischen Profisportlern der heimischen Mannschaften.

Von Hans-Jürgen Ziegler, Thomas Neumeier, Josef Enzinger, Rosi Gantner, Anna Heise, Gerhard Erlich und Manuela Scholzgart

Der Ablauf

Crt Lovro Urbancic, Tischtennisspieler beim Verbandsoberligisten SB/DJK Rosenheim, verbringt Weihnachten immer zu Hause mit seiner Familie in Slowenien. Ein Weihnachtsbaum ist für ihn Tradition. „Wir feiern Weihnachten am 24. Dezember und gehen in der Regel auch in die Kirche. Ich weiß nicht, ob das diesmal auch möglich ist“, sagt Urbancic. Während der Weihnachtstag der Familie gehört, trifft man sich an den anderen Feiertagen mit Bekannten.

Fu Yu, Spitzenspielerin des Tischtennis-Bundesligisten SV-DJK Kolbermoor, verbringt Weihnachten auf Madeira. „Wir haben die Tradition, dass wir einen Weihnachtsbaum aufstellen, seit wir in Portugal leben“, ließ die 41-Jährige, die ihre Wurzeln in China hat, wissen. Bei ihr wird Weihnachten erst am 25. Dezember gefeiert.

So ist es auch in Nordamerika. „Jedes Jahr trifft sich meine Familie an Heiligabend und hilft meiner Mutter das Essen zu- und alles für den nächsten Tag vorzubereiten. Dann ziehen wir passende Themenpyjamas an und gehen ins Bett – nachdem meine Mutter den Truthahn über Nacht in den Ofen gestellt hat“, berichtet der Rosenheimer Sportbund-Basketballer Jguwon Hogges vom Weihnachtsfest zu Hause in Nordamerika. „Am nächsten Tag öffnen wir nach dem Aufstehen die Geschenke und warten, bis das Essen fertig ist. Nachdem wir gebetet haben, essen wir und unternehmen etwas zusammen mit der Familie“, erzählt Hogges.

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Wasserburgs Bundesliga-Basketballerin Maggie Mulligan, eine US-Amerikanerin, verbringt den Heiligabend normalerweise bei den Großeltern zusammen mit den Cousins. Am 25. Dezember werden dann in der Früh die Geschenke ausgepackt, ehe es weiter zu Tante und Onkel geht. Am Abend gibt es ein großes Essen. Dieses Jahr wird ihre Familie das wohl nicht so machen, um die älteren Mitglieder nicht zu gefährden.

Ähnlich sieht es auch bei Landsfrau Alex Wittinger aus, die normalerweise „Christmas Eve“, also den Heiligabend, bei den Großeltern mit vielen Plätzchen verbringt. Der 25. Dezember wird immer abwechselnd bei den Großeltern und Cousins oder bei ihrer Familie selbst gefeiert.

„In Kanada hat jeder seine Art, Weihnachten zu feiern. Für meine Familie geht es hauptsächlich darum, in der Ferienzeit zusammen zu sein“, sagt Starbulls-Angreifer Curtis Leinweber. „Wir wechseln uns da von Jahr zu Jahr ab und feiern die Tage mit unseren Familien. Zum Beispiel verbringen wir in dem einen Jahr den Heiligabend mit meinem Onkel, meiner Tante und meinen Cousins, während wir den Weihnachtstag mit der restlichen Familie verbringen.“ Der spielstarke Rosenheimer Neuzugang erzählt: „Die Geschenke gibt es vor dem Abendessen. Die Kinder öffnen ihre immer zuerst und können dann mit neuen Spielsachen spielen und sehen, was ihre Cousins als Geschenk erhalten haben. Nach dem Abendessen wird entspannt, erzählt und ein Familienspiel gespielt. Bei meinen engsten Familienmitgliedern warten wir immer bis zum Weihnachtsmorgen, um die Geschenke zu öffnen. Danach gibt es ein Pfannkuchen-Frühstück, bevor wir zu unserem zweiten Weihnachtsessen gehen.“

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Sein Sturmpartner Kyle Gibbons berichtet: „Meine Familie ist zwar nicht übermäßig religiös, aber als wir aufwuchsen, sind wir an Heiligabend immer mit der Familie in die Kirche gegangen. In Deutschland haben wir das bisher noch nicht getan.“ Der Starbulls-Spieler erklärt seinen traditionellen Ablauf: „Normalerweise kaufen wir vor Weihnachten so schnell wie möglich einen Weihnachtsbaum. Dann backen wir ein oder zwei Abende bis spät in die Nacht Plätzchen, hören Weihnachtsmusik, schauen Weihnachtsfilme und natürlich schmücken wir den Baum und hängen unsere Strümpfe an ein Fenster, weil wir keinen Kamin haben. Das Haus und der Baum bleiben normalerweise zwei Monate lang geschmückt. Am Weihnachtstag selbst schauen wir immer endlos Weihnachtsfilme und tragen Hoodies und Jogginghosen mit weihnachtlichen Symbole drauf. Normalerweise spielt einer von uns den Weihnachtsmann und verteilt alle Geschenke unter dem Baum. Diese öffnen wir am Morgen des 25. Dezembers.“

Ganz andere Weihnachten hingegen feiert Svetlana Ganina, Tischtennisspielerin beim Bundesligisten SV-DJK Kolbermoor: „Wir feiern Weihnachten normalerweise erst am 6. Januar“, erzählt die Spielerin aus Russland mit griechisch-orthodoxer Konfession. „Den Heiligabend verbringe ich heuer in Mettmann mit meiner Familie“, sagt Ganina, die in Nordrhein-Westfalen zu Hause ist.

Das Essen

„Wir lieben Essen und wir lieben es, zu kochen“, erzählt Kyle Gibbons. „Wir beginnen den Tag mit einer Familientradition: Bei uns gibt es zum Frühstück immer Zimtschnecken mit Zuckerguss. Dann bereiten wir Vorspeisen zu, die wir den ganzen Tag über essen – normalerweise Fingerfood wie verschiedene Käsesorten, Antipasti, Cracker oder Brot mit Marmelade. Am 25. Dezember gibt es abends das Weihnachtsessen.“ Der Starbulls-Angreifer verrät: „Meine Frau ist Veganerin, deshalb macht sie für sich ein veganes Hauptgericht. Als wir Kinder waren, gab es immer einen Rinderbraten, deshalb mache ich mir ein schönes Filet-Mignon-Steak. Es sei denn, wir haben Gäste da. Dann koche ich einen Rinderbraten. Es gibt auch verschiedene Beilagen wie Kartoffelpüree, grüne Bohnen oder Käse.“ Und der aus dem US-Bundesstaat Ohio stammende Gibbons verrät ein süßes Geheimnis: „Wir machen Cookies und meine Mutter hat ein schönes Schokoladen-Brownie-Rezept, das wir ebenfalls zubereiten. Wir kochen uns einfach gerne Essen, das uns an zu Hause erinnert.“

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Im kanadischen Hause seines Sturmpartners Curtis Leinweber „ist das Essen jedes Jahr grundsätzlich gleich mit einigen kleinen Abweichungen. Mit meinem Onkel und meiner Tante essen wir Pute, Schinken, Kartoffelpüree, überbackene Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Mais, Knoblauchbrot, Brokkoli-Auflauf und Cesars-Salat. Am anderen Tag gibt es das gleiche Essen. Das Einzige, was sich ändern kann, ist das Gemüse.“

Während bei Basketballer Hogges ein Truthahn aufgetischt wird, verbringt Mühldorfs Volleyballer David Fecko den Heiligabend fleischlos. Dafür kommt beim Slowaken ein Karpfen auf den Tisch. Miha Grampovcnic, ehemaliger Tischtennis-Bundesligaspieler in Österreich und seit dieser Saison beim SB/DJK Rosenheim, verrät, dass er und seine Freundin selbst kochen: „Es gibt aber nichts Besonderes.“ Im Hause von Rosenheims Tischtennisspieler Urbancic kocht immer die Mutter. Man fängt dabei mit einer kalten Vorspeise an. Danach folgt meistens Suppe und viel Fleisch mit Beilagen. Als Nachspeise gibt es etwas Süßes. Auch bei Tischtennisspielerin Fu Yu kocht die Mutter. Dabei kredenzt diese am Weihnachtstag meistens Truthahn oder Fisch. Als Nachspeise gibt es verschiedene Süßigkeiten oder weihnachtliche Spezialitäten. Ihre Mannschaftskollegin Ganina kocht am Heiligabend immer selbst – in der Regel typisch russische Gerichte wie Olivje, Pod Shuba, Fleisch im Backofen und Torte. „Was übrig bleibt, wird dann an den Weihnachtstagen verzehrt“, sagt sie.

Die Besonderheiten

Starbulls-Spieler Kyle Gibbons verrät seinen besonderen Brauch: „Bevor wir an Heiligabend ins Bett gehen, hinterlassen wir immer ein paar Kekse, Milch und etwas Gemüse für den Weihnachtsmann und sein Rentier.“ Das hat in Nordamerika Tradition, wie auch Wasserburgs Maggie Mulligan erklärt: „Als ich noch klein war, haben wir für Santa immer Milch und Kekse hingestellt.“

„Bei uns gibt es am 24. Dezember immer ein Getränk/Dessert namens ‚Grasshopper‘ mit Vanilleeis“, weiß Wasserburgs US-Amerikanerin Alex Wittinger. Im Hause Ganina wünscht man sich an Weihnachten immer viel Gesundheit mit dem Sprichwort „Na zdorovje“. Bei Volleyballer David Fecko gibt es einige Traditionen, die der 30-jährige Mittelblocker des Mühldorfer Zweitligisten nicht missen möchte: Die Gebete zu Tisch, das Stück Knoblauch vor dem Weihnachtsessen, das für die Gesundheit stehen soll. Und die guten Wünsche für das nächste Jahr: Die Familie bricht Stücke einer Waffel ab, ähnlich wie ein Glückskeks, und wünscht sich beim Verzehr gegenseitig viel Glück und Erfolg im neuen Jahr.

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Sportbund-Basketballer Hogges ist anderweitig aktiv: „In den letzten drei Jahren haben wir immer ein anderes Video zum Thema Weihnachten gedreht, um anderen ein bisschen unsere Weihnachtsstimmung zu vermitteln.“

Für Radprofi und Ex-Weltmeister Peter Sagan vom Raublinger Team Bora–hansgrohe ist Weihnachten aus vielen Gründen etwas ganz Besonderes: „Weihnachten ist zweifellos aus vielen Gründen eine meiner liebsten Zeiten des Jahres. Mein Sohn Marlon ist drei Jahre alt und die wichtigste Person in meinem Leben. Daher ist es äußerst erfüllend, so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Man könnte sagen, dass es das beste Weihnachtsgeschenk für mich ist, mit ihm zusammen zu sein! Die Zeit vergeht wie im Fluge und wenn er älter ist, werden dies die Momente sein, an die ich mich gerne erinnern werde. „

Das Heimweh

Die Eltern leben in der Slowakei, die Schwiegereltern in Norwegen: Weite Wege muss der Mühldorfer Volleyballer David Fecko zurücklegen, wenn er Weihnachten bei seinen Lieben verbringen will. „In diesem Jahr werden die Reisen wegen Corona aber nur unter Auflagen möglich sein“, befürchtet er. Ein Flug nach Trondheim? So gut wie ausgeschlossen.

Normalerweise würden die ausländischen Spielerinnen der Wasserburger Basketball-Damen an Weihnachten für ein paar Tage nach Hause kommen. Dieses Jahr geht dies aber nicht, weil coronabedingt diesmal auch über dem Jahreswechsel Spiele stattfinden. Maggie Mulligan und Alex Wittinger werden diesmal per Videoanruf mit ihren Familien etwas „Zeit verbringen“. Für Mulligan ist es das zweite Weihnachten in Folge, das sie im Ausland feiert.

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„Nachdem wir die Geschenke geöffnet haben, verbringen wir viel Zeit mit FaceTime oder Video-Chats mit unseren Familien“, sagt Starbulls-Stürmer Kyle Gibbons, der mit Frau Layne erstmals über Weihnachten in Rosenheim ist. Vielleicht gibt es ja Besuch eines Teamkollegen: „Wenn keiner der Mitspieler vorbeikommt oder wir nirgendwo hingehen, dann schauen wir uns Weihnachtsfilme an und genießen den Tag.“ Auch Curtis Leinweber und Freundin Laura sind erstmals in dieser Zeit in Rosenheim. „Ich war die letzten Jahre immer in Europa, deshalb konnte ich unsere Art, Weihnachten zu feiern, leider schon neun Jahre lang nicht mehr genießen“, erzählt der aus Calgary stammende Angreifer. „Aber auch das wird sich irgendwann ändern und ich werde wieder zu Hause sein und die ruhige und entspannte Zeit mit meiner ganzen Familie genießen“, so Leinweber. Denn für ihn gilt das, was die heimischen und die auswärtigen Sportler allesamt vereint: Die Zeit mit der Familie ist ihnen heilig – ganz besonders an Weihnachten.

Peter Sagan verbringt als professioneller Radfahrer den größten Teil des Jahres mit Training und Rennen auf der ganzen Welt: „Ich lebe aus einem Koffer, gehe von Stadt zu Stadt, schlafe fast jeden Tag in verschiedenen Hotels. Ich habe nur ein paar kurze Pausen zwischen Rennen oder Teamtrainingslagern, sodass ich sehr wenig Zeit zu Hause verbringen kann. Weihnachten ist für mich nicht nur eine wohlverdiente Pause von all der intensiven körperlichen Aktivität einer langen und stressigen Jahreszeit. Was ich am meisten schätze, ist die Gelegenheit, die festliche und fröhliche Zeit mit meiner Familie und meinen Lieben zu verbringen. Weihnachten ist eine Zeit, um Menschen zusammenzubringen und ihre Liebe auszudrücken. Welchen besseren Zeitpunkt gibt es also, um es mit seiner Familie zu genießen.“

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