Mann (36) will Rosenheimer Senioren mit Waffe in der Hand um Vermögen bringen – Haftstrafe

Mit einem Revolver in der Hand hatte der Angeklagte das Paar bedroht und die Herausgabe des Geldes verweigert.
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Mit einem Revolver in der Hand hatte der Angeklagte das Paar bedroht und die Herausgabe des Geldes verweigert.
  • vonTheo Auer
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„Geld gibt es keines“: Das machte ein Mann (36) aus Ulm einem älteren Rentnerpaar aus Rosenheim, von dem er sich 200.000 Euro geliehen hatte, klar. Seine Worte unterstrich er mit einem Revolver in der Hand. Für dieses Vergehen musste sich der 36-Jährige jetzt in Rosenheim vor Gericht verantworten.

Rosenheim – Ein österreichisches Ehepaar hatte in der Heimat sein Haus verkauft, um sich in Rosenheim niederzulassen. Hier wurden sie von einer Versicherungsagentin betreut, die zusammen mit ihrem Mann eine Verwaltungsgesellschaft betreibt. Das Ehepaar, 79 und 80 Jahre alt, fasste zu den Beiden Vertrauen und eröffnete diesen, dass sie über eine größere Menge Bargeld verfügten und auf der Suche nach einer Anlagemöglichkeit seien. Der Berater erinnerte sich daran, dass ein kosovarischer Kollege im Raum Ulm einen privaten Kreditgeber suchte.

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Er übernahm die Vermittlung und es wurde ein Darlehen von 200 000 Euro für zwei Jahre zu einem Zinssatz von 7,5 Prozent pro Jahr vereinbart. Das ganze wurde in bar und über den Vermittler abgewickelt. Schuldner und Gläubiger hatten sich niemals persönlich kennen gelernt. Die ersten Jahreszinsen wurden via Vermittler problemlos und bar ausbezahlt. Zum Ende des zweiten Jahres sollte laut Vertrag die ganze Summe plus der angefallenen Zinsen zurückerstattet werden. Zu diesem Termin stand der Vermittler nicht zur Verfügung und der Schuldner sollte diese Angelegenheit selber abschließen.

Mit dem Revolver am Gürtel

Nun wurde es kurios: Mit einem Revolver im Gürtel traf er bei den betagten Gläubigern ein, wies sich aus und legte zwei Dokumente vor, auf denen die Rückerstattung des Darlehens samt Zinsen quittiert werden sollte. Im guten Glauben an die anschließend erfolgende Rückzahlung unterschrieben beide die vorgelegten Quittungen. Dass ihr Schuldner bewaffnet war, erklärten sie sich mit der vermeintlichen Tatsache, dass der Mann mit viel Geld unterwegs gewesen sei. Im Anschluss daran steckte der 36-Jährige die Quittungen ein und erklärte, er müsse das Auto umparken. Die beiden waren im Glauben, er hole auch das Geld nun herein.

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Als der Mann zurückkam, zog er plötzlich die Waffe aus dem Hosengurt, richtete diese auf die beiden und erklärte nachdrücklich „Geld gibt es keines“, was er mehrfach wiederholte. Beim Hinausgehen bedrohte er sie weiterhin: Wenn sie die Polizei einschalten, oder den Vermittler informieren würden, dann würden sie von den „Hells Angels“ besucht und bestraft werden. Diese würden sie auch überwachen. Der direkte Nachbar der Beiden ist allerdings Polizist. Dem hatten sie sich anvertraut. So nahm das Verfahren seinen Lauf.

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Der Angeklagte war insoweit geständig, allerdings bestritt er, eine Waffe dabei gehabt zu haben. Das Darlehen hatte er zwischenzeitig vollständig zurückbezahlt.

Die Staatsanwältin forderte letztlich aufgrund der schweren psychischen Schäden der Tatopfer, die er billigend in Kauf genommen habe, eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Joachim Bonin, plädierte auf eine Bewährungsstrafe.

„Räuberische Erpressung“

Der Vorsitzende Richter Christian Merkel erklärte in seine Urteilsbegründung, dass das Gericht einstimmig zu der Überzeugung gekommen sei dass der Angeklagte eine Waffe vorgehalten habe. Dabei sei man zu Gunsten des Angeklagten davon ausgegangen, dass es sich um eine Nachbildung gehandelt habe. Dennoch sei es sich fraglos eine „räuberische Erpressung“ gewesen deren Mindeststrafe nun einmal drei Jahre sei. Eben weil bereits zurückbezahlt worden und auch die Reue sichtbar geworden war, sei man genau bei dieser Mindeststrafe geblieben.

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