Mann (29) will an Weihnachten Heimbewohnerin in Traunstein beklauen – Jetzt muss er in Haft

Eine Pflegerin begleitet die Bewohnerin eines Alten- und Pflegeheimszum Mittagessen. Eine derartige Situation hatte ein 29-Jähriger in Traunstein ausgenutzt, um die Heimbewohner zu beklauen.
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Eine Pflegerin begleitet die Bewohnerin eines Alten- und Pflegeheimszum Mittagessen. Eine derartige Situation hatte ein 29-Jähriger in Traunstein ausgenutzt, um die Heimbewohner zu beklauen.

Weil er an Weihnachten versucht hatte, einer Altenheimbewohnerin Schmuck aus der Schatulle zu klauen, musste sich jetzt ein 29-jähriger Mann in Traunstein vor Gericht verantworten. Kurios: Der Mann gab gegenüber dem Richter an, dass er in Zukunft gerne für einen Sicherheitsdienst arbeiten würde.

Von Monika Kretzmer-Diepold

Traunstein – Ein 29-jähriger Slowake ohne festen Wohnsitz und mit 24 Vorstrafen machte im Caritas-Altenheim St. Irmengard in Traunstein am zweiten Weihnachtstag 2019 lange Finger. Einer alten Dame wollte er eine Schatulle mit Modeschmuck im Wert von 150 Euro klauen. Zudem soll der Angeklagte in fünf Fällen ohne Fahrschein mit der Bahn gefahren sein. Das Amtsgericht Traunstein mit Richter Thilo Schmidt brummte dem völlig uneinsichtigen Angeklagten gestern ein Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung auf.

Immer wieder auffällig geworden

„Mit 20 Jahren bin ich abgehauen nach Deutschland“, erklärte der Slowake gestern. In der Folge klapperte er kirchliche Einrichtungen vor allem im Norden der Republik ab, fand dort jeweils Unterkunft und verdingte sich als – von den katholischen Pfarrern und evangelischen Pastoren nach seinen Angaben zumeist schwarz bezahlter – Hilfsarbeiter. Bei den 24 bisherigen Gerichtsverfahren, zumeist wegen Diebstählen und des Erschleichens von Leistungen, kassierte er lediglich zweimal kurze Freiheitsstrafen mit Bewährung.

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Nach der ersten Bewährungsstrafe fand er zwölfmal milde Richter, die ihn jedes Mal wieder mit Geldstrafen davon kommen ließen. Ein einziges Mal saß er vier Wochen im Gefängnis. Dann folgten wiederum ausschließlich Geldstrafen.

Beutezug während eines Kindergottesdienstes

Zuletzt hatte er während des Kindergottesdienstes Geld aus einem fremden Portemonnaie gestohlen und in einem anderen Fall einen Pfarrer erpresst, er solle ihm 200 Euro geben – sonst schlage er alles kurz und klein. Außerdem hatte er mit einer Geste ein Würgen angedeutet. Der Richter meinte, das sei „kein schöner Lebenslauf“. Dazu der Angeklagte: „Wenn ich wegen jeder Kleinigkeit in den Knast gehe, kostet das den Staat nur Geld.“ Er wolle wegen seiner Spielsucht eine Therapie: „Ich brauche eine. Wenn ich 30 Jahre alt bin, werde ich alles wieder gutmachen.“

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Die aktuelle Anklageschrift umfasste fünf Bahnfahrten zum Nulltarif im Raum zwischen Hamburg und Kiel. Der 29-Jährige erklärte, seine finanzielle Lage sei schlecht gewesen. Da sei für den Zug kein Geld übrig geblieben. Zuletzt habe er bei einem Pfarrer Gelegenheitsarbeiten ausgeführt, dabei zwischen 150 und 200 Euro pro Tag gekriegt.

Geld „als Ausgleich für schlechte Zeiten“

Das Geld brauche er „als Ausgleich für schlechte Zeiten“, zahle ihn doch nicht jeder Geistliche für die Hilfsarbeiten in Garten und Pfarrhof. Richter Thilo Schmidt wollte wissen, wie der Slowake nach Traunstein gekommen sei. „Ich bin seit zehn Jahren in ganz Deutschland unterwegs. Jetzt wollte ich Bayern erkunden. Die religiöse Ausrichtung war mir wurst. Hauptsache Kohle und Arbeit.“

Die Bewohner des Altenheimes waren am 26. Dezember 2019 gerade beim Mittagessen. Da ertönte eine Klingel aus dem Zimmer einer Seniorin im zweiten Stock. Eine 44-jährige Mitarbeiterin ging nachsehen und ertappte den Slowaken in flagranti. Er hatte die rote Schmuckschatulle der alten Dame in der Hand.

Auf frischer Tat ertappt

Auf Frage der Pflegerin antwortete er laut und aggressiv, er habe nichts klauen, nur auf die Toilette gehen wollen. Die Mitarbeiterin verwies auf entsprechende Klos in der ersten Etage und rief eine Kollegin an. Die beiden verständigten die Polizei, die den Tatverdächtigen vorläufig festnahm. Gestern gestand der Täter, er habe das Kästchen stehlen wollen.

Staatsanwältin Verena Erlacher plädierte wegen versuchten Diebstahls und Erschleichens von Leistungen in fünf Fällen auf zehn Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Die Sozialprognose des 29-Jährigen sei ungünstig: „Er geht keiner geregelten Arbeit nach, hat in Deutschland keine festen Strukturen. Die bisherigen Strafen haben keinerlei Wirkung gezeigt.“

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Der Verteidiger, Michael Vogel aus Traunstein, beantragte eine Strafe in Höhe der bereits verbüßten fünfmonatigen Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Traunstein könne frühere Urteile anderer Gerichte nicht korrigieren. Im „letzten Wort“ versprach der 29-Jährige: „Ich höre auf mit diesen Straftaten und werde ein anderer Mensch, wenn ich 30 bin. Ich bin in Bayern ein anderer Mensch geworden. Ein Freund in Sachsen will mir bei der Umkehr behilflich sein. Ich werde im Sicherheitsdienst arbeiten.“

Im Urteil stellte Richter Thilo Schmidt zum Motiv fest, der Angeklagte habe mit dem Diebstahl der Schmuckkassette seine Reise- und Spielkasse aufbessern wollen. Eine eventuelle Spielsucht sei nicht zu widerlegen. Der 29-Jährige kenne das Problem jedoch seit Jahren und habe nichts dagegen unternommen.

Zahlreiche Vorstrafen wirken sich strafschärfend aus

Strafschärfend wirkten die zahlreichen Vorstrafen: „Sein Bundeszentralregister ist eine Karikatur bezüglich der Strafen in Norddeutschland für immer die gleichen Taten. Es geht nicht darum, nachzuholen, was meine Richterkollegen versäumt haben.“ Der Angeklagte habe aber „Null Unrechtseinsicht“: „Sie besitzen die Dreistigkeit zu fordern, dass wir unsere Rechtsordnung über Bord werfen. Seit Sie in Deutschland sind, begehen Sie Straftaten am laufenden Band. Durch Ihr Verhalten gefährden Sie den Rechts- und den Sozialfrieden.“

Richter hofft auf Umdenken

Der 29-Jährige habe sich eine Einrichtung für besonders schutzwürdige Menschen ausgesucht. „Wenn mehr von Ihnen unterwegs wären, müssten wir vor Altenheime Sicherheitsdienste hinstellen. Ich kriege Gänsehaut bei dem Gedanken, dass Sie im Sicherheitsdienst tätig sein wollen. Sie werden Ihren 30. Geburtstag voraussichtlich im Gefängnis verbringen. Vielleicht führt das zu einem Umdenken bei Ihnen. Machen Sie wenigstens einen Bogen um Bayern.“ Der 29-Jährige legte sofort empört Berufung ein. Dazu der Richter: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Landgericht anders entscheidet.“

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