Lügenmärchen und Luftnummern

Erst reif für die Insel, dann für den Titel: 3:0 gewinnt Deutschland im September 2013 auf den Färöern - mit acht späteren Weltmeistern, die gegen Argentinien auf dem Platz standen, aber dafür ohne zahlreiche Fans aus der Region, die daheim bleiben mussten.  Foto dpa
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Erst reif für die Insel, dann für den Titel: 3:0 gewinnt Deutschland im September 2013 auf den Färöern - mit acht späteren Weltmeistern, die gegen Argentinien auf dem Platz standen, aber dafür ohne zahlreiche Fans aus der Region, die daheim bleiben mussten. Foto dpa

Für 299 Euro zum Länderspiel der deutschen Nationalelf auf die Faröer Inseln fliegen, Eintrittskarte und Hotelübernachtung inklusive - ein Schnäppchen. Kein Wunder, dass viele Fußballfans zuschlugen.

Aber die Tickets haben sie nie bekommen. Ein Mann aus Großkarolinenfeld steckte das Geld in die eigene Tasche. Und das war wohl nicht das einzige krumme Ding, das der 34-Jährige drehte. Bei seinen Betrügereien zog er alle Register. Am Montag steht er in Traunstein vor Gericht.

Rosenheim/Traunstein - Über 200 Betrugsfälle und fast 60 Urkundenfälschungen werden dem Mann zur Last gelegt. Eigentlich sollte die Verhandlung schon Mitte Januar losgehen. Weil aber der Verteidiger des 34-Jährigen erkrankte, wurde der Termin auf 2. Februar verschoben (wir berichteten).

2012 und 2013 war der Großkarolinenfelder mit seinen Lügenmärchen und Luftnummern zu viel Geld gekommen. Laut Staatsanwaltschaft entstand den Betrugsopfern ein Schaden von über 23 000 Euro. Teilweise ließ sich der zuletzt arbeitslose Mann die Scheine in bar in die Hand drücken, teilweise überweisen. Dabei zog er auch seine damalige Freundin in die Sache hinein. Mit dem ergaunerten Geld soll er Urlaub in der Sonne gemacht haben beziehungsweise vor seinen Gläubigern "geflüchtet" sein, unter anderem auf Kuba und Mallorca.

Doch das Dolce Vita auf Kosten anderer endete im Frühsommer 2014 mit einem Handschellenklick auf der spanischen Ferieninsel. Seit Juni sitzt der mutmaßliche Serienbetrüger in München-Stadelheim in U-Haft.

Internet-Flirt als "Stefanie" bringt

fast 5000 Euro

Zuvor hatte er sich nicht nur mit dem Verkauf von Fußballreisen der Nationalmannschaft und des FC Bayern gesetzeswidrig bereichert, sondern auch per Mausklick im Internet. Kaum zu glauben, wie leicht ein gutgläubiger Schweizer in die Falle tappte. Ihn hatte der 34-jährige Oberbayer als "Stefanie" auf einem Flirtportal bezirzt.

Man könne doch miteinander in den Urlaub fliegen, schlug "Stefanie" der neuen Internet-Bekanntschaft vor. Prompt überwies der Schweizer knapp 2600 Euro für die Reise. Wenige Tage später hatte "Stefanie" jedoch einen schweren Autounfall, benötigte dringend eine neue Niere und musste für die Transplantation in eine Spezialklinik verlegt werden. So überwies der Mann weitere 1300 Euro - und zwei Wochen später schickte er noch 1000 Euro nach. Das Geld, das "Stefanie" für die Miete brauchte, hatte ja die Operation verschlungen. Fast 5000 Euro landeten so auf dem Konto des 34-Jährigen.

Das Geld für die Fußballreisen ließ er sich von seinen Opfern teilweise sogar in die Wohnung bringen oder in den Briefkasten werfen - zum Beispiel die 3887 Euro (13-mal 299 Euro) für das Fußball-Abenteuer auf den Färöer Inseln. Ein weiteres Länderspiel, das sich abgezockte Betroffene daheim anschauen mussten, war Irland gegen Deutschland im Oktober 2012.

2013 erwischte es zahlreiche Bayern-Fans in der Region, die Mehrzahl aus Rosenheim und Großkarolinenfeld. Für jeweils 250 Euro wollten sie in Barcelona dabei sein beim Champions-League-Halbfinale oder beim Endspiel in London gegen Dortmund. Aber am Flughafen mussten sie feststellen, dass sie niemand auf dem Zettel hatte. Mit immer neuen Ausreden hielt er seine Käufer lange Zeit hin, aber irgendwann brach das Lügengebäude zusammen und die Polizei wurde eingeschaltet.

Zuvor war es so: Wo eine Gaunerei aufhörte, fing die nächste an. So fälschte er mit 58 Ausweiskopien, an die er durch das falsche Irland-Reiseversprechen gelangt war, Breitbandverträge, um als Zuarbeiter eines Handyanbieters an Provisionen zu kommen. Auch die Jahrhundertflut vom Juni 2013 machte er zu Geld. Ausgestattet mit einer Sondererlaubnis, sammelte er auf dem Rosenheimer Max-Josefs-Platz für die Hochwasseropfer - und steckte die Spendensumme von 1750 Euro in die eigene Tasche.

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