REAKTIONEN AUF LOCKDOWN-VERLÄNGERUNG

Rosenheimer Politiker mit neuen Corona-Beschlüssen weitestgehend unzufrieden

Andreas März Oberbürgermeister
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Andreas März Oberbürgermeister
  • Jens Kirschner
    vonJens Kirschner
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Bis zum 7. März sollen Gastronomie und viele Geschäfte geschlossen bleiben. Die neue Zielmarke in Sachen Inzidenz lautet 35, einst betrug sie 50. Bei der örtlichen Politik stoßen diese Entscheidungen nicht unbedingt auf Gegenliebe.

Rosenheim – „Deutschland hat inzwischen mit die schärfsten Corona-Beschränkungen in Europa“, findet Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März.

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Wer den Beschluss der Konferenz zwischen Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten genau lese, müsse zum Ergebnis kommen, dass sich die Perspektiven für eine Öffnung von Einzelhandel und Gastronomie nicht wirklich verbessert hätten. Lockerungen werde es nur geben, wenn und wo die Sieben-Tage-Inzidenz stabil den Wert 35 unterschreitet.

Kein Zeichen von Verlässlichkeit

„Dies ist nicht unbedingt ein Zeichen von Verlässlichkeit und Planbarkeit, denn bisher hat es immer geheißen, für Lockerungen müsse die Inzidenz den Grenzwert von 50 unterschreiten.“

Insofern sei davon auszugehen, dass sich die Situation von Handel und Gastronomie in absehbarer Zeit nicht wirklich in Richtung Öffnung verbessere.

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„Umso dringlicher ist es, dass jetzt endlich die zugesagten Finanzhilfen in voller Höhe fließen. Dies ist zur Sicherung der Liquiditätslage der geschlossenen Handels- und Gastronomiebetriebe von höchster Dringlichkeit“, fordert Rosenheims OB.

Versorgung mit Impfstoffen verbessern

Zudem müsse unbedingt die Versorgung mit Impfstoffen verbessert werden. Es reiche nicht sicherzustellen, dass bis Ende September jeder Impfwillige ein „Impfangebot“ erhalte.

Man habe es mit einem Wettlauf zwischen Herdenimmunität und ganzen Wirtschaftszweigen zu tun, die möglicherweise großflächig wegbrächen. „Auch vor dem Hintergrund der Virusmutationen muss die Devise daher lauten: impfen, impfen, impfen!“

Gezwungen, weiter vorsichtig zu sein

„Ich kann sehr gut verstehen, wenn sich viele Mitbürgerinnen und Mitbürger aufgrund des nachlassenden Infektionsgeschehens in der Region eine Zukunftsperspektive von der Konferenz der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin gewünscht haben“, sagt der Landrat des Kreises Rosenheim, Otto Lederer.

Otto Lederer Landrat

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Die Ausbreitung neuer Virusvarianten zwinge aber, weiterhin vorsichtig zu sein. „Deshalb kann ich die Entscheidungen im Großen und Ganzen mittragen.“ Ziel für die Zukunft müsse aber sein, dass der „Werkzeugkasten der Maßnahmen“ zur Bekämpfung der Coronapandemie in der ganzen Breite genutzt werde.

Keine Chance für den Einzelhandel

„Ich bin mit den Entscheidungen nicht ganz zufrieden“, kommentiert die hiesige Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) die Entscheidungen vom Mittwoch. Zum einen sei sie froh darüber, dass die Länder eigenverantwortlich Schulen und Kitas öffnen könnten: „Das ist wichtig für die Kinder und eine große Entlastung für die Familien. Bildung ist ein hohes Gut!“ Jedoch bedaure sie außerordentlich, dass man dem Einzelhandel nicht die Chance gebe zu öffnen.

Daniela Ludwig Bundestagesabgeordnete

„Ich halte das für eine Fehlentscheidung. Der Handel hat viel in Hygienekonzepte investiert, die mich überzeugt haben.“ Der andauernde Lockdown für den Einzelhandel habe gravierende Folgen – nicht nur für die betroffenen Unternehmen, sondern auch für die Innenstädte und Ortszentren.

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Zudem: „Handel belebt eine Kommune. Ich sehe die Gefahr, dass viele Händler den langen Lockdown wirtschaftlich nicht überleben und es einen größeren Leerstand in unseren Kommunen gibt.

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