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WEG VON STARREN LOCKDOWN-REGELN

Rückenwind vom Gesundheitsamt für die Modellstadt Rosenheim

Alle naslang ein Test: Christian Mayer, für die Organisation der Schnelltests i zuständig, lässt sich in Rosenheim von Elisabeth Böhm einen Abstrich aus der Nase machen. 15 Minuten später ist das Testergebnis da.
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Alle naslang ein Test: Christian Mayer, für die Organisation der Schnelltests zuständig, lässt sich in Rosenheim von Elisabeth Böhm einen Abstrich aus der Nase machen. 15 Minuten später ist das Testergebnis da.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Rosenheim hat sich beworben, nun wartet die Stadt: Wird sie Vorreiter werden in Bayerns Feldversuch zu den Corona-Lockerungen werden? Derweil hat sich der Leiter des Gesundheitsamtes gemeldet. Was Dr. Wolfgang Hierl zu sorgfältig kontrollierten Lockerungen sagt.

Rosenheim –Die kreisfreie Stadt Rosenheim will „Modellregion“ werden, Teilnehmer an einem Experiment, das in Kommunen mit einer 7-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 150 Wege aus den strikten Wirtschaftsbeschränkungen weisen soll. Dafür gibt es kräftigen Rückenwind aus dem Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim.

„Die Bewerbung der Stadt Rosenheim als Modellregion wird vom Staatlichen Gesundheitsamt ausdrücklich befürwortet“, sagte dessen Leiter Dr. Wolfgang Hierl. „Bislang gibt es in Deutschland meines Wissens nach noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber, ob eine Stadt gerade mit einem erhöhten Infektionsgeschehen durch intensives Testen und strenge Hygienemaßnahmen Öffnungen wagen kann, ohne gleichzeitig zu riskieren, dass die Neuinfektionszahlen dadurch erheblich ansteigen.“ Angesichts zuletzt massiver Fallzahlen hatte Hierl vergangene Woche vor leichtfertigen Lockerungen gewarnt.

Die Konkkurrenz ist groß

Noch ist die Modellstadt Rosenheim nur eine vage Möglichkeit. Viele Kommunen haben sich beworben, darunter der Landkreis Traunstein. Die Konkurrenz um die zwei oberbayerischen Plätze im Programm ist also groß.

Zudem warte man auf weitere Informationen, sagte Hierl, etwa über die Finanzierung zusätzlicher Testzentren oder die wissenschaftliche Begleitung des Modells. Auch über die Vorgaben wisse man noch nichts. Er gehe aber davon aus dass in Bereichen gelockert werde, „die von Seiten des Infektionsschutzes nicht so kritisch sind, also Außengastronomie, Einzelhandel oder kulturelle Einrichtungen“, sagte Hierl.

Wenn es darum geht, wie man durch ein konsequentes Testregime das öffentliche Leben für „Negative“, also Nicht-Infizierte, wieder öffnen kann, blicken derzeit alle nach Tübingen. Dort erhalten negativ getestete Menschen ein „Tagesticket“ und dürfen damit in die Innenstadt, können einkaufen, sich ins Café setzen oder auch ein Theater aufsuchen.

Weit hinterm Tübinger Test-Turbo

Um als Modellstadt dem Tübinger Test-Turbo hinterherzukommen, müsste Rosenheim deutlich nachrüsten. 1000 Tests pro Stunde sind in der baden-württembergischen 90 000-Einwohner-Stadt möglich. Umgerechnet auf die Größe müsste Rosenheim auf etwa 700 Tests pro Stunde kommen.

In der Region Rosenheim liegt man aktuell bei einer Kapazität von 1000 Tests – am Tag. Allerdings ist das Interesse daran so gering, dass auch diese Kapazität bei Weitem nicht ausgeschöpft wird. An seinen sechs Standorten Bad Endorf, Bruckmühl, Rosenheim, Raubling, Kiefersfelden und Bad Aibling nahm das BRK in den vergangenen drei Tagen insgesamt jeweils 275 bis 285 Schnelltests.

Bekanntgabe der Teilnehmer in der kommenden Woche?

In Rosenheim zum Beispiel gibt es an der Tegernseerstraße eine Teststraße. „Da sind wir ausgelegt auf 25 Tests pro Stunde“, sagt Marco Laner, Verwaltungsleiter beim BRK-Kreisverband Rosenheim. Sieben Stunden am Tag hat das Testzentrum geöffnet, 175 Testungen wären also möglich – allein an der Rosenheimer Station. Über die Einführung des „Tübinger Modells“ würde sich das Rote Kreuz daher schon aus Auslastungsgründen freuen. „Die Teilnahme am Modellprojekt wäre wirklich sehr zu begrüßen“, sagt Laner.

Wohl erst in der kommenden Woche wird das Gesundheitsministerium die Teilnehmer bekannt geben. Am 12. April dann soll der zweiwöchige Feldversuch starten. Rosenheim trifft nach Auskunft aus dem Rathaus noch keine konkreten Vorbereitungen, man wolle doch erst abwarten, was das Gesundheitsministerium vorgebe. Allerdings arbeiten der Oberbürgermeister und sein Stab an einem „Positionspapier“, das Rosenheims ernste Absichten als Modellstadt unterstreichen soll.

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Man stehe hierzu in engem Austausch etwa mit dem IHK und seinem Regionalausschuss-Vorsitzenden Andreas Bensegger, sagt Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl. Inhalt des Papiers: die bereits bekannten Forderungen von OB Andreas März, etwa nach einem Abrücken von der 7-Tage-Inzidenz.

Man wolle „durchdeklinieren“, wie man eine Öffnung begleiten müsste, um ein anhaltendes Hin und Her bei Lockerungen und Verschärfungen zu vermeiden, sagt Bugl. „Am schönsten wäre es, wenn wir die Tendenz der absteigenden Inzidenzzahl fortsetzen können, dann wären wir am Wochenende ohnehin unter 100.“ Am gestrigen Donnerstag lag Rosenheim nur noch bei einer Inzidenz von 122.

Damit jedoch wäre Rosenheim für die zwei Wochen mit vorsichtigen Lockerungen gerade noch qualifiziert. Nicht aber der Landkreis, der gestern auf 94,9 stand. Rosenheim würde aber nach Auskunft Bugls ohnehin als kreisfreie Stadt allein an dem Modellversuch teilnehmen.

Auch darin würde der Versuch dann dem Tübinger Modell folgen: In der Stadt am Neckar können nur Einheimische einen Tagespass beantragen.

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