Der Glückspilz vom Chiemsee: 58-Jähriger findet seine Lebensretterin – sie ist bald Ärztin

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„Ich glaube, da hat jemand gesehen, dass mich meine drei Kinder noch brauchen“: Joachim Friesdorf ist glücklich über seine Rettung.

Sie kam, sah –  und half: Eine Urlauberin und angehende Ärztin aus Nordrhein-Westfalen rettete Joachim Friesdorf, als der auf der Herreninsel im Chiemsee einen Herzinfarkt erlitt. Friesdorf spricht nun über sein Glück im Unglück. Und sein Schutzengel darüber, wie jeder etwas tun kann.

Fast 70.000 mal geteilt, 17.000 Likes auf Facebook: Die Geschichte von Joachim Friesdorf (58) und seinem Schutzengel auf der Herreninsel schlägt weiterhin Wellen.

Jetzt feiern die Menschen, dass auch das Nachspiel ein glückliches Ende gefunden hat. Nach einem Aufruf in den Sozialen Medien hat sich die Retterin in Ruhpolding gemeldet. Julia van den Berg, angehende Medizinerin, 26 Jahre alt, Urlaubsgast aus Nordrhein-Westfalen: Sie ist die Frau, die den Restaurator Joachim Friesdorf bei seiner Arbeit am Inseldom vor dem Herztod rettete.

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Mit ihrem Freund war sie zu Besuch auf der Insel. Die beiden gingen spazieren. Und kamen zufällig an den Ort des Geschehens, wo sich schon zwei Kollegen um Joachim Friesdorf kümmerten.

Sie handelte ohne Zögern. Und mit traumwandlerischer Sicherheit. „Ich kann mich nicht erinnern, ich konkret an etwas gedacht habe“, sagte sie auf Anfrage den OVB-Heimatzeitungen. „Herr Friesdorf lag am Boden, ich hab ihn angesprochen, er war nicht ansprechbar; ich habe seine Atmung geprüft, hat nicht geatmet. So habe ich mit der Herzdruckmassage begonnen.“

Der Restaurator erholt sich Schritt für Schritt vom Infarkt

Eine kurze, aber weitreichende Tat der Hilfe, ein Moment mit langem Nachhall. Joachim Friesdorf konnte nach der schnellen Erstversorgung im Krankenhaus geholfen werden. Jetzt erholt er sich - „Schritt für Schritt“, wie er sagt - von seinem Herzinfarkt.

Seine Retterin und ihr Freund aber waren nicht mehr aufzufinden. „Mir war das auch nicht so bewusst“, sagt die 26-Jährige.

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„Die Situation war, nun ja, ungewohnt. Und als Herr Friesdorf versorgt war, als das Rettungsteam mit Hubschraubern eingetroffen war, da haben wir uns zurückgezogen. Uns ist auch erst später bewusst geworden, dass wir niemanden wussten, den wir kontaktieren könnten, um uns zu erkundigen, was aus ihm geworden ist.“

Suche nach dem Schutzengel über Facebook

Joachim Friesdorfs Frau Birte ließ dieser Fall von Glück im Unglück keine Ruhe. Sie fahndete über Facebook nach der Retterin. „Sie trug am Montag Chucks, eine schwarze Jeans und später eine blaue, leichte Jacke. Sie war mit ihrem männlichen Begleiter (Brillenträger) auf der Herreninsel“, schrieb sie über die Unbekannte. „Die Dame zögerte nicht, mit der Herzdruckmassage anzufangen und auch später mit einem Beatmungsbeutel weiterzumachen.“

Ein paar Tage gingen ins Land - und dann konnte Birte Friesdorf melden: „Wir haben sie gefunden.“ Die Familie habe den Post mitbekommen, sie dann benachrichtigt. Schließlich habe sie Birte Friesdorf angeschrieben, erzählt Julia van den Berg. „Und dann hat Herr Friesdorf angerufen.“

„Solche Menschen muss es geben“

Auf Facebook lassen die Menschen die Retterin hochleben. „Man kann nicht genug danken, toll, solche Menschen muss es geben! Dem Geretteten gute Besserung!“. Oder: „Dieser Einsatz möge um die Welt gehen ...ein herzliches Vergelt’s Gott!“ - diese zwei Kommentare stehen für Hunderte und Aberhunderte weitere Äußerungen.

Joachim Friesdorf sagt ebenfalls Danke. „Ich habe ihr versprochen, sie zu besuchen, in der Stadt, in der sie ihre Assistenzärztinnenstelle annimmt.“

Seine Reha will er noch absolvieren, dann hofft er, wieder zu Kräften gekommen zu sein. „Ich bin ein gläubiger Mensch“, sagt er, „und ich glaube, da hat jemand gesehen, dass mich meine drei Kinder noch brauchen, und etwas gedreht, damit ich noch nicht gehen muss.“

„Wir werden wiederkommen“

Julia van den Berg hatte ihr Studium eben abgeschlossen, als sie mit ihrem Freund nach Oberbayern reiste. Jetzt bereitet sich darauf vor, als Assistenzärztin anzufangen. In welchem Krankenhaus? Das will sie nicht sagen. Es gehe ja nicht um sie, meint sie, es gehe vielmehr darum, dass jeder in so eine Situation kommen könne. Darauf will sie aufmerksam machen. „Jeder weiß, wie wichtig Erste Hilfe ist und wie entscheidend die ersten Minuten sind“, sagt sie. „Jeder kann etwas tun. Das Schlimmste ist, nichts zu tun.“

Julia van den Berg wird Menschen hauptberuflich helfen. Ihren ersten Bayern-Urlaub wird sie in schöner Erinnerung behalten. „Es war wunderschön“, sagt sie, „wir kommen auf jeden Fall wieder.“

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