Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Leben unterhalb der Norm

Leben außerhalb der Norm: Bundesvorsitzender Horst Stengritt mit seiner Frau am Stehtisch.  Foto re
+
Leben außerhalb der Norm: Bundesvorsitzender Horst Stengritt mit seiner Frau am Stehtisch. Foto re

20 Mitglieder des Bundesselbsthilfeverbands Kleinwüchsiger Menschen haben sich jetzt für ein Wochenende im Happinger Hof getroffen. Mit dabei waren Mitglieder aus Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

Rosenheim - "Vieles lässt sich besser bewältigen, wenn wir uns in einer starken Gemeinschaft wissen. Einer Gemeinschaft kleinwüchsiger Menschen, die einander verstehen und mit Tipps und Ratschlägen helfen", leitete Johann Sirch vom Landesverband Bayern das Treffen ein. Und weiter: "An solchen Wochenenden begegnen wir uns auf Augenhöhe! Das gibt uns Kraft und hebt uns hoch. Gegenseitig bestätigen wir uns, dass wir auch vollwertige Menschen sind. Und das tut uns gut!"

Weil kleinwüchsige Menschen allerdings nicht nur immer unter sich sein wollen, würden für derartige Zusammenkünfte ganz unterschiedliche Orte in ganz Deutschland ausgewählt, erklärte Bundesvorsitzender Horst Stengritt. In Rosenheim feierten sie deswegen gemeinsam mit zirka 120 normalwüchsigen Gästen den Silvesterabend im Happinger Hof.

"Wir sind zwar kurz, aber selbstbewusst", betonte auch Michael Schibel. Er war mit seiner Frau und seiner achtjährigen Tochter Sarah aus der Nähe von Stuttgart angereist. Die Familie beeindruckte sämtliche Gäste im Happinger Hof mit ihrer Lebensfreude und ihrem Optimismus. Den ganzen Abend lang gab es nette Gespräche, viel Gelächter und Tanz, so dass der Größenunterschied schnell in den Hintergrund trat. Beim Sitzen behalf man sich mit leeren Bierkästen als Fußstütze, am Buffet halfen die Bedienungen und die Gäste mit.

Die Rosenheimer Behindertenbeauftragte Christine Mayer erfuhr so auch viel über die konkreten Probleme kleinwüchsiger Menschen im Alltag. "Da viele von uns verkürzte Beine haben, sind Stufen schwer zu bewältigen", hieß es. Ebenso seien zwar Behindertentoiletten mit dem Rollstuhl erreichbar, aber für kleine Menschen oft schlicht zu hoch. Ebenso schwierig sei es, passende Kleidung zu finden: Kinderkleidung ist zu schmal geschnitten. "Kaufen wir Kleidung, brauchen wir fast immer die Schneiderin zum kürzen. Für uns Frauen sind im Sommer die Caprihosen ideal, die passen uns dann als lange Hose", erläuterte Sabine Popp, Pressesprecherin des Vereins, die Problematik.

Im Berufsleben müssten sie sich besonders behaupten, da viele Menschen meinten, "von dem Kleinen kann man eh nicht so viel erwarten. Gerade deshalb geben wir oft 150 Prozent, um die Größe auszugleichen", erzählte Sirch.

Über die medizinische Seite des Kleinwuchses sei viel zu wenig bekannt, beklagten die Teilnehmer des Treffens außerdem. Die weit verbreitete Annahme, Kleinwüchsige seien Zwerge oder stellten als "Liliputaner" gar eine eigene Menschenrasse dar, ist "Unsinn. Zwerge sind Märchenwesen und Liliputaner sind eine Erfindung von Jonathan Swift in seinem Buch 'Gullivers Reisen'." Kleinwuchs ist laut Sirch vielmehr eine Wachstumsstörung, deren Ursachen nur teilweise bekannt seien. Darum seien auch Behandlungen weitgehend aussichtslos. Manche Kleinwuchsformen seien erblich, genauere Forschungsergebnisse lägen aber noch nicht vor. Um die Frage der Erblichkeit zu klären, müsse im Einzelfall eine genaue Diagnose eingeholt werden. Kleinwuchs werde in vielen Fällen nämlich "verdeckt" weitervererbt, das heißt, den normalgroßen Eltern sei nicht anzusehen, dass sie die Anlage besitzen, ein kleinwüchsiges Kind (neben normalgroßen Geschwistern) zu bekommen.

Für 2012 jedenfalls hat der Landesverband schon wieder viele Pläne, unter anderem steht ein Wellness-Wochenende in Bad Endorf auf dem Programm - und natürlich die Aufklärung darüber, dass kleinwüchsige Menschen ein ganz normales Leben führen können, nur eben unterhalb der Norm. re

Kommentare