Landwirtschaftsschule Rosenheim verabschiedet 48 Landwirte und 23 Hauswirtschafterinnen

Die Besten im Bereich Hauswirtschaft: (vorne von links) Verena Kellner, Elisabeth Aicher, Magdalena Gradl und Theresa Schuhbauer mit den Gratulanten (hinten von links) Bildungsberaterin Theresia Huber, Otto Lederer und Schulleiterin Anna Bruckmeier. Thomae
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Die Besten im Bereich Hauswirtschaft: (vorne von links) Verena Kellner, Elisabeth Aicher, Magdalena Gradl und Theresa Schuhbauer mit den Gratulanten (hinten von links) Bildungsberaterin Theresia Huber, Otto Lederer und Schulleiterin Anna Bruckmeier. Thomae

48 junge Landwirte und 23 Hauswirtschafterinnen haben jetzt ihren Abschluss an der Rosenheimer Landwirtschaftsschule gefeiert. Dass es Schulleitung und Schüler heuer mit mehreren Nova zu tun hatten, lag dabei nicht nur an der Corona-Pandemie.

Von Johannes Thomae

Rosenheim – Das vergangene Jahr war auch für die Rosenheimer Landwirtschaftschule ein ganz besonderes. Natürlich auch wegen der Corona-Pandemie, aber nicht nur: Seit 20 Jahren, so erläuterte Schulleiter Wolfgang Hampel im Rahmen einer kleinen Feier, hätten noch nie so viele junge Frauen und Männer ihre Ausbildung in den Bereichen Landwirtschaft und Hauswirtschaft abgeschlossen. 48 junge Landwirte und 23 Hauswirtschafterinnen sind zur Prüfung angetreten. Alle haben bestanden – auch das ein Novum.

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Zwar könne man an den hohen Zahlen dieses einen Jahres noch keinen Trend zu Steigerung festmachen, meinte Wolfgang Hampel, der auch Leiter des Amtes für Landwirtschaft Ernährung und Forsten (AELF) ist. Auf jeden Fall aber zeigten sie, dass die beiden Ausbildungsberufe in Rosenheim ein stabiles Nachwuchsfundament hätten. Warum das so ist, darüber gab es Aufschluss im weiteren Verlauf der Feierstunde: Während die Freisprechungsfeier in normalen Jahren ein Großereignis mit gut 300 Gästen ist, musste sie dieses Jahr in ganz kleinem Rahmen abgehalten werden.

Vorstellungsrunde bei der kleinen Feier

Stellvertretend für alle Absolventen hatte man nur die acht besten in die Aula der Landwirtschaftsschule eingeladen, die jeweils noch zwei weitere Personen mitbringen durften. Der kleine Rahmen aber machte es möglich, dass sich die frischgebackenen Landwirte und Hauswirtschafterinnen kurz vorstellen konnten.

Solide Wissensbasis

Und hier zeigte sich bei den Landwirten, dass diese Ausbildung nicht nur diejenigen ergreifen, die aus einem landwirtschaftlichen Anwesen stammen und dieses auf solider Wissensbasis in die Zukunft führen möchten. Immerhin sechs der 48 Absolventen haben keinen eigenen Hof, wendeten sich dem Beruf aber wegen der vielen Möglichkeiten zu, die er bietet. „Landwirt zu sein bedeutet“, wie beispielsweise Tobias Wimmer aus Prutting sagte, „zwar durchaus viel Arbeit, aber es ist eine, die man für sich selbst frei organisieren und strukturieren kann.“ Die Eigenverantwortung – für ihn ein unschätzbarer Vorteil.

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Noch deutlicher wird der Reiz dieser Ausbildung vielleicht am Beispiel von Judith Langer: Die Einser-Abiturientin wollte nach einem Auslandsjahr in Brasilien etwas Praxisverbundenes machen, entschied sich für die Ausbildung zur Landwirtin. Und hat es, wie sie sagt, nicht bereut. Die Vielfältigkeit dessen, was sie in den vergangenen zwei Jahren gelernt habe, sei mit Sicherheit ein Grundstock, von dem sie ihr ganzes weiteres Leben zehren werde, auch wenn sie ihr weiterer Lebensweg zunächst zu einem Studium der Physiotherapie führen werden.

Und noch etwas sagte sie: Dass sie am Anfang geglaubt habe, die Ausbildung sei für jemand, der auf einem Abitur aufbauen könne, wohl keine allzu große Herausforderung, doch sei sie da schnell eines Besseren belehrt worden: „Die Ausbildung ist nicht zuletzt wegen ihrer Bandbreite viel herausfordernder als man landläufig glaubt.“

Herausforderung mit Möglichkeiten

Ein Punkt, den auch Landrat Otto Lederer in seinem Grußwort aufgriff. Auch er sprach davon, dass der Beruf des Landwirtes und mehr vielleicht noch der der Hauswirtschafterin in der Öffentlichkeit unterschätzt würde. Nicht nur hinsichtlich der Herausforderungen, sondern auch hinsichtlich der Möglichkeiten, die sich einem damit erschlössen.

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Eine Tatsache, die gerade bei den Hauswirtschafterinnen deutlich wurde. Schon die Bandbreite der Betriebe, in denen die jungen Frauen den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvierten, ist groß, reicht vom landwirtschaftlichen Anwesen bis zum Mutter-Kind-Kurheim oder Seniorenheim und noch breiter gefächert sind die Zukunftswünsche.

Im Anschluss an die Uni

Während einige gleich in die praktische Arbeit einsteigen wollen, möchten andere ein Studium anschließen, Verena Kellner ein Fachlehrerstudium, Elisabeth Aicher eines der Ernährungswissenschaften. Lederer blieb da nur, sich der Einschätzung von Anna Bruckmeier, Leiterin der Hauswirtschaftsschule, anzuschließen: Die Ausbildung biete den jungen Leuten eine Wissensbasis fürs weitere Leben und Spielraum, um noch mehr aus sich zu machen. Und dass sie die wesentliche Voraussetzung dafür mitbrächten, so ergänzte der Landrat, nämlich sich am eigenen inneren Kompass zu orientieren, unbeeindruckt von Klischees und Vorurteilen. hätten sie schon mit der Wahl ihrer Ausbildung bewiesen.

Die Abschlussbesten im Überblick

Bereich Landwirtschaft

Judith Langer aus Gaukönigshofen (Notendurchschnitt 1,37), Tobias Wimmer aus Prutting (1,54), Josef Blank aus Höslwang (Schnitt 1,79), Tobias Wagner aus Rohrdorf (1,79).

Bereich Hauswirtschaft

Elisabeth Aicher aus Halfing (Notendurchschnitt 1,90), Theresa Schuhbauer aus Schechen (1,93), Verena Kellner aus Buch (2,03), Magdalena Gradl aus Oberaudorf (2,14).

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