"Ländlichen Raum weiter entwickeln"

Für eine verstärkt regionale Strukturpolitik sprach sich die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, Christiane Berger, beim Neujahrsempfang des DGB Südostbayern im Trostberger Postsaal aus. Foto rasch
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Für eine verstärkt regionale Strukturpolitik sprach sich die stellvertretende Vorsitzende des DGB Bayern, Christiane Berger, beim Neujahrsempfang des DGB Südostbayern im Trostberger Postsaal aus. Foto rasch

Die Region Südostoberbayern hat eine Besonderheit zu bieten: Sie ist Urlaubsparadies und zugleich dynamischer Wirtschaftsstandort. Um diese Vorzeigeregion nicht zu gefährden, ist nach Überzeugung des DGB eine nachhaltige Strukturpolitik unumgänglich. "Wir müssen höllisch aufpassen und uns verstärkt um die regionale Strukturpolitik kümmern", betonte die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Bayern, Christiane Berger, beim Neujahrsempfang des DGB Südostoberbayern im Trostberger Postsaal.

Trostberg/Südostoberbayern - Wenn eine Region unter Beweis gestellt habe, wie vielfältig Wirtschaftsstruktur sein könne, wie sogar Industrie, Fremdenverkehr und Landwirtschaft in Übereinstimmung gebracht werden können, dann sei das die Region Ostoberbayern, sagte Berger vor Vertretern der Verbände, Politik und Gewerkschaft. Weite Teile dieser Region, die es aus eigener Kraft heraus geschafft habe, einen ausgewogenen Ein- und Auspendlersaldo hinzubekommen, würden jedoch dem Gutachten der Zukunftskommission von Ministerpräsident Horst Seehofer zum Opfer fallen. "Wenn das drin steht, was in der Presse bislang veröffentlicht wurde, dann schafft sich Bayern ab"! Demzufolge würde Rosenheim mit Ach und Krach noch als weiterer Pendlerverflechtungsraum durchgehen und aus Traunstein, Traunreut und Trostberg sowie dem Chemiedreieck würden Einzugsgebiete von Leistungszentren.

Noch schlimmer käme es für die Nachbarn im Norden, die ihr Heil gegebenenfalls jenseits der Grenze suchen müssten. Berger: "Gutachten hin oder her": Seit spätestens Ende der 1990er-Jahre steige Bayern aus dem ländlichen Raum aus. Die Politik wolle aus eigenen Beweggründen als Bayern auf der globalen Landkarte auftrumpfen. So könne man nicht mehr von gleichwertigen Lebensbedingungen in allen Teilregionen sprechen, "sondern leben im ländlichen Raum zwischen den beiden Metropolregionen Nürnberg und München."

Auch der stellvertretende Landrat Josef Kohnhäuser (SPD) forderte eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Regionen. "Die, die in München sitzen, schauen in eine andere Richtung." Nicht nur die vermeintlichen Leistungszentren in München oder Ingolstadt sollten als Boom-Region gefördert werden, sagte Kohnhäuser.

Am Beispiel des Landkreises Traunstein stellte er den ausgewogenen Branchenmix des bayernweit flächenmäßig zweitgrößten Landkreises heraus, verschwieg aber auch nicht, dass der Kreishaushalt 2011 Probleme aufwerfe. Als Gründe nannte er die Pflichten, insbesondere im Bereich der Jugend- und Sozialhilfe, die der Staat den Kommunen aufhalse.

Für den DGB ist sicher: 18 kleine Regionen in Bayern bilden in der Summe Bayern. Aus dem Gutachten des Zukunftsrats resultierten dagegen nur sechs Zwerge. Getreu dem Motto des Neujahrsempfangs "Bleiben wir ,Boom-Area oder sind wir eine ,Vergessene Region"? forderte Berger vor allem die Wahrnehmung der Region und sprach sich für eine nachhaltige Infrastruktur aus. Viele Vorhaben, die im Bereich des Straßenbaus bereits existieren, müssten zu Ende gebracht werden. "Grottenschlecht" sehe es auf der Schiene aus. Um dem Bevölkerungsschwund entgegenzutreten, seien ihrer Ansicht nach gute Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche sowie erweiterte Zugangs- und Kooperationsmöglichkeiten mit Hochschulen unabdingbar. "Wenn es nicht gelingt, die Region mit Fachkräften auszustatten, wird diese rapide abnehmen."

"Wir müssen zusammenhalten"

Um die Konkurrenz gegen die Ballungszentren aufrechtzuerhalten, forderte der Regionalvorsitzende Günter Zellner Zusammenhalt und Unterstützung. "Um die Region zukunftsfähig zu machen, müssen wir zusammenhalten und brauchen Unterstützung." Die Gewerkschaft wolle sich in diesem Jahr u.a. verstärkt um Themen wie Leiharbeit und Mindestlöhne kümmern. Auch müssten die Arbeitnehmer am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt werden, betonte Zellner: "Gehen wir kämpferisch in das Jahr, nur so können wir viel erreichen." ga

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