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Interaktive Stelen interpretieren das Beziehungsgeflecht Mensch und Natur

Kunst in der Tiefe des Berges

Die Künstler Annie Goh, Akitoshi Honda, Bartholomäus Traubeck und Bastus Trump mit Kurator Alois Späth (von rechts) haben sich von der Wendelsteinhöhle künstlerisch inspirieren lassen. FotosHeinz
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Die Künstler Annie Goh, Akitoshi Honda, Bartholomäus Traubeck und Bastus Trump mit Kurator Alois Späth (von rechts) haben sich von der Wendelsteinhöhle künstlerisch inspirieren lassen. FotosHeinz

Brannenburg - Es ist stockfinster in der Wendelsteinhöhle. Nur vereinzelte Bodenlichter weisen den verwinkelten, zerklüfteten Pfad.

Immer tiefer geht es in den Berg hinein. Doch dann: ein hoher, enger Raum mit einem Loch ganz oben in der Höhlenwand. Der Himmel und das Tageslicht blitzen herein und bringen ein Schneebrett zum Glitzern. Sphärische Klänge liegen in der Luft.

"Vor Millionen von Jahren ging hier ein Fluss durch", erklärt die Künstlerin Annie Goh. Schwer vorstellbar, liegt die Höhle doch 1711 Meter über dem Meeresspiegel. Diese Tatsache sowie das Wechselspiel mit dem Licht durch den natürlichen Eingang in der Höhlenwand war für die aus England stammende Künstlerin Inspiration für eine Klanginstallation. Sie hat die Partialtöne einer akustischen Aufnahme eines tosenden Flusses gefiltert und extrem verlangsamt. Über eine Stele im Inneren des Raums ist nun das Ergebnis zu hören: Sinustöne, die auf die Bewegung der Sonne im Höhlenfenster ausgerichtet sind. "Der Höhepunkt der Komposition ist um 8.45 Uhr, wenn die Sonnen direkt herein scheint", sagt die Kunst-Dozentin aus Berlin.

Annie Goh ist eine von vier Künstlern, die unter der Leitung von Alois Späth die "Höhlen-Mediale" in der Wendelsteinhöhle durchführen. Unter dem Motto "Zeit-Moment-Ewigkeit" haben sie interaktive Infostelen mit visueller und akustischer Kunst bespielt. "Ziel ist es, das Thema ganzheitlich zu erfassen", erklärt der Geschäftsführer der Wendelsteinbahn, Peter Schöttl. Neben einem geologischen oder biologischen Ansatz wolle man sich damit der Beziehung "Höhle und Kunst" widmen. "Schließlich stammen die ersten künstlerischen Aufzeichnungen von Menschen aus Höhlen", betonte Schöttl. Besucher können die "Höhlen-Mediale" zu den regulären Öffnungszeiten der Wendelsteinhöhle den ganzen Juni über besichtigen.

Zu einem imposanten Zusammentreffen von Mensch, Natur und Kunst kommt es auch an der nächsten Station. Weiter im Inneren der Höhle eröffnet sich den Besuchern plötzlich ein kathedralenartiger Raum. Die ersten Entdecker haben dort im 19. Jahrhundert ein Holzkreuz mit einer Jesusfigur angebracht. Die Natur zeigt ihre Gewalt in einem dicken Felsbrocken, der in einer Felsspalte klemmt. Es ist eiskalt. Von den Höhlenwänden und der Decke tropft Wasser. Dazu sind minimalistisch gehaltene Klaviertöne zu hören. "Ich habe das Tropf-Geräusch von drei Eiszapfen aufgenommen und Klaviertöne passend dazu eingespielt", erklärt Künstler Bartholomäus Traubeck aus Wien. Beeindruckend sei gewesen, dass das Geräusch zwar rhythmisch, aber nie gleichmäßig war. Entstanden ist eine Komposition aus fis, a und h, die das Herabtropfen abbildet und einen meditativen Raum erzeugt.

"Die Höhle ist an sich schon ein Naturkunstwerk", betont der Kurator, der gebürtige Regensburger Alois Späth. Nachdem er im Jahr 2013 das Festival "Zither am Berg" auf dem Wendelstein realisiert hat, kam er nun als künstlerischer Leiter im Auftrag der Wendelsteinbahnen wieder in die Region. "Es ist überwältigend zu sehen, wie sich diese Höhle über tausende von Jahren gebildet hat", sagt er. Auch wenn nichts dort wäre - allein das Wandern durch die Gänge und Räume sorge schon dafür, dass man jeglichen zeitlichen Bezug verliere. Zusammen mit der Kunst schaffe man eine Atmosphäre, die den Besucher in einen zeitlos schwebenden Zustand versetze. "Weil die Kunst eine neue Wahrnehmung der Umgebung bewirken kann", so Späth.

"Begeistert von der speziellen Stimmung"

Das kann man auch bei der Station von Akitoshi Honda erleben. Zentrum seiner Installation "Crystal Study" ist ein Sturmglas. Dieses Messgerät ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, die auf Temperatur, Luftdruck und andere Umgebungsparameter reagiert. Die sich dabei bildenden kristallinen Strukturen durchleuchtet der Künstler aus Tokio und Berlin mit einem Laser, dessen Lichtbrechungen an den Höhlenwänden zu sehen sind. "Ich habe davor noch nie in einer Höhle gearbeitet und bin begeistert von der ganz speziellen Stimmung", sagt er.

Das sehen auch die Besucherinnen Daniela Spies und Binja Schröder aus Inzell so. "Es ist ein toller Ort und zusammen mit den technischen Möglichkeiten wirkt er noch mal ganz anders", sagen sie. Man könne die Installationen auch ohne große Erklärungen gut nachvollziehen und die Höhle mit allen Sinnen erleben. Wichtig sei aber, jede Station ausreichend auf sich wirken zu lassen. Besucherin Doris Hofmann aus München meint: "Man erlebt die Höhle in all ihren Facetten." Von dem geschichtlichen Hintergrund in der ersten Station bis zur "eigenen" interaktiven Höhle am Schluss sei das Motto "extrem gut" umgesetzt.

Tatsächlich kann man in der letzten Station seine eigene Höhle wachsen lassen. Künstler Bastus Trump aus Nürnberg hat für seine Stele eine Simulation einer wachsenden Höhle in Videospiel-Optik programmiert und mit Klängen hinterlegt. "Die wachsende Höhle wird als Resonanzraum interpretiert", erklärt er. Bei jedem grafischen Schritt der Aushöhlung steigt auch das Volumen der Töne. Durch Tippen auf den Bildschirm kann der Besucher seinen eigenen Startpunkt für eine wachsende Höhle festlegen. Passend zu dem stetigen Tropfen von der Höhlendecke auf die Köpfe der Besucher ertönt immer wieder ein rhythmisches "Ping".

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