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Kripo Rosenheim hebt Rauschgiftlabor aus – Zwei 37-Jährige vor Gericht

Methamphetamin gilt heute unter Modenamen wie Crystal Meth, Meth, Crystal, Yaba, Crank oder Ice als preisgünstige Droge mit aufputschender Wirkung.
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Methamphetamin gilt heute unter Modenamen wie Crystal Meth, Meth, Crystal, Yaba, Crank oder Ice als preisgünstige Droge mit aufputschender Wirkung.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Zwei 37 Jahre alte Männer aus Rosenheim müssen sich wegen eines Rauschgiftlabors und einer Litanei von Betäubungsmitteldelikten vor der Zweiten Strafkammer am Landgericht Traunstein verantworten. Ein Angeklagter belastete mit seinem Geständnis seinen mehrfach vorbestraften mutmaßlichen Mittäter. Dieser wies einen großen Teil der Vorwürfe als unzutreffend zurück.

Traunstein/Rosenheim –Ein Urteil fiel nicht, der Prozess wird am 2. und 4. Februar fortgeführt. Auf Antrag der Verteidiger – Korbinian Ortner aus Traunstein und Wolfgang Müller aus München – führte das Gericht ein Rechtsgespräch über den Strafkorridor im Falle von Geständnissen. Der in Thüringen gebürtige Angestellte war einverstanden, bei einer Freiheitsstrafe im Bereich zwischen drei Jahren sechs Monaten und drei Jahren neun Monaten die Vorwürfe einzuräumen.

Keine Einigung im Rechtsgespräch

Dem Mitangeklagten, einem gebürtigen Priener, war die in Aussicht gestellte Haftstrafe zwischen vier Jahren neun Monaten und fünf Jahren drei Monaten zu hoch. Bis zu viereinhalb Jahre hätte der Koch in Kauf genommen. Ein Teil der Vorwürfe bedürfe aber der Richtigstellung, begründete der Verteidiger. Allein schon der Besitz von Kokain reiche für einige Jahre Freiheitsstrafe, verdeutlichte der Vorsitzende Richter. Allerdings müsse niemand etwas gestehen, was er nicht getan habe.

Gesucht und gefunden

Im April 2019 hatten sich die beiden Angeklagten kennengelernt. Der Bayer soll angeregt haben, in der Wohnung des Angestellten flüssiges Methamphetamin zu produzieren. Es klingt, als habe man sich gesucht und gefunden. „Ich kannte nur die ersten Schritte zur Herstellung, er die übrigen“, meinte er und bestätigte damit den Inhalt der Anklage von Staatsanwalt Nils Wewer, das Herstellen von Drogen aus Chemikalien. So sind mindestens vier Mal jeweils 200 bis 250 Milliliter flüssiges Methamphetamin entstanden. Der Angestellte berichtete, einen Teil habe man selbst konsumiert, ein Teil sei weiterveräußert worden.

Drogen und Waffen sichergestellt

Eine Menge übrig gebliebener „Zutaten“, dazu fast 60 Gramm Kokain, 18 Ecstasy-Tabletten und 36 Gramm Amphetamin, fanden Polizeibeamte in der Wohnung beziehungsweise im Keller. Im Wohnzimmer stießen die Fahnder zudem auf ein Kampfmesser mit 18 Zentimeter langer Klinge. Drei weitere Tatkomplexe galten dem Verkauf von zweimal einem Kilogramm Amphetamin und von kleineren Mengen zwischen Sommer 2019 und Ende März 2020 an verschiedene Abnehmer.

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Der Thüringer belastete den Koch in vollem Umfang. Der Bayer wies das zurück: „Das stimmt nicht. Ich kenne diese Leute gar nicht.“ Nicht leugnen konnte er den Besitz von knapp 13 Gramm Kokain, von 1 395 Euro Bargeld „in szenetypischer Stückelung“ sowie einer Machete mit einer Klingenlänge von 34 Zentimetern, die in seiner Wohnung entdeckt worden waren. Übereinstimmend gaben die Männer an, die sichergestellten Waffen seien lediglich im Garten verwendet worden. Ein „bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln“, wie der Staatsanwalt annimmt, liege laut den beiden Verteidigern nicht vor.

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Die Männer auf der Anklagebank haben abgeschlossene Berufsausbildungen, der aus Thüringen sogar zwei Berufe im kaufmännischen Bereich. Der gebürtige Priener konsumierte ab dem Alter von etwa 13 Jahren Alkohol und Betäubungsmittel, saß vor 15 Jahren erstmals in Haft und wurde zuletzt vor zwei Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Unterbringungen zum Entzug stand er durch, wurde aber jeweils rückfällig. Bis zu seiner Inhaftierung Anfang April arbeitete er. Der andere Angeklagte war vor drei Jahren nach Rosenheim gezogen. Er hatte einen guten Job, sein Arbeitgeber würde ihn gern wieder einstellen. Dazu legte sein Verteidiger eine Bescheinigung vor.

Hinweis brachte Ermittler auf die Spur

Auf die Spur der mutmaßlichen Täter gelangten Drogenfahnder der Kripo Rosenheim „auf Hinweis einer Vertrauensperson“, erläuterte einer der Polizeizeugen. Durch Überwachungen hätten sich der Verdacht verdichtet. Über die in den Wohnungen beschlagnahmten Betäubungsmittel, Arzneimittel und Chemikalien, aufbewahrt in Behältnissen mit Aufschriften wie „Holunderblüten“ und „Vanille“, informierte der Sachverständige Dr. Jan Schäper vom Bayerischen Landeskriminalamt.

Auch Laien können Drogen herstellen

Gerätschaften wie Eimer, ein Mörser, Filter und eine Kaffeemühle seien auf Substanzrückstände untersucht worden: „Die Ausgangsstoffe waren geeignet, Methamphetamin zu gewinnen. Die entsprechenden Hilfs-Chemikalien wie Salzsäure waren vorhanden. Man kann davon ausgehen, dass eine Herstellung stattgefunden hat.“ Das sei auch Laien möglich, ergänzte Dr. Schäper auf Fragen von Prozessbeteiligten.

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