Erinnerung an fünf große Kriege

Kriegerdenkmal Hochstätt: Eine Zeitreise zu Tod und Verderben

Dank für glückliche Heimkehr: Beim Kriegerdenkmal in Hochstätt findet sich diese Tafel.
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Dank für glückliche Heimkehr: Beim Kriegerdenkmal in Hochstätt findet sich diese Tafel.
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Die Gemeinde Hochstätt ging 1978 in der neuen Gemeinde Schechen auf. Hochstätts Kriegerdenkmal lädt aber noch immer als beredter Zeuge der Ortsgeschichte zum Verweilen ein – und erzählt von Tod, Verderben und tiefem Dank.

Schechen – Auf besondere Weise: Dort wird nicht nur der Gefallenen zweier Weltkriege gedacht, sondern dort verewigten sich auch Soldaten früherer Kriege. Mit einer Tafel zur Erinnerung an „die glückliche Rückkehr aus den Feldzügen 1813, 1866, 1870“.

Eine seltene Entdeckung

Dass Soldaten in der Kirche ihrer Heimat eine Votivtafel aufhängten, zum Dank für himmlischen Schutz während des Schreckens des Krieges, war eine verbreitete Sitte. Dass sich Gemeinde und Unteroffiziere – wohlgemerkt als Teilnehmer verschiedener Kriege – auf einer Steintafel verewigen ließen: Das ist selten. Leser Wolfgang Hesse machte die OVB-Heimatzeitungen darauf aufmerksam- Die Frage, unter welchen Umständen genau diese Sammel-Danksagung entstand, bleibt fürs Erste unbeantwortet.

Bei Renovierung entdeckt

„Diese Tafeln wurden bei der Kirchenrenovierung 1995 unter einer Treppe gefunden, somit ist im Verein nichts über die Hintergründe darüber bekannt“, sagt Thomas Aschauer, der Vorsitzende des Krieger- und Soldatenvereins Hochstätt.

Die Tafeln wären ein Grund, der Frühzeit des Vereins nachzugehen. Ganz sicher sind sie eine Einladung zur Zeitreise: 1813 marschierte Baiern – seinerzeit noch nicht mit „y“ geschrieben – gegen Napoleon. Der hatte das verbündete Kurfürstentum Baiern 1806 erst zum Königreich erhoben.

Debakel in Rußland

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Nach Napoleons Debakel in Russland wechselte der frischgebackene König Max I. Joseph flugs die Seiten – und gehörte somit zu den späteren Siegern. Nicht so 1866: Da verlor Bayern zusammen mit Österreich gegen Preußen. Unter dem Druck der mächtiger und mächtiger werdenden Preußen wiederum marschierte man 1870 gemeinsam gegen Frankreich. Und gewann mit dem Sieg den Schlussstein zur Einigung des Deutschen Reichs. In die Dankbarkeit der bayerischen Heimkehrer mag sich auch Stolz darüber gemischt haben.

40 Jahre Frieden

Jedenfalls: Unter gekreuzten Kanonen, Fahnen und Eichenschmuck stehen die Namen von 17 Hochstätter Veteranen dieser Kriege, eingemeißelt vielleicht um 1874, als sich der Verein gründete. Nicht auszuschließen, dass unter den Gründungsmitgliedern noch Veteranen der Kriege gegen Napoleon waren. Die Krieger und Veteranen konnten 40 lange Jahre lang im Frieden in ihren Erinnerungen schwelgen. Dann brach der Erste Weltkrieg aus. Von Glanz und Glorie war im industrialisierten Töten endgültig keine Rede mehr. Die Soldaten starben in Massen. Die Trauer wurde zum kollektiven Erlebnis, für die man einen gemeinsamen Ort suchte. Zumal man dort der Soldaten gedenken konnte, die nie zur Ruhe gebettet werden konnten. Weil ihre sterblichen Überreste in den Mondlanschaftden des Grabenkrieges nicht mehr aufgefunden wurden.

Corona zwingt Marschroute auf

Es wird kaum eine Gemeinde ohne Kriegerdenkmal geben. Aber auch nicht viele Orte, die an fünf deutsche Kriege der vergangenen 200 Jahre erinnern. Nun aber zwingt Corona dem Krieger- und Soldatenverein Hochstätt die Marschroute auf. „Am Sonntag findet unser Gedenken am Kriegerdenkmal wegen Corona nur im engsten Kreis statt“, sagt Thomas Aschauer. „Ich werde mit Bürgermeister Stefan Adam lediglich einen Kranz niederlegen.“

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