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Die Konten der Anwältin G.

OVB
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Voller Abzock-Fallen: das Internet.

Rosenheim/Landkreis - Anwältin G. aus München lässt nicht so schnell locker. Auch deshalb ist sie laut Fernsehsender Sat1 "wohl eine der unbeliebtesten Frauen Deutschlands". Im Abmahnen von Internet-Nutzern, die sich nicht mit billigen Tricks abzocken lassen wollen, beweist sie ebenso olympiaverdächtige Ausdauer wie beim Einrichten neuer Konten. Jetzt hat G. ihr Glück auch bei einem Geldinstitut in Rosenheim versucht - und ist erneut abgeblitzt.

Bestimmte Online-Firmen haben es mit ihren Dienstleistungen nur darauf abgesehen, ahnungslosen Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen - und manche Rechtsanwälte machen sich zu Komplizen windiger Geschäftemacher. Sie verschicken erst Rechnungen, dann Mahnungen, drohen schließlich mit kostspieligen Gerichtsverfahren. Ob es sich dabei um Verstöße gegen das anwaltliche Berufsrecht, versuchten Betrug und Nötigung handelt - darüber gehen die Meinungen auseinander.

Von Anwältin G. haben schon tausende "Opfer" unangenehme Post bekommen - darunter auch zahlreiche Nutzer im Raum Rosenheim. Doch so manche Forderung, so erklären Experten und Anwälte, entbehrt jeder rechtlichen Grundlage. Die versteckten Klauseln in den Online-Angeboten, die im krassen Widerspruch zum "Kostenlos-Hinweis" auf der Startseite stehen, seien unwirksam. Ein Anspruch bestehe nicht einmal im Ansatz.

Das weiß sicher auch die Anwältin aus München. Wer sich von den Kanzleibriefen nicht einschüchtern lässt, hat irgendwann mal wieder seine Ruhe. Aber das kann dauern, weil G. eine "erste", "zweite", "dritte" und "letzte Mahnung" verschickt, ehe der Brief-Terror mit der "Ankündigung eines gerichtlichen Verfahrens" fortgesetzt wird. "Unser Mandant erhielt insgesamt immerhin acht ,letzte' Mahnungen", so eine Kanzlei, die ein Abmahn-Opfer vertritt.

Viele lassen sich aber von den Briefen beeindrucken - und zahlen, weil sie größeren Ärger befürchten. Laut Sat1 gingen deshalb täglich rund 20000 Euro auf einem Konto ein, das G. bei einer Münchner Bank eingerichtet hatte.

Aufgrund einer Flut von Beschwerden kündigte das Geldinstitut der Anwältin das Konto wieder. Dagegen ging die Frau mit einer einstweiligen Verfügung vor, nach längerem Hin und Her durfte das Geldinstitut das Konto schließen. Gleichzeitig leitete die Staatsanwaltschaft München I ein größeres Ermittlungsverfahren ein. "Es liegen über 1000 Anzeigen gegen Frau G. vor", so ein Sprecher. Auch eine "Zuleitung" der Rechtsanwaltskammer München spielt im laufenden Ermittlungsverfahren eine Rolle, das kurz vor dem Abschluss stehen soll. Die empörten "Opfer", die auf ein Strafverfahren und eine Verurteilung hoffen, sollten sich allerdings keine allzu großen Hoffnungen auf eine Anklage und eine Verurteilung machen. Denn darauf scheint es derzeit nicht hinauszulaufen. Zivilverfahren um die Mahnungen hat sie teilweise verloren, aber auch einige gewonnen.

So wird G. auch weiterhin als Mitglied der Anwaltskammer geführt. Die Münchnerin versucht indessen weiter, fleißig Geld einzutreiben. Nach der Niederlage in München besorgte sie sich in Landshut eine neue Kontoverbindung. Als auch dieses geschlossen wurde, eröffnete die Rechtsanwältin jetzt bei einem Rosenheimer Geldinstitut ein Konto, das von Seiten des Hauses unverzüglich wieder gekündigt wurde.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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