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Auf nette Gesten im Alltag kommt es an

Kommunen im Mangfalltal berichten am Tag des Kompliments, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren

Schöne Gesten machen große Komplimente: Für ihren langjährigen Vorsitzenden Klaus Christoph (Zweiter von rechts) ließen sich die Vorstände des SV Bruckmühl (von links) Otto Afflerbach, Hannes Dörnberger und Bernie Gleissner etwas ganz Besonderes einfallen. Sie schenkten ihm ein eigenes Straßenschild.
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Schöne Gesten machen große Komplimente: Für ihren langjährigen Vorsitzenden Klaus Christoph (Zweiter von rechts) ließen sich die Vorstände des SV Bruckmühl (von links) Otto Afflerbach, Hannes Dörnberger und Bernie Gleissner etwas ganz Besonderes einfallen. Sie schenkten ihm ein eigenes Straßenschild.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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„Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben“, hat Mark Twain einst gesagt. Er wusste um diesen Balsam für die Seele, der glücklich macht und den Blick aufs Positive lenkt. Doch wie steht es heute um lobende Worte? Vor dem Tag der Komplimente, dem 24. Januar, haben die OVB-Heimatzeitungen dort nachgefragt, wo eher Kritik als lobende Worte ankommen: In den Kommunen im Mangfalltal.

Mangfalltal – Wie leben sie Wertschätzung? Wie motivieren sie ihre Mitarbeiter? Teambildende Events wie Betriebsausflüge, Oktoberfest-Besuche oder Weihnachtsfeiern gibt es schon seit zwei Corona-Jahren nicht mehr. Auch die Verwaltungen haben so viele Aufgaben wie möglich ins Homeoffice ausgelagert. Wie geht es ihnen nach zwei Jahren Einsamkeit?

Sehnsucht nach mehr Miteinander

„Sobald das Ende der Corona-Krise absehbar ist, werden wir beraten, wie wir auf den alten Pfad des gegenseitigen Austausches zurückfinden“, blickt Jürgen Stadler, geschäftsleitender Beamter der Stadt Bad Aibling voraus. Zwar hätten alle Mitarbeiter die Umstellung auf digitale Arbeit toll gemeistert, das täusche aber nicht darüber hinweg, dass sie das Miteinander vermissen.

„Wir waren ein offenes Rathaus. Die Bürger haben uns gern besucht“, bedauert er die anhaltenden Einschränkungen. Nicht viel anders sieht es in den Abteilungen aus: „Selbst Weiterbildungen sind online, die Kollegen vermissen den Austausch, aber wir halten durch“, sagt er mit Blick auf das erhoffte baldige Ende der Pandemie. Würdigung und positive Wahrnehmung der Arbeit seien wichtig, betont Stadler. Finanzielle Anreize dagegen begrenzt.

„Wir bekommen viel positives Feedback von unseren Bürgern“, sagt Elisabeth Kalenberg, die Geschäftsleiterin der Stadt Kolbermoor: „Beispielsweise für unsere Kita-Struktur, für die Stadtentwicklung, für gelungene Projekte. Dank gab es auch dafür, dass wir trotz Corona das Freibad geöffnet haben oder dass die Bücherei immer irgendwie zugänglich war und sei es mit click and collect.“

Auch intern pflegt die Kolbermoorer Verwaltung Wertschätzung im Alltag. Wenn es gut laufe, werde das auch ausgesprochen. „Wenn sich ein Mitarbeiter qualifizieren möchte, machen wir das möglich. Auch das ist eine Form der Wertschätzung“, erklärt Kalenberg und bilanziert: „Wir pflegen hier einen respektvollen Umgang miteinander und haben wirklich ein gutes Klima.“ Dafür sorgen auch Auszeiten: „Eine halbe Stunde in der Woche sitzen wir mit Abstand an der frischen Luft mit Butterbrezn beisammen und reden mal nicht über die Arbeit. Das ist wichtig fürs Team.“

„Ned gschimpft, is globt gnua“, zitiert Rainer Weidner ein altes Sprichwort und lacht schallend: „Das ist natürlich nicht unser Motto“, betont der geschäftsführende Beamte. Das Klima sei gut in der Verwaltung der Marktgemeinde Bruckmühl. Auf die Abteilungsleiter im Hause könne er vertrauen. „Sie pflegen einen achtsamen und wertschätzenden Umgang mit allen Kollegen. Und da gehören ein Dank für gute Arbeit oder eine Gratulation zum Geburtstag selbstverständlich dazu“, beschreibt Weidner.

Da man sich ja nicht selbst loben sollte, hat das jüngst der Bruckmühler Marktgemeinderat übernommen und der Verwaltung gedankt: für „sehr gute und kollegiale Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ und dafür, „dass sie uns an ihrem tiefen Wissen teilhaben lässt“. Anders als in der Wirtschaft gibt es in Verwaltungen kaum mehr als den kollegialen Dank. Da die finanziellen Anreize verschwindend gering sind, haben die Mitarbeiter eine ganz andere Motivation: „Spaß an der Arbeit und den Wunsch, für die Bürger etwas zu bewirken“, ist sich Weidner sicher.

Dass die Kollegen gern auf Arbeit ins Rathaus der Gemeinde Feldkirchen-Westerham kommen, ist Verwaltungschefin Ines Bertozzi wichtig. Vor Corona gab es viele lieb gewonnene Traditionen: Weihnachtsfeiern, Betriebsausflüge, Geburtstagsrunden, das gemeinsame Mittagessen oder die Kaffee-Auszeit vor dem langen Donnerstag im Dachgeschoss – kurzum: Begegnungen unter den Kollegen und persönlicher Austausch, ohne Fachthemen zu wälzen. All das ist wichtig, um Gemeinschaft zu leben und die Teams zu stärken, doch eben schon lange nicht mehr möglich: „Wir wollen arbeitsfähig bleiben und müssen deshalb unsere persönlichen Kontakte auf das Nötigste beschränken, deshalb stärker auf Videokonferenzen und Telefonate zurückgreifen“, erklärt Bertozzi.

In der kontaktarmen Zeit erfahren die Verwaltungsmitarbeiter Anerkennung durch den Gemeinderat: „Er hat zugestimmt, die leistungsorientierte Bezahlung von zwei auf drei Prozent zu erhöhen“, freut sich Bertozzi für ihr Team. Und er ermöglicht es auch, dass die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung coronakonform wieder etwas erleben dürfen. „Unterschwellige Angebote in kleinen Gruppen wie Kochkurse beispielsweise“, ist die Verwaltungschefin dankbar. Auch Blumen gibt es ab und an: „Wenn ein Kollege besonders eingespannt war oder an Geburtstagen kommt der Bürgermeister schon auch mal mit einer Blume vorbei“, berichtet Bertozzi.

„Zu einem guten Betriebsklima gehören Lob und Dank einfach dazu“, sagt Helge Dethof, ab dem 1. Februar der neue Verwaltungschef der Gemeinde Bad Feilnbach. Bisher war er hier Bauamtsleiter und pflegt schon seit Jahren eine schöne Tradition: „Am Nikolaustag stelle ich den Kollegen etwas auf den Schreibtisch.“

Auch am Fuße des Wendelsteins gibt es für die Verwaltung eine leistungsorientierte Bezahlung. „Doch viel wichtiger sind die kleinen Aufmerksamkeiten im Alltag“, betont Dethof. Ein offenes Ohr, wenn ein Kollege Sorgen hat. Zeit, sich auch private Dinge anzuhören. In Bad Feilnbach kommen diese kleinen Zeichen aus dem gesamten Team – als Einladung zur gemeinsamen Wanderung auf die Alm, zum Kegeln, Essen oder Grillabend beispielsweise. Anerkennende Worte wie „Das hast Du gut gemacht“ sind für Dethof genauso wichtig wie offene und sachliche Kritik: „Das wünsche ich mir für mich und für andere, denn wichtig ist vor allem der Input.“

Gutes Klima hilft beim Durchhalten

Als Verwaltungsmitarbeiter werde man schon eher „gschimpft“ als gelobt, meint Erik Thomas, Geschäftsleiter in Tuntenhausen. „Wir legen großen Wert auf ein gutes Klima in unserem Rathaus und gehen respektvoll miteinander um“, betont er. Jeder habe im Gesamtgefüge seine Aufgabe, erfahre dafür Wertschätzung und bei Bedarf auch Hilfe von den Kollegen. So habe das Team die Corona-Pandemie in Präsenz und ohne einen Tag Stillstand gemeistert. „Und darauf können wir wirklich stolz sein“, betont Thomas.

Die Zeiten ändern sich – „Ned gschimpft“ ist heute nicht mehr „globt gnua“

InterviewKommunikationswissenschaftler Thierry Feraud über Wertschätzung in Unternehmen und neue Ansprüche der jungen Generationen

Feldkirchen-Westerham – Der Kommunikations-, Sprach- und Wirtschaftswissenschaftler Thierry Feraud ist seit mehr als 24 Jahren als Business Communication Coach tätig. Sein Fokus liegt auf der Personalentwicklung. Der gebürtige Franzose, der in der Gemeinde Feldkirchen-Wes terham seine Wahlheimat gefunden hat, entwickelt auch individuelle Team-Building-Workshops. Dabei ist das Thema „Wertschätzung“ einer seiner Schwerpunkte. Im Interview mit dem Mangfall-Boten erklärt er, wie wichtig sie für ein gutes Arbeitsklima ist.

Welche Bedeutung hat Wertschätzung?

Thierry Feraud: Für mich ist sie das A und O für eine gute Beziehung. Sie ist Teil der Liebe, denn es gibt keine Liebe ohne Wertschätzung. Sie ist eine positive Rückmeldung von einem oder für einen Menschen, kann sowohl verbal als auch nonverbal sein. Sie kann auch nur in Form positiver Gedanken gezielt zu einer Person gesendet werden.

Welche Formen der Wertschätzung gibt es?

Thierry Feraud: Komplimente sind beispielsweise ein Ausdruck von Wertschätzung. In der französischen Kultur lernen wir schon als Kinder die Kraft der Komplimente kennen. Sie können Menschen transformieren, denn wir zeigen damit, dass wir positive Eigenschaften eines Menschen erkennen. Das Kompliment macht sie sichtbar.

Kann man das Komplimentemachen lernen?

Thierry Feraud: Leider lernt man nie richtig, wie man Komplimente macht. In den Etikettenprotokollen des 17. Jahrhunderts wusste man genau, welche Worte oder Komplimente man zu wem sagt. Alles war sehr codiert und geregelt. Mit der Komplexität der globalen Gesellschaft hat man diese klaren Regeln immer weniger.

Was sagen Komplimente über den „Absender“?

Thierry Feraud: Durch Komplimente kann man sich selbst besser kennenlernen und seine Ressourcen identifizieren. Sie sagen genauso viel über die Person aus, die sie macht, wie das Kompliment selbst. Beispielsweise lassen sie die Meinung des Redners, seine Werte und seine Weltanschauung erkennen.

Wie wichtig ist Wertschätzung in einem Unternehmen?

Thierry Feraud: Durch Corona und die unterschiedlichen Lockdowns ist das Thema Wertschätzung in den vergangenen beiden Jahren noch weitaus wichtiger geworden, da wir immer mehr virtuelle Kontakte erleben. Dadurch verlieren wir eine gewisse Qualität in der Kommunikation. In Unternehmen lernt man „on the job“ die sogenannten Sozialkompetenz. Authentische Manager besitzen diese und wissen, wie man seine Mitarbeiter motivieren kann. Charismatische Leader führen mit Herz und Verstand. Das heißt, sie verlassen sich auf ihre Intuition und sind in der Lage, ihre Mitarbeiter auf die emotionale Ebene zu holen. Es ist wichtig, dem Mitarbeiter zu zeigen, dass er wichtig ist. Dafür braucht es die passenden Worte und Fragen – egal ob in freudigen oder kritischen Situationen.

Thierry Feraud ist seit mehr als 24 Jahren als Business Communication Coach tätig.

Wie wird diese Theorie in der Praxis umgesetzt?

Thierry Feraud: Meine Klienten beschreiben sehr unterschiedliche Realitäten. Manche Führungskräfte sind entweder überfordert oder blind gegenüber der Emotionalität ihrer Mitarbeiter. Oft hört man den Satz „Ich habe keine Zeit für Gefühle“ oder auch den berühmten bayerischen Ausspruch „Ned gschimpft is globt gnua“. Andere Coaching-Teilnehmer wiederum berichten über außerordentlich wertschätzende und empathische Leiter, die jede Gelegenheit nutzen, um ihren Mitarbeitern für ihr Engagement zu danken.

Es kommt auf die richtige Dosis an oder?

Thierry Feraud: Letztlich ist es eine sehr individuelle Sache. Unterschiedliche Persönlichkeiten haben verschiedene Bedürfnisse. Manche brauchen es, ständig gelobt zu werden, um sicher zu sein, dass ihre Leistung anerkannt wird. Andere weniger. Trotzdem wird man früher oder später demotiviert, wenn man nur Kritik vom Chef erntet. Das kann bis zum Burnout führen.

Wie kritisiert man, ohne zu demotivieren?

Thierry Feraud: In Jahresgesprächen haben Führungskräfte die Möglichkeit, ihre Mitarbeiter zu loben und gleichzeitig konstruktive Kritik anzubringen. Die „Sandwich Methode“ empfiehlt, das Gespräch mit einem Lob oder positiven Fakten anzufangen. Dann können auch kritische Punkte präsentiert werden, und schließlich endet man mit einem positiven Argument. Am Ende vereinbaren Chef und Mitarbeiter neue Ziele und weitere Entwicklungsmöglichkeiten wie Trainingsmaßnahmen oder neue Projekte. Diese spiegeln auch Wertschätzung wider.

Wie wichtig sind finanzielle Anreize?

Thierry Feraud: Wertschätzung von Mitarbeitern wird auch oft über monetäre Anreize kompensiert. Prämien oder „Incentives“ (leistungsbezogene Anreize) für besonderes Engagement sind Zeichen der Anerkennung in Unternehmen. Im Alltag gibt es aber auch viele andere Wege, um Kollegen seine Wertschätzung zu zeigen. Beispielsweise über Ermutigungen wie „Ich traue Dir zu“ oder „Es steckt viel mehr in Dir, als Du denkst“ oder „Du steckst voller Ressourcen“.

Ist Wertschätzung ein Zukunftsthema?

Thierry Feraud: Erfolgreiche Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern viel mehr Wertschätzung entgegenbringen, um Talente und „High Potentials“, also Nachwuchskräfte mit besonderem Potenzial, die herausragende Leistungsniveaus erreichen und oft für Führungspositionen vorgesehen sind, zu halten. Die jungen Generationen – die Generation Y oder die Millenials, die zwischen 1981 und 1996 geboren wurden – entwickeln eine andere Art von Zugehörigkeitsgefühl. Für sie haben „Communities“ oder „Tribes“, also virtuelle Gemeinschaften mit gemeinsamen Interessen und Werten, eine viel größere Bedeutung.