Kommentar zur Kommunalwahl

Nach der Wahl ist vor der Stichwahl: Es bleibt spannend

OVB-Redaktionsleiter Willi Börsch.
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Der Coronavirus mag noch so infektiös sein, die Wähler in Stadt und Landkreis Rosenheim ließen sich von der verbreiteten Panik nicht anstecken. Den Ausgang der Wahl kommentiert OVB-Redaktionsleiter Willi Börsch.

Kommentar - Die Wahlbeteiligung lag allen Befürchtungen zum Trotz sogar noch über der von 2014!

Am meisten Grund zur Freude haben die Grünen. Wir erinnern uns: Noch bei der vorletzten Wahl lagen ihre Bewerber um Landrats- und Oberbürgermeisteramt um die fünf Prozent. Da sind die 22 Prozent in Rosenheim schon ein Ausrufezeichen. Natürlich spielt der Bundestrend eine Rolle. Aber auch die Arbeit in der Region kam offenbar bei vielen Wählern an. Wo manche Gegner auf große Sprüche und viel Tamtam setzten, machten sie konsequent und beharrlich ihre Arbeit. Mit Erfolg.

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Beängstigend dagegen der Trend bei der SPD. Wer dachte, es geht nicht schlimmer, sieht sich eines Besseren belehrt. Nach den desaströsen Resultaten bei Landtags-, Bundestags- und Europawahlen nun ein erneuter Tiefschlag. Die Partei hat seit den Zeiten von Walter Schlosser und Georg Bamberg, von Max Falter oder Kurt Müller ihre Stammwähler sträflich vernachlässigt, ohne neue Wählerschichten erobern zu können. Und das Schlimmste: Sie hat aus Fehlern nicht gelernt, ist stur auf dem Abstellgleis weiter marschiert. Dabei zeigen die SPD-Bürgermeister in Wasserburg und Kolbermoor einmal mehr, dass es auch anders geht.

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Durchwachsen die Stimmung bei Freien Wählern und Parteifreien. Bei den Bürgermeisterwahlen kaum zu stoppen, scheiterten ihre Landrats- und OB-Kandidaten doch deutlich.

Und die CSU? Otto Lederer und Andreas März gehen zwar als Favoriten in die Stichwahl. Aber entschieden ist hier noch nichts. Und die Zeiten, in denen das schwarze Parteibuch das Bürgermeisteramt fast schon garantierte, sind Vergangenheit. Das mag auch am Landestrend liegen. Aber nicht nur. Die CSU präsentiert sich im Landkreis einerseits selbstbewusst, andererseits aber seltsam blass, ohne Konturen und Profil. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Das Schicksal der SPD sollte Warnung genug sein.

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