Sohn von Corona-Toter (64) will Strafanzeige gegen Romed-Klinikum erstatten

Intensivstation
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Auf den Intensivstationen kämpfen Covid-19-Patienten ums Überleben.© dpa
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Wochenlang kämpfte sie um ihr Leben, am Sonntag verlor sie den Kampf: Die 64-jährige Kolbermoorerin, die sich mutmaßlich im Romed-Klinikum mit dem Corona-Virus infizierte, ist in München gestorben. Ihr Sohn wirft dem Romed-Klinikum Fahrlässigkeit vor. Das Klinikum verwahrt sich gegen die Vorwürfe.

Kolbermoor/München - Eva T. hat den Kampf um ihr Leben verloren. Wenige Wochen nach ihrem 64. Geburtstag ist die Kolbermoorerin, die sich im Romed-Klinikum mutmaßlich mit dem Corona-Virus angesteckt hatte, am Sonntag im Klinikum Großhadern gestorben. „Infolge eines schweren Multiorgan- und Kreislaufversagens“, wie ihr Sohn Alexander Luttsteck mitteilt. Seine Mutter sei nach Wochen des Leidens nur noch mit Medikamenten und Maschinen am Leben zu halten gewesen. „Wir haben daher das einzig Richtige getan und unsere Mutter in Würde gehen lassen.“

Infiziert als Risikopatientin

Eva T. litt an der Autoimmunerkrankung „Morbus Wegener“. Mitte April hatte sie sich am Romed-Klinikum in Rosenheim in stationäre Behandlung gegeben. Und dort infizierte sie sich mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2, angesteckt vermutlich von einer Frau im Nachbarbett.

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Bereits damals erhob ihr Sohn Alexander Vorwürfe wegen Fahrlässigkeit gegen das Romed-Klinikum. Er kritisierte in den Heimatzeitungen des OVB „wildes Patientenroulette, keine Quarantäne bei Neuaufnahmen und keine regelmäßigen Tests des Klinikpersonals“.

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Seine Mutter wurde aufgrund der Schwere des Covid-19-Verlaufs in die Intensivstation verlegt, schließlich einen Tag vor Muttertag ins künstliche Koma mit Beatmung versetzt. Als weitere Komplikationen folgten, brachte man Eva T. ans Universitätsklinikum Großhadern. Dort wurde sie an eine Lungenmaschine angeschlossen.

Am Ende war keine Hoffnung mehr auf Genesung

Am Ende aber, nach vier Wochen maximaler intensivmedizinischer Versorgung, wich die Hoffnung auf eine Rückkehr endgültig. „Wir haben dann den Wunsch geäußert, sie gehen zu lassen“, sagt Luttsteck. „Am selben Tag haben sich dann dann auch die Ärzte in Großhadern unserem Willen angeschlossen und meine Mutter aufgegeben.“

Dass Eva T. nicht mehr im Kreise ihrer Lieben erscheinen wird, belastet die Familie. Aber auch die Umstände des Scheidens schmerzen. Schon in den ersten Tagen ihres Aufenthalts im Klinikum konnte man sie nicht mehr besuchen, sondern nur noch über Telefon und Textnachrichten Kontakt halten.

Wenn ein Menscch ohne richtigen Abschied geht

Nach dem positiven Test wurde sie auf die „Covid“-Station verlegt - und hatte ab da nur noch vermummte Menschen um sich herum. Dann die Intensiv-Station, das künstliche Koma, ein Weg ohne Wiederkehr: Sohn, Tochter und Ehemann hatten keine Chance mehr, mit Eva T. zu reden. „Wir konnten sie nicht mehr sprechen, ihr nicht mehr gut zureden, ihr nicht mehr sagen, dass sie sehr geliebt und vermisst wird und dass sie kämpfen und zurückkommen soll“, sagt ihr Sohn. Immerhin: Er und die andern konnten in den letzten Stunden noch bei ihr sein.

Lehren aus dem Unglück

Das soll nicht das Ende der Geschichte seiner Mutter sein, betont Luttsteck. Schon, damit man daraus lernen könne. Die Familie habe die Mutter zur Obduktion freigegeben.“Mit den gewonnenen Erkenntnissen können möglicherweise weitere Leben gerettet werden“, hofft Luttsteck.

Auch juristisch soll die Angelegenheit geklärt werden. Hätte die Frau mit ihrer Vorgeschichte nicht unbedingt in ein Einzelzimmer gehört? Wie sah es mit regelmäßigen Tests für das Personal aus? Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamts sprach von einer „gewissen Herausforderung“ für die Kliniken, in Zeiten einer Pandemie solche Zimmer vorzuhalten.

Sachverhalt weit entfernt von einer Klärung

Eine Klärung des Sachverhalts durch die vorgesetzte Behörde steht, so eine Sprecherauskunft, noch aus. Das Klinikum selbst bezeichnete es vor wenigen Tagen dem OVB gegenüber als praktisch nicht möglich, Patienten von vornherein zu isolieren. In einer aktuellen Stellungnahme bleibt das Klinikum bei seiner Auskunft vom Mai: Man setze die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts um und gehe teilweise sogar darüber hinaus. Mitarbeiter werden, so sagt es eine Sprecherin, regelmäßig getestet, Covid- und Nicht-Covid-Bereich „strikt getrennt“. Den Vorwurf der Fahrlässigkeit weise man „nachdrücklich“ zurück. Genauere Informationen? Seien nicht möglich, Angaben zum einzelnen Fall verbiete die Schweigepflicht, betont Jens Deerberg-Wittram, Geschäftsführer des Romed-Klinikums.

Kllinikum hat Krankenakte ausgehändigt

Das Romed-Klinikum hat der Familie mittlerweile die Krankenakte ausgehändigt, ein Datensetz von 600 Seiten auf CD. Diese Unterlagen werden gerade gesichtet, sagt Aleander Luttsteck, er könne dazu noch nichts sagen. Er habe sich mit einem Anwalt in Verbindung gesetzt, über den genauen Inhalt einer Strafanzeige könne er ebenfalls noch nichts bekanntgeben.

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