Endlich Schule! Unterricht für Abschlussschüler in Region Rosenheim startet wieder

Viele Klassenzimmerwerden aufgrund des grassierenden Coronavirus aber auch in den kommenden Wochen leer bleiben. dpa
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Viele Klassenzimmerwerden aufgrund des grassierenden Coronavirus aber auch in den kommenden Wochen leer bleiben. dpa
  • vonAlexandra Schöne
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Wochenlang herrschte bei Schüler, Lehrern und Eltern Ungewissheit, seit wenigen Tagen steht fest: Kommenden Montag wird der Unterricht – zumindest für die Schüler der bayerischen Abschlussklassen – wieder in den Klassenzimmern aufgenommen. Die Schulen rüsten sich.

Rosenheim – „Ich bin froh, dass es jetzt weitergeht“, sagt Antina Thiesen. Sie ist Abiturientin am Karolinen-Gymnasium Rosenheim und steht wie die übrigen rund 880 Gymnasiasten in Stadt und Landkreis Rosenheim kurz vor dem Schulabschluss. Diesen sah sie zwischenzeitlich sogar in Gefahr – weil lange nichts voranging und viel ungewiss war. Außerdem sei die Kommunikation mit den Lehrern von daheim aus durch die verschiedenen Kanäle und Plattformen schwierig. „Ich freue mich auf mehr Struktur“, sagt sie.

In der Schule wird nur Prüfungsvorbereitung in den Abiturfächern stattfinden. Das bedeutet für Jahrgangsstufensprecherin Antina Thiesen: Stunden in Mathematik, Deutsch und Geschichte-Sozialkunde, sowie in Englisch und Musik. Trotz aller Erleichterung ist sie zwiegespalten. „Ich finde es ungut, dass so sehr an diesem strikten System der Abiturprüfungen festgehalten wird.“ Thiesen fordert eine Lockerung der Prüfungsvorschriften.

Große Gruppen werden aufgeteilt

Am Gymnasium Bruckmühl laufen die Vorbereitungen für die Wiederaufnahme des Unterrichts für die 80 Abiturienten auf Hochtouren. Die Räume seien schon mit entsprechender Bestuhlung und Desinfektionsmittelspendern bestückt worden, berichtet Schulleiter Walter Baier. Er ist Vorsitzender der Direktorenvereinigung der bayerischen Gymnasien. „Große Gruppen, wie in den Hauptfächern Deutsch und Mathe, werden wir aufteilen. Aber in Nebenfächern, in denen nur wenige Schüler geprüft werden, ist das nicht notwendig. Da bleiben die Kurse normal bestehen“, sagt Baier. Kultusminister Michael Piazolo hatte bekanntgegeben, dass nicht mehr als zehn bis 15 Schüler in einem Klassenraum zusammensitzen sollen. Dabei soll auch ein Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. Derzeit werden zudem noch Sonderregelungen für das Verhalten im Schulhaus erarbeitet.

Warten auf das Kultusministerium

Die Bruckmühler Schulleitung wartet noch auf ein Schreiben vom Kultusministerium, das unter anderem genau klären soll, ob es eine Maskenpflicht im Schulhaus gibt. Baier sieht der Wiedereröffnung aber positiv entgegen. „Die restlichen Klausuren, die noch ausstehen, müssen nicht mehr geschrieben werden. Die Schüler können sich ganz auf das Abitur konzentrieren“, erklärt er. Aber, das dürfe nicht vergessen werden, die psychische Belastung für die Schüler sei in der vergangenen Zeit groß gewesen.

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Währenddessen wird überall im Landkreis online gelernt. Mit Podcasts, Youtube-Videos und digitalen Arbeitsanweisungen soll den Kindern und Jugendlichen das Lernen erleichtert werden. Am Gymnasium Raubling gibt es seit dieser Woche systematisch organisierte Online-Stunden über den Videokonferenz-Dienst Google Hangouts. Dreimal täglich gibt es Unterrichtsfenster, jeweils eine Stunde lang. Wie Rektor Armin Stadler mitteilte, wird dabei auch die Anwesenheit der Schüler im „virtuellen Klassenzimmer“ geprüft.

In den Mittelschulen im Landkreis wird ähnlich wie in den Gymnasien nur Vorbereitung in den prüfungsrelevanten Fächern abgehalten werden. Das sind unter anderem Deutsch, Mathe, Englisch und Arbeit-Wirtschaft-Technik. Die Abschlussexamen für den mittleren Schulabschluss beginnen am 30. Juni, die für den qualifizierenden Abschluss am 6. Juli. „Alle Schüler der neunten und zehnten Klassen, die sich für Examen angemeldet haben, dürfen am nächsten Montag in die Schule kommen“, sagt Schulamtsleiter Edgar Müller in Rosenheim.

20 Stunden pro Woche soll Prüfungsvorbereitung stattfinden. Ob diese gestaffelt wird, hängt von der Größe der Schule und den zur Verfügung stehenden Räumen ab. „Zudem müssen die Kinder auf die Lehrer aufgeteilt werden“, sagt Müller. „Die der unteren Klassenstufen können beim Unterricht für die Abschlussklassen in der Schule helfen.“

Können Unterschiede ausgeglichen werden?

Die größte Herausforderung wird Müller zufolge das Ausgleichen der Unterschiede im Leistungsstand sein, den die knapp 1700 Abschlussschüler in Stadt und Landkreis Rosenheim ohne Zweifel haben werden. „Material zum Üben war und ist vorhanden, analog und digital. Es hängt jedoch auch immer von den Schülern selbst ab, wie engagiert sie sind und auch wie die Eltern dahinterstehen“, erklärt er. Die Anforderung an die Lehrer sei es, sich bei der Vorbereitung in der nächsten Zeit permanent abzustimmen. „Damit am Ende alle mit demselben Wissens- und Leistungsstand in die Prüfungen gehen“, sagt Müller.

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In der kommunalen Realschule in Prien rüstet man sich auch für den kommenden Montag. Die zehnten Klassen werden laut Rektorin Andrea Dorsch in die Schule kommen. Wie genau der Stundenplan oder die Lehrerverteilung aussieht, das sei noch in Planung. „Es werden aber noch Leistungsnachweise stattfinden, wenn auch weitaus angekündigter also sonst“, sagt sie. „Die Schüler sollen noch eine Chance haben, sich zu verbessern.“ Die Prüfungen in den Realschulen beginnen am 4. Mai.

In Prutting hat sich ein Verein gegründet

Aufgrund der sich abzeichnenden Schulöffnungen hat sich in der Gemeinde Prutting der Verein „Engagierte Schüler-Eltern-Bürger“ (ESEB) gegründet. Er blickt unter anderem aus der Elternperspektive auf die Vorgänge. „Wir sehen die Öffnung problematisch“, sagt Vereinssprecherin Teresa Pöller. „Gerade bei Einrichtungen mit vielen Schülern, wie bei der Fachoberschule und der Berufsoberschule (FOS/BOS), ist das Vorhaben durch die Logistik einfach schwierig: Es gibt einfach zu wenig Räume und Lehrer“, erklärt sie. In der FOS und der BOS pauken rund 860 Jugendliche für ihren Abschluss.

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Pöller fragt sich: Reicht das, was in den Wochen daheim und in der nächsten Zeit bis zum Prüfungsbeginn am 18. Juni aus, um die Schüler adäquat vorzubereiten? Der ESEB befürwortet ein Abschlusszeugnis mit dem derzeitigen Notendurchschnitt. „Niemand sollte unter diesen Umständen noch Prüfungen schreiben müssen“, sagt Pöller.

Insgesamt besuchen in Stadt und Landkreis Rosenheim um die 4700 Schüler eine Abschlussklasse. Sie alle wollen in den nächsten Monaten ihr finales Zeugnis in die Hand bekommen.

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