Kinder, Klinik und Kommune

OVB
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Gut betreut, wenn Mama und Papa arbeiten: Die Krippenkinder in Vogtareuth profitieren von der Zusammenarbeit zwischen Kommune und Schön Klinik.

Fachkräftemangel: Auch die Schön Klinikgruppe, größter Arbeitgeber im Landkreis Rosenheim, kennt ihn. Sie setzt deshalb auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Beim Aufbau einer Betreuung für Mitarbeiterkinder ist die Schön Klinik Vogtareuth jetzt einen ungewöhnlichen Weg gegangen: Sie kooperiert mit der Kommune - eine Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitieren.

Vogtareuth - "Unser Personalbedarf im Bereich Kinderpflege, Intensivpflege, für das Monitoring in der Epilepsieabteilung und sogar bei ärztlichen Positionen kann derzeit nicht gedeckt werden", bedauert der kaufmännische Leiter der Schön Klinik Vogtareuth, Dr. Alexander Schmid. Auch dass immer mehr Väter die Elternzeit in Anspruch nehmen, wirkt sich aus. "Oberärzte in führenden Positionen, die sich für ein halbes Jahr aus dem Beruf zurückziehen, um sich um ein Baby zu kümmern: Das gab es früher nicht, ist heute jedoch immer häufiger der Fall", so Schmid. Nicht mehr leisten kann sich die Klinik nach seiner Überzeugung, dass sich junge Eltern für längere Zeit aus dem medizinischen Berufsleben verabschieden. "Wir müssen dafür sorgen, dass auch die Mütter schnell wieder zurückkehren.".

2010 entschied sich die Klinikleitung deshalb, eine Ferienbetreuung für die Kinder der 1090 Mitarbeiter ins Leben zu rufen. Denn auch in diesem Bereich gibt es Probleme: 14 Wochen Schulferien decken sich nicht mit den sechs Wochen, die den Mitarbeitern zustehen. Arbeiten Mutter und Vater in der Klinik, was in Vogtareuth oft der Fall ist, lässt sich kaum noch ein gemeinsamer Familienurlaub organisieren, bedauert Schmid.

Eine hausinterne Umfrage hatte 2010 deshalb nicht nur einen hohen Bedarf für Ferienkonzepte, sondern auch für Krippenplätze ergeben. Selber bauen, Personal einstellen, Betreuungskonzepte entwickeln? Kommune, Gemeinderat und Klinik entwickelten gemeinsam eine, so Bürgermeister Matthias Maier, "traumhafte Symbiose" - Krippe, Kindergarten, Ferienbetreuung, Mittagessen und Ganztagsöffnung unter einem gemeinsamen Dach.

Im Rahmen der Kooperation entwickelte sich der gemeindliche "Zauberberg", der nur wenige Fußminuten von der Klinik entfernt liegt, von einer drei zu einer vier Gruppen umfassenden Einrichtung - weitere Vergrößerung zum neuen Kindergartenjahr nicht auszuschließen. Die Einrichtung ist nun von 7.15 bis 17 Uhr geöffnet, wovon auch Eltern aus der Gemeinde, die nicht in der Klinik arbeiten, profitieren - ebenso vom Mittagessen, das die Kantine der Schön Klinik liefert. In den Ferien wird in der Schule eine Betreuung angeboten, erläutert Kämmerer Marco Binder, der das Konzept erläutert hat. 37 der 98 Mädchen und Buben im "Zauberberg" stellen bereits Mitarbeiterkinder.

Den räumlichen Ausbau des Kindergartens mit Erweiterung um eine Krippe hat die Klinik übernommen. Durch den Umbau eines Mehrzweckraumes beliefen sich die Kosten vorerst nur auf 30 000 Euro, berichtet Schmid. Das Krankenhaus übernimmt außerdem die Finanzierung der erweiterten Betreuungsrandzeiten. Die Kommune bestreitet die normale Kindergartenfinanzierung, stellt das pädagogische Know-how und die betriebliche Führung. Mit Sozialromantik hat dies wenig zu tun, betont der kaufmännische Leiter offen. "Das ist eine unternehmerische Entscheidung gewesen." Bürgermeister Maier: "Durch die Zusammenarbeit im Bereich Kinderbetreuung wird die Klinik von der Bevölkerung nicht nur als Hightech-Medizin-Anbieter wahrgenommen, sondern auch als Partner der Menschen, die hier wohnen", ist er überzeugt.

duc

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