Früherer Gerichtsgutachter (63) als  Drogenkurier unterwegs: 5 Jahre Haft

Bei einer Polizeikontrolle auf der A8 entdeckten die Grenzpolizisten rund 15 Kilogramm Marihuana im Fahrzeug des 63-Jährigen.
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Bei einer Polizeikontrolle auf der A8 entdeckten die Grenzpolizisten rund 15 Kilogramm Marihuana im Fahrzeug des 63-Jährigen.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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2000 Euro sollte ein 63-jähriger Mann, der früher als Gerichtsgutachter gearbeitet hatte, für den Drogenschmuggel von Montenegro nach Deutschland bekommen. Doch Anfang November 2019 flog der Mann auf – mit rund 15 Kilogramm Marihuana im Auto. Dafür musste er sich jetzt vor Gericht verantworten.

Traunstein/Bergen – Ein 63-jähriger Akademiker mit knapper Rente wollte gegen 2.000 Euro Kurierlohn fast 15 Kilogramm Marihuana in einem Pkw von Montenegro nach Deutschland schmuggeln. Die Fahrt beendeten aufmerksame Schleierfahnder der Polizeiinspektion Piding am 6. November 2019 mit einer Kontrolle an der Rastanlage der Autobahn A8 Salzburg – München bei Bergen.

Den Drogenkurier verurteilte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs nun wegen illegaler Einfuhr und Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, jeweils in nicht geringer Menge, zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

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Angeklagter war früher Gerichtsgutachter

Der Pensionist, früher Gerichtsgutachter, war mit dem Mittelklassewagen seines Sohnes auf die Reise von Südosteuropa Richtung Frankfurt gegangen. Sein Auftraggeber, ein gewisser „Carli“, hatte ihm in seiner Heimatstadt in Montenegro in den ersten Novembertagen 2019 zwei Reisetaschen mit insgesamt 30 Paketen Marihuana übergeben.

Drogen unter Fußmatten

Der Angeklagte verbaute das Rauschgift in dem Pkw Renault Megane in serienmäßigen Hohlräumen unter den Fußmatten und den Fahrzeugsitzen. Während der Fahrt über Kroatien, Slowenien und Österreich stand der 63-Jährige ständig mit „Carli“ in telefonischer Verbindung.

Im Visier der Schleierfahnder

Nach Passieren des Grenzübergangs Walserberg geriet der Wagen ins Visier der Schleierfahnder. Beim Stopp des Fahrzeugs an der Raststätte Hochfelln-Nord registrierte die Streife einen Geruch nach Marihuana aus dem Autoinneren. Einer der Beamten hob eine Fußmatte an. Sofort erblickte er verdächtige silberfarbene Päckchen. Im Dienstgebäude in Piding tauchten bei genauer Untersuchung insgesamt 30 Drogenpakete auf. Spezialisten konnten DNA-Spuren des Angeklagten sowohl an einem der Päckchen als auch an der Unterseite der Fußmatte nachweisen.

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Das letzte Wort des Angeklagten

Staatsanwältin Andrea Litzlbauer plädierte gestern auf eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren, während der Verteidiger, Dr. Andreas Kastenbauer aus Traunstein, eine unbezifferte, aber deutlich mildere Strafe beantragte. Im „letzten Wort“ schämte sich der 63-Jährige für seine Tat.

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Richter sieht hohe Menge der Drogen

Die Betäubungsmittel hätten das 236-fache der nicht geringen Menge betragen, hob Vorsitzender Richter Erich Fuchs im Urteil hervor. Der Angeklagte habe relativ frühzeitig ein Geständnis abgelegt. Andererseits wäre der Drogenschmuggel ziemlich einfach nachzuweisen gewesen. Unter den strafmindernden Aspekten nannte Fuchs, dass das Marihuana eine leichte Droge und die 14,8 Kilogramm nicht auf dem Markt gelandet seien. Die Verstecke zeugten nicht von hoher krimineller Energie: „Das Ganze war einfach gestrickt.“ Der 63-Jährige habe wohl in nicht sehr rosigen wirtschaftlichen Verhältnissen gelebt.

Negativ wirkten sich die große Menge Marihuana und eine Vorstrafe in Montenegro aus. Erst vier Monate vor der Tat sei der Angeklagte aus der Haft entlassen worden, merkte Fuchs an.

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