Mit 11 Kilo Marihuana im Nachtzug: Traunsteiner Gericht verurteilt 50-Jährigen zu Haftstrafe

In einem dieser Nachtzüge zwischen München und Salzburg war der Koffer mit den großen Mengen an Drogen entdeckt worden.
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In einem dieser Nachtzüge zwischen München und Salzburg war der Koffer mit den großen Mengen an Drogen entdeckt worden.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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DNA-Spuren überführten den Mann: Zunächst hatte ein 50-jähriger Mann aus Gambia gegenüber der Polizei geleugnet, dass ein Koffer voller Marihuana ihm gehört. Nachdem ihn die gesicherten Spuren allerdings überführten, legte der Mann in Traunstein vor Gericht nun ein Geständnis ab.

Traunstein/Prien – Traunsteiner Schleierfahnder stießen im Nachtzug von Salzburg nach München im Februar 2018 in Höhe Prien in einem mit vier Personen besetzten Schlafwagenabteil auf einen angeblich herrenlosen Koffer, der fast elf Kilogramm Marihuana enthielt. Wegen DNA-Spuren an der Verpackung konnte das Rauschgift später einem 50-jährigen Gambier zugeordnet werden. Die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs schickte den geständigen Drogenkurier nun für fünf Jahre hinter Gitter.

Schutzmasken und Sicherheitsabstand

Erstmals seit Wochen tagten im Traunsteiner Justizzentrum wieder mehrere Zivil- und Strafkammern zeitgleich. Allerdings wurden die kleineren Sitzungsräume kaum genutzt und die mündlichen Verhandlungen in größeren Zimmern durchgeführt. In der Halle wurde die Zahl der Sitzplätze für Wartende deutlich beschränkt, um den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand überall zu gewährleisten. Auch im großen Sitzungssaal waren ausnahmslos Schutzmasken angesagt.

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Der 50-jährige Angeklagte ließ über seinen Verteidiger, Harald Baumgärtl aus Rosenheim, ein Geständnis ablegen. Demnach war der Grundschullehrer 2015 nach Europa gekommen. In Rom lernte er Anfang 2018 in einem Asylbewerberheim einen Flüchtling namens „Regal“ kennen, der einem Bruder in Stuttgart einen Koffer bringen wollte. Der 50-Jährige half beim Kofferpacken. Dabei war ihm, so der Verteidiger, bewusst, dass es um Drogen ging. Auf diese Weise gelangten Genspuren des Kuriers an Teile der insgesamt elf Päckchen zu je etwa einem Kilogramm Marihuana.

Nachuntersuchung aufgrund einer Nierenspende

„Regal“ und der Angeklagte stiegen in einen Zug Richtung Deutschland. Der 50-jährige Gambier hatte nach seinen Worten einem seiner Geschwister einige Monate vorher eine Niere gespendet und musste zu einer Nachuntersuchung nochmals in die Bundesrepublik reisen. Irgendwann noch auf italienischem Staatsgebiet verließ „Regal“ den Zug und beauftragte den Gambier, den Koffer nach Stuttgart zu bringen. Wenn er zurück in Rom sei, werde er ein Flugticket für die Rückreise nach Gambia bekommen, versprach „Regal“ gemäß der Verteidigererklärung.

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Der Plan scheiterte an Schleierfahndern der Polizeiinspektion Fahndung (PIF) Traunstein. Die Beamten kontrollierten am 22. Februar 2018 morgens vier Personen, die sich gemeinsam in einem stark nach Parfüm riechenden Schlafwagenabteil des Nachtzugs NJ 294 aufhielten. Die Reisenden mussten ihre Gepäckstücke an sich nehmen. Übrig blieb ein Koffer, der vorgeblich niemand gehörte.

Drogenkoffer kann zunächst niemandem zugeordnet werden

Bei der Durchsuchung des Koffers stießen die Fahnder auf die elf Päckchen mit Drogen. Alle vier Passagiere wurden vorläufig festgenommen. Die Indizien reichten aber zunächst bei keinem für eine Untersuchungshaft. Der Koffer konnte niemandem zugeordnet werden.

Das änderte sich im Lauf der folgenden Ermittlungen der Kripo Rosenheim und der kriminaltechnischen Untersuchungen, wie die polizeiliche Sachbearbeiterin informierte. Dagmar von Máriássy, Diplombiologin am Rechtsmedizinischen Institut der Universität München, berichtete über das außen am Koffer sowie an den Drogenpäckchen gefundene Genmaterial des Angeklagten.

Noch keine Spur von „Regal“

Die Folge war seine Festnahme am 11. November 2019 in Rom. Die Auslieferungshaft endete mit Überstellung des Tatverdächtigen Mitte Januar 2020 nach Traunstein. Der besagte „Regal“ und dessen Bruder, von denen der Angeklagte nur die Namen wusste, konnten bislang nicht gefasst werden. Der 50-Jährige hatte den Stuttgarter zwar im Februar 2018 bereits telefonisch kontaktiert, ihn aber nicht mehr persönlich gesehen.

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Staatsanwältin Andrea Litzlbauer forderte sechs Jahre Freiheitsstrafe wegen illegaler Einfuhr und Handelns mit Betäubungsmitteln, beides in nicht geringer Menge. Verteidiger Baumgärtl hielt wegen Einfuhr der Drogen, aber nur wegen „Beihilfe“ zum Handeltreiben maximal vier Jahre Haft für ausreichend.

Das DNA-Gutachten und die Telefonüberwachungen bestätigten das Geständnis des Angeklagten – einschließlich einer „Beihilfe“ zum Handeltreiben, unterstrich der Vorsitzende Richter im Urteil. Maßgeblich für die Verurteilung sei jedoch die unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln. Die Kammer habe das Geständnis sehr hoch strafmildernd gewürdigt, ebenso die Angaben des 50-Jährigen zu den Hinterleuten und die besonderen Umstände mit der Nierentransplantation. Die Drogen seien sichergestellt worden und nicht auf den Markt gelangt.

Geständnis mildert Strafe ab

Andererseits habe der Angeklagte eine enorm hohe Menge Drogen von guter Qualität in die Bundesrepublik gebracht. Fuchs fuhr fort, die Kammer sei weit unter dem Antrag der Staatsanwältin geblieben – vor allem wegen des Geständnisses. Eine noch geringere Strafe sei im Vergleich zu anderen Fällen nicht möglich.

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