Angebot für Urlaubs-Heimkehrer

Corona-Tests an den Autobahnen – vom Start bis zur Panne

  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Bayern hat im Kampf gegen Corona schnell gezogen: Seit dem 30. Juli bietet der Freistaat Tests an der Grenze an. Auch in der Region Rosenheim: Getestet wird zunächst in Kiefersfelden – wir zeigen Ihnen, wie.

  • Am Grenzübergang Kiefersfelden werden Reisende seit dem 30. Juli, 7 Uhr, freiwillig auf das Coronavirus getestet
  • Für die Hilfsdienste war der Aufbau der Zentren in Bayern mit viel Aufwand verbunden
  • Bei langen Staus sollen die Testzentren flexibel reagieren - mit Auswirkungen für die Test-Willigen

Update 8. September:

Wird die Teststrategie jetzt angepasst?

Bayern setzt seit Monaten auf eine umfassende Teststrategie zur Verhinderung von Corona-Ansteckungen. In den vergangenen Ferienwochen wurden bereits mehrere Hunderttausend Heimkehrer auf freiwilliger Basis getestet. Bei der Übermittlung der Ergebnisse hatte es jedoch zunächst an den Autobahnen in mehr als 44 000 Fällen und später auch an Flughäfen massive Probleme gegeben. Nach Angaben des Ministeriums läuft es bei mehr als 90 Prozent der Tests planmäßig, das heißt, die Ergebnisse sind innerhalb von 48 Stunden bei den Betroffenen.

Das Kabinett um Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich am Dienstag, den 8. September, nicht nur mit den Pannen und Problemen bei der Übermittlung von Testergebnissen ausgetauscht, sondern auch über die Weiterentwicklung der Quarantäneregelung – die Ergebnisse fassen wir hier für Sie zusammen.

Update 18. August:

Panne an Test-Stationen zieht weitere Kreise

München (dpa) - Die Corona-Testpanne an Bayerns Autobahnen war Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) deutlich früher bekannt als bisher dargestellt. Bereits am Montag der vergangenen Woche wurde das Ministerium per E-Mail darüber informiert, dass Zehntausende Reiserückkehrer auf ihre Testergebnisse warten, darunter mehrere Hundert Infizierte.

Öffentlich gemacht hatte Huml die Testpanne selbst bei einer Pressekonferenz.

Dem Bericht zufolge erhielten unter anderem Humls Ministerbüro und ihr Amtschef am Montag um 12.30 Uhr die besagte E-Mail aus dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Darin berichtet das Laborunternehmen Eurofins, das die Corona-Tests für Reiserückkehrer an drei bayerischen Autobahnen auswertet, von massiven Problemen. Konkret ist die Rede von mehr als 40 000 Proben und 338 positiven Fällen, die noch nicht übermittelt werden konnten, zitiert die Zeitung aus dem ihr vorliegenden Material. Als Huml am Mittwoch dann öffentlich über die Panne informierte, waren die Zahlen auf 44 000 Proben und mehr als 900 Positivbefunde gestiegen. Mehr erfahren sie aktuell in unserem Corona-Ticker.

Update 30. Juli

Aktuell: 15.000 Tests an der A93: Der Kampf gegen Corona ist hier auch einer gegen die Hitze

Tests an der A93 sind gestartet

Auch vor Ort: Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim

Auch vor Ort: Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim

Die Tests an der A93 bei Kiefersfelden sind gestartet. Auch Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, ist vor Ort. Unsere Reporterin Heidi Geyer hat sich, wie bereits dutzende Reisende, auf das Virus testen lassen. 

Dafür wird ein Teststäbchen zunächst tief in den Rachen und darauf in beide Nasenlöcher geschoben. "Angenehm ist was anderes", sagt Geyer. Sie muss ihre Telefonnummer und E-Mail-Adresse hinterlassen. 

Die Teststäbchen erreichen innerhalb weniger Stunden die Labore, das Gesundheitsamt informiert dann über das Ergebnis. 

Die Kosten für die freiwilligen Tests übernimmt der Freistaat Bayern. 

Nur für jene Reisende, die aus Risikogebieten kommen, müssen die gesetzlichen Krankenkassen zahlen. 

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29. Juli

Testzentrum Kiefersfelden rund um die Uhr besetzt 

Kiefersfelden – Ab den Morgenstunden werden sich Reisende an der Rastanlage Inntal Ost bei Kiefersfelden und in Hochfelln auf Corona testen lassen können.

„Wir sind angewiesen, dass wir um 7 Uhr startklar sind“, sagte Sohrab Taheri-Sohi, Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. „Ab diesem Zeitpunkt ist das Testzentrum für Reiserückkehrer rund um die Uhr besetzt“, ergänzt der BRK-Kreisverband Rosenheim in einer Pressemitteilung.

Anfang der Woche erst hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) weitere Maßnahmen gegen Corona angekündigt, als Reaktion auch auf die Ausbrüche in Mamming und Hof. Am Dienstag hatte der Ministerrat die konkrete Umsetzung beschlossen, am gestrigen Mittwoch wurde bekannt, dass bereits am Donnerstag, 30. Juli, die Testzentren ihre Arbeit aufnehmen.

Viel Arbeit für die Ehrenamtlichen

Strippenzieher: An der Autobahn-Raststätte Inntal Ost wird das Terrain für ein Corona-Testzentrum bereitet. Ab Donnerstag, 30. Juli, können Urlaubsrückkehrer hier Station machen.

Es ist die Feriensaison, die der „Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsschutz“ so viel Arbeit beschert. Weil viele beliebte Urlaubsländer zuletzt wieder steigende Infektionszahlen melden, baut Bayern an Autobahngrenzübergängen und an Flughäfen Teststationen auf.

Dieses Angebot des Freistaats ist mit gehörigem Aufwand verbunden. Das THW baut Zelte auf und sorgt für die weitere Infrastruktur, das BRK als federführende Organisation stellt zusammen mit anderen Hilfsorganisationen das medizinisch ausgebildete Personal. Vom Gesundheitsamt Rosenheim wiederum kommt der Arzt, der die Testungen anweist.

Drei Testschienen sollen auf der Raststätte bei Kiefersfelden eine schnelle Abwicklung garantieren, mit voneinander getrennten Bereichen für Warten, Registrierung, Test und Ausgang. Rund um die Uhr kann getestet werden, da die Hilfskräfte in Schichten organisiert. Auch innerhalb der Schichten rotiere man, erklärt BRK-Sprecher Sohrab Taheri-Sohi. „Arbeiten bei der Hitze und in voller Schutzbekleidung – das hält man nur 40 Minuten durch.“

Für Helfer aus der Region harte Arbeit in der Hitze

Das BRK greift generell auf lokale Kräfte zurück. Beteiligt an der Station Kiefersfelden sind BRK-Kreisverband Rosenheim, die Ambulanz Rosenheim, die DLRG Bad Aibling, die Johanniter Unfallhilfe Wasserburg, der Malteser Hilfsdienst Rosenheim und das Technische Hilfswerk Rosenheim. Die Ehrenamtlichen stimmen sich eng mit der Bundespolizei Rosenheim ab.

Bei Stau gibt‘s eine Testpause

Bayern handelt flott und damit ohne viel Erfahrungswerte. Mit wie vielen Testwilligen man rechnen muss, wie lange ein Testvorgang unter diesen Bedingungen wirklich dauert, ob sich Staus entwickeln könnten: Das weiß so ganz zuverlässig offenbar noch niemand. Im Überlastungsfall wird eine Testpause verordnet.

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Ob das Kiefersfeldens Bürgermeister beruhigt? Hajo Gruber begrüßt zwar Tests und überhaupt jede angemessene Regelung zum Kampf gegen Corona, warnt aber auch vor erneuten Blechlawinen im staugeplagten Kiefersfelden. Man möge die Anlage doch bitte so einrichten, dass keine Rückstaus entstehen, sagt er.

Dazu heißt es vom Bayerischen Bauministerium, dass die Autobahndirektion Südbayern die Verkehrssituation nach Einrichtung der Teststationen laufend beobachten werde. „Bei Überlastung der Rastanlagen muss aus Gründen der Verkehrssicherheit eine umgehende Sperrung der Ausleitung für Testwillige erfolgen, um Rückstauungen zu vermeiden“, sagte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Am 7. August wandert die Station zur Rastanlage Heuberg

Kiefersfelden bleibt ohnehin nur für kurze Zeit ein Test-Ort, die Station an der Autobahnraststätte Inntal Ost wird schon am 7. August abgebaut und auf der Rastanlage Heuberg nahe Ausfahrt Brannenburg wieder aufgebaut. An diesem Abschnitt der A93 befindet sich bislang noch eine Baustelle, die aber nach Auskunft der Autobahndirektion voraussichtlich ab dem Wochenende abgebaut wird.

An der Rastanlage Heuberg ist dann auch gleich mit größerem Betrieb zu rechnen. Denn noch ist der Test freiwillig. In der nächsten Woche aber dürfte die Bundesregierung die Testpflicht für Rückkehrer aus Risikoländern wie der Türkei und Albanien beschließen. Auch diese Pflichttests sollen an den neuen Corona-Testzentren durchgeführt werden.

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