Ärger über Online-Terminvergabe

Wenn das Cabrio warten muss: Fünf Tage Wartezeit bei Kfz-Zulassung im Landratsamt Rosenheim

Die Zulassung von Fahrzeugen funktioniert in Stadt und Landkreis Rosenheim im Moment nur mit vorheriger Online-Terminvergabe. Da kann es auch passieren, dass begehrte Tage oder Uhrzeiten schnell vergeben sind. Für einen Mann aus Breitbrunn, der fünf Tage auf die Zulassung warten muss, ein Ärgernis.
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Die Zulassung von Fahrzeugen funktioniert in Stadt und Landkreis Rosenheim im Moment nur mit vorheriger Online-Terminvergabe. Da kann es auch passieren, dass begehrte Tage oder Uhrzeiten schnell vergeben sind. Für einen Mann aus Breitbrunn, der fünf Tage auf die Zulassung warten muss, ein Ärgernis.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Ärgernis oder Erleichterung? Die Online-Terminvergabe des Landratsamts stellt ein Breitbrunner infrage, der fünf Tage warten muss, um eine Kfz-Zulassung zu erhalten. Ob es daran liegen könnte, dass man sich gleich mehrere Termine buchen kann, fragt er sich. Denn das System sieht keine Absagen vor.

Rosenheim / Breitbrunn – Bürokratieabbau, keine unnötigen Wartezeiten: Das wollen Bürger wie Behörden gleichermaßen. Mit der Online-Terminvergabe für viele Erledigungen, wie etwa auf der Kfz-Zulassungsstelle, wollte man beim Landratsamt Rosenheim für Flexibilität und schnellere Abläufe sorgen.

Und jetzt, in der Corona-Krise, hat sich das System erst recht bewährt, wie Pressesprecher Michael Fischer betont: „Es können durch die erforderliche Online-Terminvergabe mehr Aufgaben in kürzerer Zeit bewältigt werden, es hat sich als echter Vorteil erwiesen.“

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Fünf lange Tage bis zur Zulassung

Einer, der das nicht so positiv sieht, und mit seiner Meinung möglicherweise nicht allein steht, ist Andreas Becker aus Breitbrunn. Dem viel beschäftigten 57-Jährigen war bislang schlicht nicht bewusst, dass man nicht mehr ohne einen vorher bestätigten Termin zur Zulassungsstelle fahren kann.

„Ich bin am Donnerstagmorgen mit Mundschutz hingefahren und war dann erstaunt, dass ich vor verschlossener Tür stand“, sagt Becker. An der Tür der Zulassungsstelle sei nur ein Zettel mit dem Hinweis gehangen, man müsse sich über die Website einen Termin sichern. Gefunden habe er das Online-Terminvergabesystem der Zulassungsstelle erst mit Hilfe der Telefonauskunft des Landratsamts.

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Als „Ärgernis“ bezeichnet der Breitbrunner, dass ihm das System erst frühestens am Dienstag, den 5. Juni, einen ersten Termin vorschlug. „Das sind ja fünf Tage, die ich abwarten muss“, beschwert er sich im Gespräch mit der unserer Zeitung. Offenbar hatten kurz vor den Pfingstferien noch viele andere vor, schnell einen Wagen zuzulassen.

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Und weil er, wie Becker sagt, nicht habe wissen können, ob er zum buchbaren Termin auch vom Arbeitgeber freibekommen würde, habe er sich online gleich mehrere Termine gesichert. Denn auch, wenn die Zulassung selbst nur ien paar Minuten dauere, sei er vom Chiemsee aus nach Rosenheim und zurück doch einige Zeit unterwegs.

Minderauslastung fürs Amt befürchtet

Was aber wenn er die anderen Termine am Ende doch nicht bräuchte? Und andere Bürger es genauso machten wie er? Kommt es deshalb zu so langen Wartezeiten, überlegt Becker. Denn Absagen von Bürgerseite her sieht das System nicht vor.

„Vielleicht erklärt das, weshalb die Zulassungsstelle am Donnerstag ungewöhnlich menschenleer war, obwohl die Schalter besetzt waren“, erzählt Becker. Er habe sich darüber sehr gewundert und sich gefragt, ob die Online-Terminvergabe mit möglicher Mehrfach-Buchung nicht letztlich zu einer Minderauslastung im Amt führt – während für andere die Termine dann blockiert seien.

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Im Landratsamt kann man diese Überlegungen nicht nachvollziehen. Reagiert eher irritiert auf das Verhalten von Becker und seine Überlegungen. Er könne nicht nachvollziehen, warum der Mann sich gleich mehrere Termine sichern wollte, sagt Behördensprecher Fischer. Spricht seinerseits von einem Ärgernis. Und erklärt, Absagen für nicht mehr benötigte Termine seien nur per E-Mail möglich: „Weil wir davon ausgehen, dass ein bestätigter Termin auch zuverlässig wahrgenommen wird.“ Bei der Zulassungsstelle sei es deswegen bisher auch noch nie zu Problemen gekommen.

Becker dagegen beharrt darauf, dass ein Arbeitnehmer, wenn er am Tag der Zulassung nicht gerade Urlaub nimmt, diese amtlich angenommene Zuverlässigkeit nicht garantieren könne. Dann jedes Mal eine E-Mail zu schreiben, hält er für unpraktikabel.

Was macht der, der nur ein Auto hat?

Im Landratsamt indes will man an der bisherigen Praxis festhalten, weil sie sich gerade jetzt sehr bewährt habe: „Dass der Herr am Donnerstag keine Menschenmengen wie sonst in der Zulassung gesehen hat, ist eine erwünschte Folge der Online-Terminvergabe“, so Fischer, und kein Zeichen dafür, dass die Mitarbeiter nichts zu tun haben, weil sich Terminbuchungen gegenseitig blockierten oder Bürger einfach nicht erscheinen würden.

Becker und seinem Cabrio bleibt nur, zu warten. Was auch bleibt, ist das Ärgernis über die lange Wartezeit bis zum Zulassungstermin. „Ich habe Glück“, sagt er, „mir steht ein weiteres Auto zur Verfügung. Was aber, wenn man nur eines hat und damit täglich zur Arbeit fahren muss?“ Eine Frage, die das Online-System nicht beantworten kann.

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