"Keine erhöhten Dioxinwerte festgestellt"

Die Verbraucher im Landkreis Rosenheim sind auf der sicheren Seite: Aktuelle Herkunftskontrollen haben nach Angaben des Landratsamtes Rosenheim keine Lebensmittel mit erhöhten Dioxinwerten in der Region festgestellt. Die Verunsicherung der Bürger ist trotzdem zu spüren - eine Tatsache, von der Eierhändler, Geflügelzüchter und Lebensmittelproduzenten profitieren, die auf Transparenz bei der Qualitätssicherung setzen.

Rosenheim/Landkreis - Im Auftrag des Bayerischen Gesundheitsministeriums haben in diesen Tagen fünf Lebensmittelüberwacher und zwei Veterinäre des Landratsamtes alle Eierabpackstellen sowie fleischverarbeitenden Betriebe, die Fleisch zukaufen, überprüft. Die Nachschau und die entnommenen Proben ergaben nach Informationen der Pressestelle des Landratsamtes "keine Beanstandungen". Auch das Fleisch in den Regalen der überregionalen Supermärkte sei in den jeweiligen Zentrallagern kontrolliert worden, teilt Horst Winkler vom Sachgebiet Gesundheits-, Veterinär- und Gewerberecht mit.

Die Diskussion um die Frage, ob Eier oder Fleisch mit erhöhten Dioxinbelastungen auch nach Bayern und in den Landkreis gelingen können, hat nach Angaben von Sebastian Friesinger, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Regionalvermarktung im Raum Rosenheim, zu einer Sensibilisierung der Bürger für die heimischen Produkte geführt. Friesinger, der selber Nutzgeflügel und Eier ab Hof in Albaching verkauft, stellt fest, dass die in der Regel nach Weihnachten abflauende Nachfrage heuer erstmals nicht eingebrochen ist.

Auch die Eierlieferanten im Verein würden über "sehr gute Geschäfte" berichten. Das Bewusstsein des Verbrauchers für regionale Kreisläufe sei durch den erneuten Lebensmittelskandal weiter geschärft worden. "Die Kunden wollen wissen, woher ihre Eier und ihr Fleisch kommen". Diese Transparenz, die durch kurze Wege und regionale Vermarktung geboten werde, schaffe Vertrauen. Dies gelte auch für die Frage, woher die Futtermischungen oder Zusätze kommen würden, die Friesinger selber ebenfalls bewusst aus der Region bei einem ihm bekannten Händler bezieht.

Verbraucher können sich schützen

Firmen wie der Puten-Delikatessenhersteller Höhenrainer, die schon immer auf transparente Qualitätskontrollen gesetzt haben, profitieren derzeit ebenfalls von der Diskussion um erhöhte Dioxinwerte in Eiern und Fleischprodukten. Der erwartete Einbruch der Absatzzahlen hat sich beim in Feldkirchen-Westerham ansässigen Traditionsunternehmen nach Angaben des kaufmännischen Leiters Sebastian Niedermaier nicht eingestellt. Im Gegenteil: "Wir verzeichnen Planüberschreitungen". Die erfreuliche Nachfrage führt Niedermaier auf das eng geschnürte Qualitätsnetz des Unternehmens zurück. Es ist angesichts des Dioxinskandals durch zusätzliche Recherchen im Einkaufs- und Lieferprozess sowie Eigenkontrollen noch erweitert worden, teilt er mit. "Wir können sicherstellen, dass wir kein Fleisch von Puten geliefert bekommen, die mit dioxinbelastetem Futter gefüttert wurden." Diese bestätigte Sicherheit führe derzeit zu einer verstärkten Nachfrage.

Auch der Kreisverband der Rassegeflügelzüchter ist vom Dioxinskandal nicht direkt betroffen. Die Mitglieder sind in der Regel lediglich Selbsterzeuger, die sich vor allem der Zuchtpflege heimischer Rassen widmen. Eier werden nur im kleinen Stil ab Haus verkauft. "Außerdem kaufen unsere Züchter in der Regel kein Futter von außen zu", betont Vorsitzender Helmut Feldhäuser. Er sieht die Diskussionen um erhöhte Dioxinwerte in Eiern und Fleisch mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits führe der neue Skandal zu einer Sensibilisierung des Verbrauchers gegenüber der Massentierhaltung. Und die ziele vor allem auf eine möglichst billige Produktion. "Es schadet nicht, wenn die Menschen etwas hellhöriger werden und ins Nachdenken kommen", findet er. Trotzdem ist Feldhäuser auch bewusst, dass der derzeit zu hörende Ruf nach verstärkten Kontrollen erneut zu einem Ausufern der bürokratischen Auflagen führen wird. "Die gelten dann nicht nur für Massengeflügelbetriebe mit 10000 Hühnern, sondern auch für uns kleine Züchter."

Der Verbraucher kann übrigens auch selber zu seiner Sicherheit beitragen: Denn der Stempel auf der Schale von Eiern gibt nach Informationen von Experte Winkler Auskunft über die Herkunft. Die Buchstaben "DE" stehen für Deutschland. Danach folge eine Zahlenkombination, die zuerst das Bundesland benenne. Die vom Dioxinskandal betroffenen Länder Schleswig-Holstein und Niedersachen würden durch die Zahlen "03" und "05" ausgewiesen. "Verbraucher, die Wert auf heimische Eier legen, müssen auf die Zahl 09 achten", so das Landratsamt. "09" steht für Bayern, "091 für Oberbayern". duc

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