Kein Friedensgruß, kein Weihwasser: Rosenheim vor Coronavirus-Herausforderung

Eine Krankenschwester auf der Infektionsstation einer Uniklinik betrachtet in Schutzkleidung und mit einer Atemmaske zwei Abstrichröhrchen. Auch in Rosenheim ist man nach Auskunft der RoMed-Kliniken gerüstet. dpa
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Eine Krankenschwester auf der Infektionsstation einer Uniklinik betrachtet in Schutzkleidung und mit einer Atemmaske zwei Abstrichröhrchen. Auch in Rosenheim ist man nach Auskunft der RoMed-Kliniken gerüstet. dpa
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Auch der dritte Verdachtsfall war offenbar Fehlalarm, von Entwarnung aber kann selbstverständlich nicht die Rede sein. Verhältnismäßig gelassen bereitet man sich in der Region Rosenheim auf das Coronavirus vor. Die Romed-Kliniken melden: Alles ausreichend vorhanden.

Rosenheim – Bayern und die Region Rosenheim wappnen sich gegen das Coronavirus. Der Verdacht gegen eine Person aus dem Landkreis Rosenheim ließ sich offenbar nicht bestätigen. Dagegen wird ein am Donnerstagabend bekanntgewordener neuer Corona-Fall – der 15. insgesamt in Bayern – im Universitätsklinikum Erlangen stationär behandelt. In der Region Rosenheim gab es in den vergangenen Wochen drei Meldungen über mögliche Verdachtsfälle – bislang zum Glück Fehlalarm.

Insgesamt bereiten sich die Menschen offenbar verhältnismäßig gelassen vor. Abgesehen vom Run auf Mundschutzmasken und Desinfektionslösungen gab es keine Hamsterkäufe etwa von Konserven zu beobachten. Einige Großveranstaltungen werden – Stand der Dinge am Freitagnachmittag – wie geplant stattfinden können. Etwa das Haager Starkbierfest. Man könne ja nicht alles abblasen, sagte Hans Urban von den Starkbierfreunden. „Influenza ist genau so gefährlich, aber das kümmert kaum jemanden.“

Unternehmen spüren Dämpfer

Vorsichtig äußert sich Wolfgang Janhsen von der der Industrie- und Handelskammer in Rosenheim. Man spüre Verunsicherung, „die ersten Auswirkungen sind da“. Unternehmen auch der Region haben ihre Reisetätigkeiten bereits eingeschränkt, größere Veranstaltungen werden verschoben. Die Probleme in den Lieferketten machten auch Unternehmen in und rund um Rosenheim zu schaffen.

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„Insgesamt gehen die meisten Unternehmen davon aus, dass 2020 kein neues Rekordjahr wird“, sagt Janhsen. Allerdings: „Wir profitieren von der breiten Aufstellung der Firmen hier, von stark exportorientierten bis rein regional aufgestellten Unternehmen. „Das dämpft die Auswirkungen.“

Unterricht findet statt

Kein Friedensgruß per Handschlag, kein Bekreuzigen mit Weihwasser, das Empfangen der Heiligen Eucharistie nurmehr per Handkommunion, notfalls zu Hause bleiben: So antwortet die Kirche auf die Virus-Herausforderung. Domkapitular Daniel Reichel richtet sich nach den Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz. „Wer Symptome einer Erkrankung aufweist oder bei wem der Verdacht auf Erkrankung besteht, soll auf die Teilnahme an Gottesdiensten verzichten“, sagt er.

Die Empfehlung dürfte den Beifall des Robert-Koch-Instituts finden. Die Experten dort raten zu Hygiene und sehen die aussichtsreichste Strategie vorerst in einer Verlangsamung und Eindämmung der Ausbreitungsketten.

Im Landratsamt beobachtet man die Lage, um schnell reagieren zu können – etwa auf eine Vielzahl von Erkrankungen an einer Schule. „Im Moment gibt es keinen einzigen bestätigten Fall von Corona in der Region“, sagt Michael Fischer vom Landratsamt. Es gebe keinen Grund, Unterricht ausfallen zu lassen.

Radprofi Burghardt: Klassiker in Gefahr

Sorgen macht sich Radprofi Marcus Burghardt. Der in Samerberg lebende Klassiker-Spezialist von Bora-hansgrohe rackert gerade im Trainingslager in der Sierra Nevada. „Wie sich da manche Hotelgäste verhalten, ist unverantwortlich“, sagt Burghardt, der viele Verstöße gegen die Hygiene-Etikette beobachtet. Gefährdet ist auch ein früher Höhepunkt von Burghardts Wettkampf-Programm: Der für 21. März vorgesehene Klassiker Mailand – Sanremo führt entlang stark von COVID-19 betroffener Gebiete (siehe Sport).

RoMed-Kliniken: Alles ausreichend vorhanden

Die aktuelle Situation wird täglich von der Geschäftsleitung der RoMed-Kliniken und der Klinikhygiene neu bewertet, entsprechend, so heißt es in der Antwort auf die Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, werden die Maßnahmen angepasst. Für die aktuelle Situation ist ausreichend persönliche Schutzausrichtung vorhanden.

Für die momentane Situation sind ausreichend Isolierungszimmer vorhanden, im Falle einer Pandemie greifen andere Regeln und Mechanismen.

Was Rosenheimer Ärzte raten

Übereinstimmend betonen Priv.-Doz. Dr. Christoph Knothe, Medizinischer Direktor der RoMed Kliniken, und Dr. Hans Mattes , Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie am RoMed Klinikum Rosenheim: „Es ist sehr sinnvoll die RKI-Empfehlungen zu beachten, um Infektketten zu unterbrechen.“ Dies beinhaltet die Einhaltung der Husten- und Nies-Etikette – Abwenden von anderen Personen, in die Armbeuge husten -, häufiges Händewaschen, Abstand von ein bis zwei Meter gegenüber Erkrankten einhalten, Menschenansammlungen sollte man meiden, nicht mit den Händen ins Gesicht fassen. So kann man nach Auskunft der Experten auch Influenza vorbeugen.

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