Kathrein stoppt Investitionen

OVB
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Geplatzter Traum: Professor Dr. Anton Kathrein (rechts) und Projektbetreuer Werner Zettl vor den Hotelplänen, die nun nicht mehr verwirklicht werden.

Rosenheim/Landkreis - Professor Dr. Anton Kathrein hat gestern darauf reagiert, dass der Rosenheimer Stadtrat ein Vorkaufsrecht für den Happinger See in Anspruch genommen und damit seine Hotelpläne dort verhindert hat: Er gab einen Investitions- und Einstellungsstopp in Rosenheim bekannt und kündigte den Abzug der Kathrein-Verwaltung aus der Stadt an. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer reagierte darauf mit Bedauern und Unverständnis. **Fotos und Video auf rosenheim24.de**

"Ich bin enttäuscht und frustriert", erklärte Kathrein dazu, dass die Stadtratsmehrheit das Vorkaufsrecht der Stadt in Anspruch nimmt und damit seine Hotelpläne zunichte gemacht hat (wir berichteten). "Ich werde als privater Investor nicht gewollt", so sein Schluss.

Vom Stadtratsbeschluss hatte er gestern Morgen aus dem Oberbayerischen Volksblatt erfahren. "Sie erleben mich noch immer ganz baff", so der geschäftsführende Gesellschafter der Kathrein-Werke und Dritte Bürgermeister Rosenheims vor der Presse. Die Bedenken des Stadtrates, durch den von ihm geplanten Bau eines Hotels könne der beliebte Happinger See der öffentlichen Nutzung als Bade- und Freizeitgelände entzogen werden, seien völlig unbegründet. "Die Behauptung, wir würden den Zugang zum See sperren lassen wollen, ist Schmarrn", betonte Kathrein. Als Investor habe er sich an das bayerische Seengesetz zu halten, das einen öffentlich zugänglichen Uferstreifen fordere. Außerdem sei lediglich geplant gewesen, maximal zehn Prozent der jetzigen Liegeflächen am See für die Hotelgäste zu reservieren. Das Konzept habe zudem die Schaffung einer öffentlichen Badeanstalt mit Betrieb von 9 bis 20 Uhr vorgesehen. Damit verbunden gewesen seien auch öffentliche WC- und Duschanlagen sowie ein Kiosk.

Dreimal so groß wie das Seerestaurant Hubertus wäre der Hotelneubau ausgefallen.

Dass sich die Stadt Rosenheim, die seit Jahren unter zu geringen Hotelkapazitäten leide, die Chance entgehen lasse, "ein solches Juwel in bester, zentraler Lage zu erhalten", kann Kathrein nicht nachvollziehen. Das geplante Objekt hätte nach Informationen von Projektbetreuer Werner Zettl etwa 100 Betten umfasst und eine Klassifizierung als Dreieinhalb-Sterne-Anlage erhalten. Zehn Millionen Euro wollte Kathrein investieren. 1,9 Millionen hätte davon der Kauf des Geländes verschlungen, die restlichen Mittel Bau und Erschließung. 40 bis 50 Arbeitsplätze wären entstanden.

Kathrein zeigte sich vor der Presse tief enttäuscht über das Misstrauen der Stadtratsmehrheit. Als "ehrbaren Kaufmann" schmerze es ihn sehr, dass ihm unterstellt werde, eine rein private Nutzung mit Absperrung angestrebt zu haben. Kathrein wies auch den Vorwurf mangelhafter Information zurück. Die Verkaufsabsicht der Eigentümerin sei lange bekannt gewesen, mehrfach habe sie das Gelände auch der Stadt angeboten. Der Kaufvertrag mit Kathrein sei bereits zum Jahreswechsel unterschrieben worden. "Sehr kooperativ" sei seit Bekanntwerden seines Investitionsinteresses die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung gewesen. "Die wollte dieses Objekt", zeigte sich Kathrein überzeugt. Erst kurz vor der Stadtratssitzung sei plötzlicher Gegenwind aufgetreten, der die Stimmung zum Kippen gebracht habe.

"Was macht die Stadt jetzt mit dem Gelände und den maroden Gebäuden?" fragte Kathrein auch angesichts der Tatsache, dass die Kommune für den Ankauf Schulden aufnehmen muss. "Einem Nachtragshaushalt werde ich auf keinen Fall zustimmen", teilte der Dritte Bürgermeister mit, der als Betroffener an der nichtöffentlichen Sitzung nicht teilgenommen hatte.

"In Rosenheim tun wir nichts mehr", kündigte Kathrein als Konsequenz an. Weitere Entwicklungen der Werke seien nun in Amerang und Thansau geplant. Dort seien noch umfangreiche Flächenkapazitäten vorhanden. Mit dem angedachten Abzug der Verwaltung gehe der Stadt eine bedeutende Summe an Gewerbesteuer verloren, die Kathrein nicht näher beziffern wollte. Doch angesichts der hier beschäftigten hoch qualifizierten Mitarbeiter zeigte er sich überzeugt: "Das wird Rosenheim hart treffen." Der Firmenchef: "Uns tut die Entwicklung leid, wir hätten das Projekt gerne gestemmt, duften es aber nicht. Wir werden uns nun anderweitig ausrichten."

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer hatte für die Entscheidung kein Verständnis und verwies auf den einmütigen Beschluss: "Ich kann es nicht verstehen, wenn die einstimmige Entscheidung des Stadtrats für den Erhalt öffentlicher Freiflächen am Happinger See mit einer derartigen Aktion abgestraft werden soll." Sie betonte, dass mit dieser Entscheidung der öffentliche Strand dauerhaft für die Bürger gesichert sei und widersprach der Darstellung Kathreins: "Das Investitionsprojekt zielte darauf ab, wichtige Teile des bisherigen Strandbereichs zu privatisieren und für die noch öffentlich zugänglichen Randbereiche Eintrittsgebühren zu erheben."

Auch CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann meldete sich gestern zu Wort: "Ich halte das für eine unangemessene Reaktion, auch angesichts Kathreins Verpflichtung als Dritter Bürgermeister von Rosenheim." Der Stadtrat habe gar nicht anders entscheiden können, da eine Genehmigung der Kathrein-Pläne in diesem naturgeschützten Bereich unsicher sei. So wäre der Neubau dreimal größer ausgefallen als das bisherige Seerestaurant: "Wenn die Genehmigung gescheitert wäre, hätte die Stadt keinerlei Einflussmöglichkeiten mehr darauf gehabt, was dort passiert."

Heike Duczek/Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

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