Kampfgebiet Straße: Das gilt für Radler und Autofahrer wirklich – die Polizei klärt auf

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Müssen Radler auf dem Radweg fahren? Diese und andere Fragen sorgen immer wieder für Diskussionen und Aufreger zwischen Radlern und Autofahrern. So sieht es rechtlich tatsächlich aus.

  • Über Regeln zwischen Radlern und Autofahrern herrscht viel Halbwissen. Die Polizei klärt auf.
  • Rennradfahrer dürfen auch bei vorhandenem Radweg auf die Straße: Mythos oder Wahrheit?
  • Welche Regeln gelten für den Überholvorgang zwischen Auto und Rad?

Rosenheim – Immer wieder kommt es auf der Straße zu Konflikten zwischen Auto- und Radfahrern. Besonders zur Sommerzeit, wenn tausende Freizeitradler bei schönem Wetter draußen unterwegs sind. Erst kürzlich kam es sogar zu einer Handgreiflichkeit, als ein Auto einen Radfahrer in Brannenburg offenbar mit einem gewagten Manöver überholt hatte.

Auf der Straße herrscht vor allem eines im Umgang zwischen Radlern und Autos: gefährliches Halbwissen. Die OVB-Heimatzeitungen haben deshalb mit das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd gefragt, worauf Radler und Autofahrer gemeinsam achten müssen.

Müssen Radfahrer auf einem Radweg, wenn einer da ist?

Grundsätzlich müssen Radfahrer auf der Straße fahren! Ausnahmen bestehen, wenn ein Radweg oder ein gemeinsamer Geh- und Radweg explizit durch ein Verkehrsschild gekennzeichnet sind. In diesem Fall muss der Radfahrer den Radweg nutzen und darf nicht auf der Straße fahren – das gilt auch für Rennradfahrer.

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Außerdem müssen Radfahrer auf der rechten Seite bzw. dem rechten Radweg fahren. In die Gegenrichtung zu fahren ist nur dann erlaubt, wenn es lediglich einen Radweg oder nur einen Geh- und Radweg gibt. Sprecher Martin Emig weist auf den Hintergrund hin: Die Radwege sind eine Einrichtung, die Radfahrer schützen sollen, daher sind sie auch verpflichtend zu nutzen. Andernfalls könne dies auch beanstandet werden.

Gibt es Sonderregeln für bestimmte Rad-Typen?

Grundsätzlich unterscheidet die StVO nicht zwischen den Radtypen. Mit einer Ausnahme: Pedelecs, die schneller als 25 km/h fahren, werden als Kraftfahrzeug behandelt. Insofern wirkt sich auch das „Frisieren“ von E-Bikes aus und kann sich auf die Versicherungspflicht und die Fahrerlaubnis auswirken.

Dürfen Radfahrer nebeneinander fahren?

Sofern andere Verkehrsteilnehmer nicht benachteiligt werden, dürfen Radfahrer auch nebeneinander auf der Straße fahren. Eine Behinderung ist niederschwelliger als eine Gefährdung. Dazu zählen beispielsweise, wenn ein Autofahrer überholen möchte, an Engstellen oder wenn Gegenverkehr besteht.

Wieviel Abstand müssen Autofahrer neben und hinter Radfahrern einhalten?

Innerorts müssen Autos einen Abstand von 1,50 Metern, sowie ausserorts von 2 Metern zu Radfahrern einhalten. Und zwar seitlich, also beispielsweise bei einem Überholvorgang.

Hinter Radfahrern wird der übliche Sicherheitsabstand verlangt. Hinter Autos und Radfahrern muss ein gleich langer Abstand gehalten werden. Überholt werden darf außerdem nur, wenn weder der Gegenverkehr noch der zur Überholende nicht gefährdet wird.

Gilt ein Tempolimit auch für Radfahrer?

Grundsätzlich gelten Verkehrszeichen auch für Radfahrer! Das bedeutet in einer Zone 30, dass auch Radfahrer bei entsprechendem Verkehrsschild die Höchstgeschwindigkeit einhalten müssen.

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Anders sieht es aus, wenn lediglich ein Ortschild auf die Geschwindigkeit hinweist. In diesem Fall dürften Radfahrer sogar theoretisch mit einer höheren Geschwindigkeit als 50 km/h durch die Ortschaft fahren. Dies ist aber die einzige Ausnahme.

Existieren besondere Vorschriften für große Gruppen von Radfahrern?

Mehr als 15 Radfahrer dürfen einen geschlossenen Verband bilden, für den besondere Verkehrsregeln gelten. In diesem Fall dürfen sie nebeneinander und hintereinanderfahren. Allerdings muss deutlich erkennbar sein, dass es sich um einen Verbund handelt. Und sie müssen auch tatsächlich zusammen in einem Pulk fahren.

Nicht erlaubt ist laut Sprecher Martin Emig beispielsweise, wenn der Schnellste vorausfahre und sich die Gruppe dann bis zum langsamsten Fahrer auf der Straße ausdehnt.

Dürfen Radfahrer in großen Gruppen nah beieinander fahren?

Ja. Allerdings nur, wenn sie niemanden behindern. Hier gelten die gleichen Regeln wie beim nebeneinander Fahren.

Welche Überholverbote gelten für Autofahrer in Bezug auf Radfahrer?

Niemand darf gefährdet oder behindert werden. Außerdem darf nur links überholt werden. Neu ist, dass nun auch Überholverbote für Zweiräder möglich sind. Speziell dazu hat man auch ein neues Verkehrsschild entworfen. Das kann beispielsweise bei Engstellen eingesetzt werden.

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Dürfen Radler abseits von Autobahnen und Schnellstraßen überall fahren?

Ganz klar: Fußgängerzonen und Gehwege sind tabu. Ob es sich um einen Gehweg handelt, kann man schnell erkennen. Dort wo Radfahren erlaubt ist, weist ein entsprechendes Schild darauf hin. In Wald- und Naturschutzgebieten sollte man sich vorab informieren und auf den ausgeschilderten Wegen bleiben.

Die Polizei erinnert an Paragraf 1 der StVo: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. Der Appell richtet sich an beide Seiten, Fahrradfahrer wie Autofahrer.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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