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VON DER EXFREUNDIN FÄLSCHLICHERWEISE ALS RÄUBER BESCHULDIGT

Jugendschöffengericht Rosenheim spricht zwei unschuldige junge Männer frei

Das Jugendschöffengericht Rosenheim hat zwei junge Männer freigesprochen, die fälschlicherweise als Räuber beschuldigt wurden.
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Das Jugendschöffengericht Rosenheim hat zwei junge Männer freigesprochen, die fälschlicherweise als Räuber beschuldigt wurden.
  • VonTheo Auer
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Fast wären zwei junge Männer eines Raubüberfalls im Gefängnis gelandet. Doch vor dem Jugendschöffengericht Rosenheim konnte ihre Unschuld letzten Endes doch noch bewiesen werden.Nun muss eine Zeugin wegen ihrer offenbar falschen Aussage Konsequenzen fürchten.

Raubling – In der Nacht auf den 17. August 2019 stürmten zwei mit Sturmhauben vermummte Männer in die Wohnung eines Raublingers, der dort zusammen mit einem Bekannten und drei Mädchen feierte. Die Maskierten waren mit einem Elektroschocker, einem sogenannten „Taser“, und einer Pistole bewaffnet und forderten Geld und Wertsachen. In einem Handgemenge wurde dem Wohnungsinhaber ein Baseball-Schläger entrissen und der Mann mit diesem verprügelt. Als Beute fiel den Tätern lediglich eine Armbanduhr und eine Playstation in die Hände. Die Täter entkamen unerkannt in einem BMW.

Stimme und Statur als Erkennungszeichen

Eines der Mädchen, eine damals 17-jährige Auszubildende, behauptete, die Räuber zweifelsfrei an Stimme und Statur erkannt zu haben. Nach ihren Angaben handelte es sich um zwei Rosenheimer, von denen einer bis zum Juni 2019 ihr Freund gewesen sei. Der 22-jährige Schreiner habe sie dann verlassen und sei mit dem zweiten Täter, einem 22-jährigen Zimmerer, nach Brandenburg gezogen, wo sie gemeinsam Arbeit gefunden hätten. Sie legte Chatnachrichten vor, auf denen der Ex-Freund sie bedrohte. Dazu erklärte der Schreiner, diese Chatnachricht sei im Nachhinein ohne Weiteres verfälschbar. Er hätte eine solche nie versendet.

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Die Kripo Rosenheim hatte ihre Zweifel, was Ablauf und Motiv des Überfalls anging. Zum einen war der Wohnungsinhaber als Drogendealer bekannt. Zu seiner Zeugenaussage wurde er aus dem Jugendgefängnis Laufen vorgeführt, wo er eine Haftstrafe verbüßt. Auch die Hauptbelastungszeugin hatte aktenkundigen Kontakt mit Drogen.

Die Wohnung der Angeklagten wurde durchsucht. Dort fand sich jedoch nicht der geringste Hinweis einer Tatbeteiligung. Auch Fingerabdrücke und DNA-Spuren zeigten keinerlei Übereinstimmungen. Die Polizei war im Zweifel, ob es sich um eine Eifersuchtstat oder einen Racheakt aus dem Drogenmilieu handelte. Die Anklage fußte schließlich auf den Aussagen der Überfallenen.

Der Wohnungseigentümer erinnerte sich an gar nichts mehr. Der Richter fragte, ob er schon so oft überfallen worden sei, dass er sich an Einzelheiten nicht mehr erinnern könne. Der 20-Jährige meinte, er sei damals so oft im Drogenrausch gewesen, dass sein Erinnerungsvermögen beschädigt sei.

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Die heute 19-jährige Ex-Freundin des einen Angeklagten war plötzlich ebenfalls von Erinnerungslücken betroffen. Sichtlich erbost nahm Staatsanwalt Roth die Zeugin ins Gebet. „Hier drohen zwei Männern viele Jahre Gefängnis, über den beiden schwebt ein Damoklesschwert und Ihnen fällt erst heute ein, dass Sie sich getäuscht haben könnten!“

Auch erinnerte sich die 19-Jährige nun, dass die Täter Schriftdeutsch gesprochen hatten. Als ihr der Staatsanwalt die als Beweismittel genutzte Chatnachricht vorhielt, erklärte sie, dass sie dazu nichts sagen wolle. Sie müsse sich schließlich nicht selbst belasten. Der Staatsanwalt erklärte der Zeugin, dass er sie mit einem Verfahren wegen falscher Beschuldigung belangen wolle.

Für die Zeugin folgen noch Konsequenzen

Im Anschluss wurde auf alle weiteren Zeugen verzichtet. Der Staatsanwalt bedauerte in seinem Schlussvortrag, dass die beiden Angeklagten unschuldig so viele Misshelligkeiten hatten erdulden müssen, und beantragte Freispruch. Dem schlossen sich die Verteidiger, die Rechtsanwälte Walter Holderle und Christoph Kremser, vorbehaltlos an.

Das Jugendschöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur folgte dem Antrag und zeigte sich erleichtert, dass die beiden unschuldig Angeklagten zumindest nicht in Untersuchungshaft gekommen seien, was bei der Schwere der Anklage möglich gewesen wäre. Dabei wäre dieses Verfahren ohne die Falschaussage gar nicht nötig gewesen. Für die Zeugin habe das mit Sicherheit Konsequenzen.

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