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Bahn testet die Bodenverhältnisse

Außergewöhnliche Sondierung: Bahn bohrt für Brenner-Nordzulauf auf dem Grund des Inns

Besonders umstrittener Punkt: Bislang plant die Bahn vor Stephanskirchen mit einer Inn-Überquerung. Gegen die Genehmigung von Sondierungsbohrungen durch das Landratsamt klagt die Gemeinde Stephanskirchen nun. Grafik: Bahn
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Besonders umstrittener Punkt: Bislang plant die Bahn vor Stephanskirchen mit einer Inn-Überquerung. Und auch am Inn bohrt die Bahn in den nächsten Wochen.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Die Bahn verfolgt weiter ihren Zeitplan für den Brenner-Nordzulauf. Mit Sondierungsbohrungen will der Schienenkonzern im Landkreis Rosenheim den Untergrund checken. Was nicht alle Gemeinden in der Region Rosenheim begrüßen.

Rosenheim – 150 Jahre ist es her, da öffnete die Bahn ihr neues „Tor zum Süden“: Am 15. Oktober 1871 rollten die ersten Züge über die neue Bahnstrecke von München über Grafing nach Rosenheim und lösten die alte Mangfallbahn ab.

Lesen Sie auch: Brenner-Nordzulauf: Die Bahn setzt bei Trasse durch das Inntal auf Violett (Plus-Artikel OVB-Online)

Dass dieser Streckenabschnitt derzeit im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, dürfte aber nicht nur an dem runden Geburtstag liegen. Denn die Planungen der Bahn für den Brenner-Nordzulauf nehmen in diesen Wochen nochmals spürbar Fahrt auf. Für den Abschnitt zwischen Grafing und Trudering laufen nun die Planungsarbeiten für die Grobtrassen.

Sondierungen mitten im Fluss

Weiter ist die Bahn bekanntlich in der Region Rosenheim. Und dort, im längsten und kompliziertesten Abschnitt des Brennernordzulaufs, steht in wenigen Tagen ein spektakulärer Termin an. Bereits Anfang November wollen die Planer der Bahn eine besonders aufwendige Probebohrung im Untergrund vornehmen, und zwar von Wasserfahrzeugen aus im Flussbett des Inns.

Ebenfalls interessant: Brenner-Nordzulauf geht in die nächste Phase: Ein Hindernis noch zu überwinden

Seit im April 2021 in Rosenheim die violette Trasse als Vorschlagstrasse der Bahn vorgestellt wurde, steht fest, dass die Bahn den Inn für ihre Neubaustrecke zum Brenner-Nordzulauf zweimal queren muss. Die Inn-Sondierung ist der voraussichtlich komplizierteste Teil in der Phase der Planung, die für die Bahn jetzt beginnt. Rund 50 Bohrungen wollen die Geologen vornehmen, in manchen Bereichen bis in eine Tiefe von etwa 40 Metern.

Im November geht‘s in den Untergrund

Im Großen und Ganzen ist die Bahn über den Untergrund bereits im Bilde, schon bei der Planung der Grobtrassen waren Sondierungen vorgenommen worden. Doch will sich der Konzern nun vor unliebsamen Überraschungen schützen. „Wir wollen ein Gefühl dafür bekommen, was uns dort erwartet“, sagt Bahnsprecher Anton Knapp.

Allein 22 Bohrstellen sind auf dem Gebiet der Gemeinden Stephanskirchen, Riedering und Rohrdorf vorgesehen, die Widerstand angekündigt haben. Wobei sich die Gemeinde Stephanskirchen bereits entschlossen hat, das Verfahren rechtlich prüfen zu lassen. „Wir haben Klage beim Verwaltungsgericht eingelegt“, sagt Bürgermeister Karl Mair. die Klage richtet sich gegen den Bescheid des Landratsamtes mit der Genehmigung der Bohrungen.

Nächste Dialogforen sind für November angesetzt

Schechens Bürgermeister Stefan Adam wiederum äußert Verständnis, dass andere Gemeinden entlang der Trasse gegen Anträge der Bahn vorgingen. In diesem Fall aber sieht er Widerstand als sinnlos an. Denn diese geologischen Erkundungsarbeiten müssen laut Eisenbahngesetz geduldet werden, auf der freien Fläche gebe es auch keinen Hinderungsgrund. Eine Ablehnung der Sondernutzung oder der 40 Meter tiefen Bohrung bringe nur eine minimale Verzögerung, denn das Eisenbahnbundesamt werde die Duldung durchdrücken. Und die Gemeinde wolle in einem guten Dialog mit der Bahn bleiben, um möglichst viel für Schechen zu erreichen.

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Das hat im Übrigen auch Karl Mair vor. Stephanskirchen bereite sich für die nächsten Dialogforen der Bahn im November vor. „Wir stellen uns weiter dem Dialog.“

Chefplaner Matthias Neumaier und sein Team halten derweil Kurs. Der Zeitplan stehe, heißt es von Seiten der Bahn, bislang gehe es ohne Verzögerung voran. Bereits 2024 sollen die Vorplanungen abgeschlossen sein, 2025 soll der Bundestag über den Brenner-Nordzulauf abstimmen.

Neue Gleise und Blockverdichtung

Auch in der nordwestlichen Nachbarschaft der Region Rosenheim tut sich derzeit eine Menge. Dabei geht es um das zwölf Kilometer lange Teilstück zwischen Grafing und Ostermünchen.

Dort hatte die DB bereits im Sommer die Suche nach einem Streckenverlauf für zwei neue Gleise aufgenommen, die an die violette Trasse anschließen. Das Planungsteam der Bahn trug zunächst Grundlagendaten zusammen, also Streckenpläne oder Informationen über den Zustand der Strecke. Dann äußerte sich die Öffentlichkeit: Bürgermeister, einzelne engagierte Gemeindebürger, Vertreter von Interessengemeinschaften.

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Derzeit sitzt das Planungsteam über den Vorschlägen und bezieht sie, so die Planer die Ideen der Bürger denn als sinnvoll betrachten, in die Vorplanungen ein. Bis Ende des Jahres will die Bahn Grobtrassen für die zwölf Kilometer zwischen Grafing und Ostermünchen vorstellen.

Anders läuft es im Abschnitt zwischen Grafing und Trudering: Dort ist kein Gleisneubau vonnöten. Dafür suchen die Planer nach Standorten für neue Stellwerke, um die Taktung der Züge beschleunigen zu können. Das Schlagwort lautet „Blockverdichtung“.

Was passiert bei der Blockverdichtung?

Der Hintergrund: Jedes Gleis ist durch Signale in Abschnitte, sogenannte Blöcke, unterteilt. Befindet sich ein Zug in einem Abschnitt, so ist er besetzt, ein folgender Zug muss so lange warten, bis der Abschnitt wieder frei ist. Heißt: Je mehr Blöcke auf einer Strecke, desto höher die Zahl der Züge, die die Strecke ohne Einbußen an Sicherheit befahren können.

Das alles, damit nach Angaben der Bahn mehr Menschen und vor allem noch viel mehr Güter an den Brenner heran und unten durch geführt werden können. Was übrigens auch vor 150 Jahren der Grund für den Ausbau der Strecke über Grafing war: Damals kamen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen zum Schluss, dass für den zunehmenden Brenner-Verkehr Vorsorge getroffen werden müsse. Und sie schlossen die Arbeiten binnen drei Jahren ab.

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