AUF DER LORETOWIESE

In Rosenheim läuft der Betrieb im Corona-Impfzentrum allmählich an - und viele Junge kommen

Wie beim Konzerteinlass: Die Rosenheimer Inntalhalle ist in sechs Impfstraßen aufgeteilt.
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Wie beim Konzerteinlass: Die Rosenheimer Inntalhalle ist in sechs Impfstraßen aufgeteilt.
  • Jennifer Bretz
    vonJennifer Bretz
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  • Jens Kirschner
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Schon seit Mitte Dezember ist das Impfzentrum von Stadt und Land Rosenheim auf der Loretowiese einsatzbereit. Doch erst jetzt, mit zunehmenden Impfstofflieferungen, kann der Betrieb einigermaßen Anlaufen – nicht nur für ältere Bewohner.

Rosenheim – Es geht weder ins Stadion noch zum Rockkonzert. Die Barrieren in der Rosenheimer Inntalhalle lassen den Besucher zumindest vermuten: Hier werden zunächst Tickets und Taschen kontrolliert bevor der Anstoß beginnt, respektive der Vorhang sich hebt.

Seit Mitte Dezember ist das gemeinsame Impfzentrum von Land und Stadt Rosenheim betriebsbereit. Bis die Maschinerie einigermaßen anlaufen konnte, dauerte es aber bis in den Februar hinein. Nur zögerlich kamen die Dosen des Impfstoffs von Biontec und Pfizer in Rosenheim an.

Impfung: vornehmlich Jüngere

An diesem Donnerstagvormittag läuft der Betrieb gegen 8 Uhr an, die ersten Impflinge warten schon vor der Halle, vornehmlich Jüngere. Durch eine mächtige Metalltür geht es in die Schleuse: Händedesinfektion, Temperaturkontrolle über eine Wärmebildkamera. Passt alles, geht‘s zur Registrierung.

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Barrierefreier Zugang zur Halle

Viele Rettungsdienstmitarbeiter erhalten an diesem Vormittag ihre zweite Dosis des Vakzins. Bevor die Ärzte die Spritze ansetzen dürfen, geht es zur Aufklärung. Neun Stühle hat der Malteser Hilfsdienst als Betreiber des Impfzentrums vor einem Flachbildschirm platziert, auf Abstand versteht sich.

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Auf dem Monitor gibt es einen Film zu sehen, der über die Impfung aufklärt. Der Sprecher tönt aus kleinen weißen Lautsprechern, die man U-förmig an den Trennwänden arrangiert hat.

Ein Kurzer Pieks, das war‘s: Notfallsanitäter Florentin Wekerle erhält seine zweite Dosis.

Hilfe für Hör- und Sehgeschädigte

Auch hörgeschädigte Impfkandidaten sollen möglichst alles mitbekommen. Für Sehbehinderte lägen die Informationen auch in Braille-Schrift vor, berichtet Rosenheims oberster Katastrophenschützer Hans Meyrl. Barrierefrei sei das Impfzentrum ohnehin eingerichtet, auch Begleitpersonen für Ältere seien ausdrücklich erwünscht.

Rund 13. 000 Bürger der Region sollen bis zum Ende dieser Woche ihre erste Impfdosis erhalten haben.

Nur zwei von sechs Impfstraßen in Betrieb

Das klingt nach dem berühmten Tropfen auf dem heißen Stein. Auch heute sind von den insgesamt sechs Impfstraßen nur zwei in Betrieb.

Der begehrte Wirkstoff: eine Ampulle des Vakzins der hersteller Pfizer und Biontec. Bretz

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Es fehlt schlichtweg an ausreichend Vakzin. Für die kommende Woche rechnet Meyerl mit 2. 900 weiteren Dosen des Wirkstoffs von Biontec und Pfizer, hinzu kommen sollen erstmals 600 Dosen des Herstellers Moderna. Letztere haben vor allem einen Vorteil: Sie müssen für den Transport nicht auf zweistellige Minusgrade runtergekühlt werden.

Keinen Impfstoff verschwendet

Impfstoff verschwendet worden sei keiner, versichert Meyrl. Storniert ein Impfkandidat seine vorgesehene Injektion, könne man diese Lücke schnell schließen. Zur Verfügung stünden zudem inzwischen auch jene feinen Kanülen, die notwendig sind, um sechs statt sonst nur fünf Dosen aus den kleinen Ampullen des Biontec/Pfizer-Wirkstoffs aufzuziehen.

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Sorgen bereite Hans Meyrl schon eher die Registrierung beim bayerischen Impfportal. Für rund 320.000 Einwohner in Stadt und Land Rosenheim ist das Impfzentrum zuständig, gerade mal zehn Prozent hiervon hätten sich beim Portal des bayerischen Gesundheitsministeriums registriert.

Nicht nur eine Frage des Alters

Wohl auch, weil unter den ersten Impfberechtigten viele Ältere waren, die eben nicht wie die Generationen nach ihnen mit der Informationstechnik aufgewachsen sind. Wer letztendlich zum Termin eingeladen wird, entscheidet die Priorisierung des Portals. Das Alter ist ein Aspekt, aber genauso Vorerkrankungen und der Beruf. Daher fällt es Meyrl auch schwer, definitiv zu sagen, wann einzelne Kohorten unter 80 Jahren das Serum erhalten. Es spielt eben nicht nur das Alter eine Rolle.

Ampelsystem vor den Impfkabinen

Der 24-jährige Florentin Wekerle erhält bereits seine zweite Dosis. Eine LED am rechten Rand der Impfkabine schaltet von Rot auf Grün und verrät dem Notfallsanitäter, dass er eintreten darf. Die Injektion selbst gestaltet sich eher unspektakulär: Der Stich geht in den Muskel seines linken Oberarms. Über Beschwerden nach seiner ersten Impfung kann er nicht klagen.

Um diese möglichst früh zu erkennen, geht es für die Vakzinierten nach dem Pieks in den Wartebereich.

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Eine in blau gefasste Uhr verrät die Zeit. Wie lange die Impflinge dort ausharren müssen, entscheidet der Arzt. Hier spielen vor allem Allergien eine Rolle, mindestens 15 Minuten heißt es jedoch: sitzen bleiben. Dann ist alles vorbei. Ein Farbschema auf dem Boden weist den Weg aus der Halle. Auch die Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma sollen sicherstellen, dass sich die Impfkandidaten in der durch Trennwände geteilten Inntalhalle nicht verlieren. Zum Abschied aus dem noch immer geschmückten Festsaal gibt es noch ein leises Servus, während ein Ordner die Ausgangstür öffnet und die Impflinge in ihren Alltag entlässt.

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