Immer wieder neue Fälle

In der Corona-Quarantäne gibt‘s digitalen Unterricht: So sind Rosenheims Schulen aufgestellt

Vernetzt im Klassenraum: In der FOS/BOS hat jedes Zimmer eine digitale Tafel, die hier Lehrer Anton Kießling beim Mathematikunterricht in der Klasse FT12a verwendet.
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Vernetzt im Klassenraum: In der FOS/BOS hat jedes Zimmer eine digitale Tafel, die hier Lehrer Anton Kießling beim Mathematikunterricht in der Klasse FT12a verwendet.
  • vonAnna Hausmann
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Die Corona-Fälle an den Schulen in Stadt und Landkreis Rosenheim häufen sich, immer wieder müssen ganze Klassen in Quarantäne. Wie im März ist teilweise wieder digitaler Unterricht angesagt. Doch dieser birgt nicht nur Vorteile. Schulleiter aus der Region sprechen über neue Wege im Online-Unterricht.

Rosenheim/Landkreis – Wenn die eigenen vier Wände zum Klassenzimmer werden: Mit den vermehrten Coronafällen an den Schulen in Stadt und Landkreis Rosenheim (wir berichteten) schwebt auch der digitale Unterricht wieder wie ein Damoklesschwert über den Schulen. Die Rektoren sehen Vor- und Nachteile im Online-Unterricht.

Digitale Tafeln in jedem Zimmer

Die FOS/BOS Rosenheim setzt auf ein eigenes Medienkonzept, wie Schulleiter Dr. Marko Hunger erklärt: Dafür haben Freistaat und Bund über die beiden Programme „Digitalbudget für das digitale Klassenzimmer“ und „DigitalPakt Schule“ Fördermittel bereitgestellt. In jedem Klassenzimmer sind nun digitale Tafeln angebracht, der Unterricht kann aus dem Raum nach Hause sowie von zu Hause in die Schule übertragen werden.

Parallel: Präsenz- und Online-Unterricht

Die Schule sieht sich gewappnet für erneute Verschärfungen an den Schulen. „Die Hälfte der Klasse wird dann parallel digital unterrichtet, weil wir keinen Mindestabstand einhalten können“, so Hunger. Dazu nutzt die FOS/BOS schuleinheitlich „Microsoft Teams“ und das Kurznotizbuch „One Note“, das eine synchrone Bearbeitung der Dateien erlaubt. „Hausaufgaben können so direkt online korrigiert werden.“ Doch der digitale Unterricht berge auch Nachteile: „Für die Lehrer ist es eindeutig eine Mehrbelastung.“

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Auch im Internatsgymnasium Schloss Neubeuern verwenden die Lehrer „Microsoft Teams“. „Wir konnten jeden Unterricht nach Plan halten“, so Schulleiter Carlo Ribeca. Unterrichtsmaterial teilen sie über die Plattform „itslearning“. Die Erfahrungen bislang: gut. „Manche Eltern hatten sogar nachgefragt, ob die Geschwisterkinder die Zugänge auch benutzen dürfen.“ Derzeit sieht Ribeca keine Notwendigkeit von Heimunterricht. „Unsere Klassen mit 15 Schülern sind ein Privileg.“

Probleme mit Netz und Plattform

Doch der Online-Unterricht läuft nicht immer reibungslos. Das weiß Dieter Friedel, Schulleiter des Ignaz-Günther-Gymnasiums. Im Quarantäne-Fall verwenden die Klassen die Plattform „Schülerportal“. „Manchmal ist man am Verzweifeln, wenn man nach fünf Versuchen immer noch nicht auf die Seite kommt.“ Er vermutet, dass zu viele Schulen gleichzeitig auf die Seite zugreifen. Für ihn keine dauerhafte Lösung.

Digitalisierung lernen

Vor großen Herausforderungen stand anfangs auch das Gymnasium Bruckmühl, wie Schulleiter Walter Baier erklärt. „Wir sind damals in kalte Wasser geworfen worden.“ Über „Mebis“ und „Schülerportal“ konnte der Unterricht dennoch stattfinden. Mittlerweile verwendeten die Lehrer auch im Präsenzunterricht ein iPad, um den Digitalunterricht weiter voranzutreiben. „Die Schüler müssen lernen, wie sie die Technik auch professionell nutzen können.“ Baier ist sich aber sicher: „Distanzunterricht kann keinen Präsenzunterricht ersetzen.“ Als Landesvorsitzender der Vereinigung der Direktorinnen und Direktoren der Bayerischen Gymnasien weiß er: Die Schulen bräuchten eine Plattform, zentral gewartet. Denn: Aus Datenschutzgründen hat das Kultusministerium den Vertrag mit „Microsoft Teams“ nicht verlängert. „In Bayern hat man lange versäumt, die Weichen zu stellen.“

Betreuungsprobleme im Heimunterricht

Dieses Problems ist sich auch Schulleiter Dr. Armin Stadler am Gymnasium Raubling bewusst. Die Schulgemeinschaft setzte deshalb schon im Lockdown auf „Google Meets“. Doch der Online-Unterricht habe generelle Schwächen, allen voran das Betreuungsproblem: „Was machen die Kinder, wenn sie alleine vorm Rechner sitzen?“

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Unterrichtsmaterialien per Post

Schwieriger ist es oftmals im ländlichen Raum, hier bereiten die Netzverbindungen Probleme, schildert Nadine Sauer, Rektorin der Grund- und Mittelschule Eiselfing. Die Lehrer mussten ihren Schülern die Unterrichtsmaterialien per Post zuschicken, gar persönlich bis zur Haustür bringen. „Unterricht nach Stundenplan war nicht mehr möglich.“ Stattdessen telefonierten die Lehrer, je nach Klasse, mit jedem Schüler. Aktuell befinden sich die Klassen im Regelunterricht. „Wir hoffen, dass es weiter so bleiben kann.“

Technische Hochschule setzt auf „hybriden“ Unterricht

Im neuen Semester bietet die Technische Hochschule Rosenheim Laborarbeiten, Versuche und Übungen in Kleingruppen wieder im Präsenzunterricht an, wie Vizepräsident Prof. Dr. Eckhard Lachmann auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen mitteilt. Seminare werden „hybrid“ angeboten: Ein Teil der Teilnehmer ist persönlich im Hörsaal oder Seminarraum anwesend, ein anderer Teil ist online zugeschaltet. Große Vorlesungen mit 100 oder mehr Teilnehmern könnten aktuell nur per Online-Übertragung stattfinden.

Professoren möchten Kompetenzen noch weiter ausbauen

Grund ist der fehlende Mindestabstand. Die TH Rosenheim nutzt mehrere Online-Tools, wie AdobeConnect im Deutschen Forschungsnetz DFN, Zoom, Webex, Jitsy und BigBlueButton. Die Materialien sind im zentralen Lernmanagementsystem „Learning-Campus“, das auf Moodle-Basis funktioniert, hinterlegt. Studenten, die keinen eigenen Rechner haben, erhielten Leihgeräte. Für die Professoren baut die TH Rosenheim demnächst ein „E-Learning-Kompetenzzentrum“ auf. Denn vermutlich werde es auch nach der Corona-Krise weiterhin Online-Vorlesungen geben – allerdings im Mix, so Lachmann.

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