Immobilienpreise im Höhenflug

OVB
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Die Grundlagen dieser Grafik bilden die Bodenrichtwerte aus dem Jahr 2008. Seitdem sind die Grundstückspreise landkreisweit um bis zu 25 Prozent nach oben geschossen. Die Preise beziehen sich außerdem jeweils auf den Hauptort der Gemeinden und bezeichnen in der Regel Wohnbauflächen.

Stadt und Landkreis Rosenheim sind ein teures Pflaster. In Rosenheimer Toplagen liegt der Quadratmeterpreis mittlerweile zwischen 500 und 700 Euro. Die Gründe für den Immobilienboom sind für Experten leicht auszumachen: einerseits der starke Zuzug in die Region, auf der anderen Seite der durch die Finanzkrise ausgelöste Trend, wieder in Immobilien zu investieren.

Rosenheim - Eigentlich müssten Makler im Landkreis Rosenheim in Goldgräberstimmung sein. Die Immobilienpreise speziell in der Stadt sowie deren Peripherie erreichen derzeit nie gekannte Höhen. Aber, so Makler Peter Schrei, sei jetzt dennoch nicht die Zeit für Euphorie in seinem Berufsstand: "Gerade in der Stadt gibt es kaum Projekte."

Auch Andreas Guggemos, Makler beim Kreisverband der Raiffeisen- und Volksbanken im Landkreis Rosenheim, tritt auf die Bremse: "Zum Teil kann man in der Region durchaus von einer Immobilienblase sprechen."

Dass Grundstücke im Landkreis so gefragt sind wie nie hat laut Johann Hainz, dem Vorsitzenden des Maklerverbunds Rosenheimer Land, neben dem wachsenden Zuzug aus anderen Bundesländern vor allem die Ursache darin, dass in den vergangenen 15 Monaten "eine völlig neue Käuferschicht aufgetreten" sei, die sich in den Jahren zuvor eher zurückgehalten habe: Kapitalanleger, die ihre gekaufte Immobilie weitervermieten möchten.

Vor allem in den Innenstädten von Rosenheim, Bad Aibling, Kolbermoor und Wasserburg führe dies zu steigenden Preisen, aber auch Raubling, Stephanskirchen und Feldkirchen-Westerham gelten laut Guggemos bereits als "sehr teuer".

In den ländlicheren Bereichen des Landkreises seien die Preise seit Ende 2008 im schlechtesten Fall stabil geblieben, der Absatz speziell im nördlichen Teil sei "nicht so leicht wie in den Städten" (Hainz), zudem herrsche dort eine "gewisse Sättigung" (Schrei). Allerdings, warnen die Experten einhellig, müsse man dieses Preisgefälle differenzierter betrachten: Die ruhige Lage, familiäre Bindungen oder kommunale Fördermodelle würden den Grundstückserwerb auch in den infrastrukturell schlechter erschlossenen Landgemeinden attraktiv machen.

Grundsätzlich bestätige sich laut Schrei auch im Landkreis Rosenheim der Trend hin zur Verstädterung. Angesichts stetig steigender Benzinkosten würden weite Distanzen immer kostspieliger, zudem gebe es in den Städten mehr Schulen, bessere Freizeitmöglichkeiten, einen gut ausgebauten Öffentlichen Personennahverkehr, umfassende medizinische Versorgung und ein breiteres Konsumangebot. "Die starken Regionen bei uns sind die, die an den Zugverkehr angeschlossen sind", bestätigt Guggemos. Speziell der westliche Teil des Landkreises, in dem viele München-Pendler lebten, sei daher stark im Kommen. "Wenn ich investieren müsste, ich würde in den Westen gehen", verrät Schrei. Von Bad Aibling oder Bruckmühl aus mit dem Auto nach München zu pendeln sei "uninteressant" - sollte ab dem Jahr 2013 aber tatsächlich ein 30-Minuten-Takt in die Landeshauptstadt führen, gebe es für die Immobilienpreise dort einen weiteren "gewaltigen Sprung".

Guggemos würde, wenn er frei entscheiden dürfte, sein Geld in eine Immobilie im Bereich von fünf bis sieben Kilometern um Rosenheim herum anlegen und "energieeffizient bauen". Als gebrauchte Immobilie würde er ein Haus aus den 90er-Jahren kaufen. Dass die aktuelle Immobilienblase einmal platzen und das Häuschen im Grünen schlagartig seinen Wert verlieren könnte, mag er nicht glauben - im Gegenteil: "Wir liegen hier hervorragend. Die Preise bleiben auf hohem Niveau."

von Stefanie Zipfer

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