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Astrologie und Seefahrerkunde wohl auf dem Lehrplan

Illegale Schule in Deutelhausen treibt Landtag um: Ermittlungen gehen schleppend voran

Anfragen an die Staatsregierung: Die Querdenkerschule in Schechen treibt auch Abgeordnete im Landtag um.
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Anfragen an die Staatsregierung: Die Querdenkerschule in Schechen treibt auch Abgeordnete im Landtag um.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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„Schmallippig“: So beschreibt Katharina Schulze von den Grünen im Bayerischen Landtag die Informationspolitik der Staatsregierung in Zusammenhang mit der illegalen Schule von Deutelhausen. Die mutmaßlich von Querdenkern eingerichtete Lernoase treibt auch einen Abgeordneten der FDP um: Auch Martin Hagen hat eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt.

Rosenheim – Tatsächlich scheinen die Ermittlungen in der Sache nur langsam voranzukommen. Gegen die Leiterin der nicht genehmigten Schule, eine krankgemeldete Grundschullehrerin aus Glonn, wurde noch immer kein Disziplinarverfahren eingeleitet. Derzeit laufen noch die Vorermittlungen, eine Ende sei noch nicht abzusehen. Das berichtete Oberlandesanwalt Michael Pahlke von der Landesanwaltschaft Bayern auf erneute Anfragen der OVB-Heimatzeitungen.

Das Landesamt von Verfassungsschutz hält sich mit Informationen zur mutmaßlichen Leiterin der Schule und anderen Akteuren streng zurück, bestätigte aber, dass sich Verdachtsmomenten gegen den Träger der Schule, die Stiftung „Freiheit braucht Mut“, in den vergangenen Tagen verstärkt hätten. Demnach konnten bei der Stiftung „hinreichend gewichtige tatsächliche Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung“ nachgewiesen werden, welche dem „Phänomenbereich Reichsbürger und Selbstverwalter“ zuzuordnen seien.

Disziplinarverfahren steht weiter aus

Die Personen, die für die Stiftung aufträten, seien bekannt, es handele sich um Personen aus dem Reichsbürger-Milieu. Auch Sprache und Inhalt wiesen auf die Reichsbürger-Szene hin. Immer noch wird die „Lernoase“ in Schechen im Internet beworben. Auf den Webseiten des „Ortes der ganzheitlichen Begegnung“ heißt es, dass Krankenschwestern, Ärzte und Alternativmediziner vor Ort seien, die „den Knaben und Mädchen den menschlichen Körper in seiner Ganzheit von der Anatomie bis hin zum Körperbewusstsein näher bringen“ könnten.

Lernbegleiter erweitern Bildungsansatz

Für den „weitgefächerten Bildungsansatz“ sorgten zudem „Lernbegleiter“. Sie unterweisen die Kinder offenbar in Bereichen, die sonst kaum auf Lehrplänen auftauchen, etwa der der Astrologie und der Seefahrerkunde. Zuletzt vor etwa drei Wochen meldete die Homepage „Neuigkeiten“: „Erstklassler schreiben nach drei Wochen eigene Wörter!“

Allerdings hatten die Behörden die „Schule“ in Deutelhausen ziemlich genau drei Wochen vor dem Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits geschlossen. Wo die „Lernoase“ der ominösen Stiftung ihren Unterricht danach abgehalten haben könnte, ist nicht bekannt, ebenso wenig, wie zuverlässig die Angaben auf der professionell wirkenden Internetseite sind.

Katharina Schulze jedenfalls besteht auf weitere Ermittlungen. Erst kürzlich hat sich erneut an die Staatsregierung gewandt. Mit einer schriftlichen Anfrage. Wer hinter der Stiftung stehe, woher sie sich finanziere, wie viele Testverweigerer sich dem Unterricht entziehen konnten, ob es Bayern noch weitere Ansätze zu so

genannten Schetenin-Schulen gebe (als eine solche ist auf besagter Homepage auch die Schechener Schule benannt), wie sehr die als völkisch und antisemitisch verdächtigte Anastasia-Bewegung in Bayern aktiv sei: Das alles und noch einige Punkte mehr will sie geklärt wissen.

Noch keine Antwort auf die Fragen

Wenn man einen Einfluss aus Russland vermuten könne, sollten doch „alle Alarmglocken“ schrillen. Schulze: „Wir sind stolz auf unseren Föderalismus, und Bildung ist Ländersache.“ Da sollten die Hintergründe einer solchen Schule auch die bayerische Staatsregierung interessieren, meint sie. Eine Antwort auf ihre Fragen aber hat sie noch nicht erhalten.

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