Hungriger Stachelritter auf Abwegen: Igel aus Bruckmühler Müllcontainer gerettet

Dieser kleine Kerl lebt jetzt wieder im Garten. Peterson
  • vonKathrin Gerlach
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Eine außergewöhnliche Rettungsaktion organisierten jetzt Spaziergänger und Mitglieder des Tierschutzvereines Bruckmühl. Ein Igel war in einen Weißblech-Container geraten. Zu seinem Glück wurde er von einer Familie entdeckt, die in Bruckmühl gerade in Richtung Vagener Au auf einem Spaziergang war.

Bruckmühl – „Ich hörte ein extremes Dosenscheppern aus dem Container“, beschreibt Selina Simeth. Da sich der Wertstoffsammelplatz in unmittelbarer Nähe der Mangfall befindet, wagte sie es nicht, selbst nach der Ursache der Geräusche zu schauen, denn „es hätte ja auch eine Ratte oder ein Marder sein können“.

Igel lässt die Dosen scheppern

Also kamen ihre drei tapferen Männer – Ehemann Patrick und die Söhne Quirin (4) und Lorenz (1) der ängstlichen Mama zu Hilfe. Mein Mann hob die Kleinen hoch, damit sie in den Container schauen konnten. Und so wurde der kleine Stachelritter entdeckt. Schnell holten sie Handschuhe und eine Schaufel von daheim.

Erster Rettungsversuch misslingt

„Bevor wir aber versuchten, den Igel aus dem Container zu holen, haben wir erst einmal geschaut, ob es nicht vielleicht sein Zuhause ist“, berichtet Selina Simeth. Doch da sie kein Loch im Container entdeckten, das dem Igel als Ein- und Ausgang dienen könnte, versuchten sie, ihn zu bergen. „Das ist uns allerdings nicht gelungen. Der Igel hatte natürlich Angst und verkroch sich zwischen den Dosen“, erzählt die Bruckmühlerin.

Mit einem Apfelernter wurde der Igel aus einem Weißblech-Container in Bruckmühl geborgen.

Igel erwartet ein qualvolles Schicksal

Gleichzeitig war der Familie klar, dass es das Todesurteil für den Igel gewesen wäre, wenn sie sich nicht weiter um seine Rettung kümmern würden. Denn Stahldosen werden entzinnt und dann in einem Schmelzwerk wieder eingeschmolzen. Kaum vorstellbar, welchen Qualen das Tier ausgesetzt gewesen wäre.

Ein Vierjähriger fordert die Rettung

Der kleine Quirin, der in coronafreien Zeiten im Bauernhofkindergarten in Noderwiechs eine ganz besonders enge Bindung zu Tieren aufbauen kann, war tieftraurig. „Wir müssen den Igel unbedingt retten“, sagte er entschlossen zu seinen Eltern.

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Die nahmen Kontakt mit Sarah Zapf, der Vorsitzenden des Tierschutzvereines Bruckmühl auf. Und schon nach wenigen Minuten war Michael Zapf zur Stelle. „Wir haben erst mit einem Rechen versucht, das Tier aus dem Container zu heben, aber das funktionierte leider auch nicht“, berichtet Zapf.

Eine zündende Idee

Zufällig wohnt unweit des Containerstellplatzes auch Kerstin Peterson vom Bruckmühler Tierschutzverein. Und ihr kam schließlich eine zündende Idee: „Der Igel war kaum größer als ein Apfel, also warum sollte seine Rettung nicht mit einem Apfelernter funktionieren.“

Igel mit Apfelernter gerettet

Und tatsächlich: Mit dem richtigen Werkzeug klappte es dann auch sofort. In den weichen Stoff des Apfelernters gebettet wurde der Igel geborgen. „Der kleine Kerl war Gott sei Dank nicht verletzt, obwohl er sich inmitten der Blechdosen hätte tiefe Schnittwunden zuziehen können“, berichtet Zapf.

Unverletzt und gut genährt

Gut geschützt mit Handschuhen begutachtete der Tierschützer den stacheligen Kerl und stellte fest: „Es war alles in Ordnung. Noch dazu war er richtig gut genährt.“ Nach Rücksprache mit dem Tierarzt wurde der Igel gleich wieder in die Freiheit entlassen. Und da Igel besonders gern in Siedlungsbereichen mit Gärten und Grünanlagen leben, wurde er direkt im Garten von Kerstin Peterson ausgewildert. Hier wird er ausreichend Regenwürmer und Insekten finden und kann sich zudem an einer Futterstelle bedienen.

Wie kommt ein Igel in den Müllcontainer?

Doch wie kann ein Igel in solch eine missliche Lage kommen? „Viele Leute lassen beispielsweise ihre gelben Säcke draußen stehen. Und die wirken wie ein Magnet auf die Igel. Die Tiere können in die Säcke klettern, um beispielsweise an leeren Katzenfutterschalen zu naschen“, erklärt Peterson. Neben der Verletzungsgefahr durch scharfkantigen Müll bestehe eben auch die Gefahr, dass sie steckenbleiben oder den Ausgang nicht mehr finden und so aus Versehen mit entsorgt werden.

Bei Müllentsorgung an Wildtiere denken

Damit so etwas nicht passiert, bittet sie darum, „Müllsäcke möglichst 50 Zentimeter über dem Boden aufzuhängen oder bis zur Entsorgung für Wildtiere unzugänglich aufzubewahren“. Dieser Igel hatte noch einmal Glück im Unglück und sein Abenteuer dank der aufmerksamen Spaziergänger und kreativen Retter unbeschadet überlebt.

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