"Hunde ohne Druck erziehen"

Clarissa von Reinhart, Gründerin der Hundeschule "Animal Learn", bildet Hundetrainer aus und verfasste mehrere Bücher zum Thema Hundeerziehung. Foto Animal learn
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Clarissa von Reinhart, Gründerin der Hundeschule "Animal Learn", bildet Hundetrainer aus und verfasste mehrere Bücher zum Thema Hundeerziehung. Foto Animal learn

Eine Rottweilerhündin hatte am 23. April 2009 bei Schnaitsee einen Zwergpudel totgebissen (wir berichteten). Auch das Frauchen des Pudels wurde verletzt, weil sie das Tier auf den Arm nahm. Die Heimatzeitung hat mit Experten über Hundeerziehung gesprochen und gibt Tipps, wie man sich in Extremsituationen mit dem Hund richtig verhält.

Rosenheim/Landkreis - Zwergpudel "Sissi" wurde von einem Rottweiler angefallen. Die Rasse Rottweiler fällt in der Bayerischen Kampfhunde-Verordnung unter die Kategorie 2, wonach die Eigenschaft der Rasse als Kampfhund solange vermutet wird, bis eine gesteigerte Aggressivität der Tiere anderen gegenüber nicht nachgewiesen ist.

Clarissa von Reinhart, Gründerin der Hundeschule "Animal Learn" in Bernau, betont die große Verantwortung des Menschen bei der Hundeerziehung: "Auch hier gilt das Sprichwort: Wie ich in den Wald hineinschreie, so kommt's wieder raus." Werde auf den Hund bei der Erziehung viel Druck ausgeübt, an der Leine rumgerissen, herumgeschrien, wie soll das Tier dann friedlich und freundlich werden? "Ein Hund soll klar und souverän, mit Freundlichkeit erzogen werden", so von Reinhart. Eine Sprecherin des Tierheims Rosenheim ergänzt: "Ein Hund passt sich an den Haushalt an. In einem chaotischen Haushalt wird ein Hund auch chaotisch erzogen." Und das gelte für jede Rasse.

Hundebesitzer und solche, die es werden wollen, sollten sich laut von Reinhart darüber bewusst sein, wie und vor allem dass ihre Stimme, ihre Körpersprache und ihr Verhalten auf das Tier wirken. "Viele Halter haben keine Ahnung von Hunden und verhalten sich schlicht unmöglich!" Ein Hund sei nicht generell gefährlich. "Auch nicht die Hunderassen, die auf den Rasselisten aufgeführt werden." Das Bild vom aggressiven und gefährlichen Rottweiler, Schäferhund, Dobermann sei ein vom Menschen erfundenes Klischee.

"Einige Leute machen es zu einem regelrechten Sport, mit ihrem Kampfhund in einen Park zu gehen und diesen auf Menschen loszulassen", entsetzt sich die Trainerin. Laut von Reinhart seien das genau die Hunde, die dann auch verhaltensauffällig würden und mit viel Druck erzogen worden seien. Im Fall des totgebissenen Pudels war nach früheren Vorkommnissen für Rottweilerhündin "Mona" eine Anlein- und Maulkorbpflicht erlassen worden.

Wie verhalte ich mich beim Spazierengehen?

Von Reinhart dazu: "Nicht nur beim Spazierengehen gilt: Die Augen offen halten, aufmerksam sein und Rücksicht nehmen." Sei der Hund gegenüber angeleint, werde das seinen Grund haben - dann gelte es, ebenfalls anzuleinen oder ein paar Meter mit einem klaren "Bleib"-Befehl beiseitezugehen. Ein kurzes Gespräch mit dem anderen Herrchen kläre schnell, ob man das Tier wieder loslassen könne oder besser kurz abwarte. Der Rottweiler, der auf den Pudel losging, war laut Polizeiakte nicht angeleint.

Kommt es doch zu einem Gerangel zwischen den Tieren, empfiehlt von Reinhart, beherzt einzugreifen. Aber: "Man muss sich darüber bewusst sein, dass man selbst verletzt werden kann."

Pauschale Tipps, was wann zu tun ist, gebe es für Herrchen und Frauchen nicht. Hundebesitzer sollten sich aber stets fragen: "Würde es mir Spaß machen, an einem Kettenhalsband in die Höhe gezogen und angeschrien zu werden? Nein. Ihrem Hund auch nicht." hä

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