Von Uli Hoeneß rund gemacht - Sportreporter Christian Falk aus Prien hat ein FC-Bayern-Buch geschrieben

Zum Abschied aus München zog Franck Ribery für Christian Falk zum Spaß einen königlichen Mantel an. privat
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Zum Abschied aus München zog Franck Ribery für Christian Falk zum Spaß einen königlichen Mantel an. privat
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Prien – Die Meldung, dass Leroy Sane von Manchester City zum FC Bayern wechselt, hatte Christian Falk von der Sportredaktion der Bildzeitung im Homeoffice in Prien verfasst. Seit Jahren ist der Chefreporter an den Stars des Rekordmeisters dran – und hat jetzt mit „Inside FC Bayern“ ein Buch geschrieben.

Der FC Bayern füllt Tag für Tag viel Papier und Speicherplatz. Was erfahren die FCB-Fans bei Ihnen, was sie noch nicht wissen?

Christian Falk: Wir Boulevard-Reporter berichten natürlich ausführlich über Hintergründe, Kabinengeheimnisse oder führen Interviews mit den Fußball-Stars. Wie Spieler, Trainer und Manager aber sind, wenn die Kameras aus sind oder der Schreibblock beiseitegelegt wird, kann man dabei schwer beschreiben. In meinem Buch „Inside FC Bayern“ sollen die Leser einen Schlüsselloch-Einblick bekommen, wie es ist, wenn Uli Hoeneß dich anschreit, Franck Ribéry dir einen Eimer Wasser über den Kopf kippt oder mit Louis van Gaal Rotwein beziehungsweise mit Jogi Löw Espresso zu trinken.

Exklusivinterview im Hotel Vier Jahreszeiten in München: Christian Falk sprach als erster deutscher Journalist ausführlich mit Bayern-Neuzugang Leroy Sane.

Den roten Faden des Buchs liefert Bastian Schweinsteiger. Sie haben zu ihm ein freundschaftliches Verhältnis. Das war über die Jahre nicht immer so. Warum?

Falk: Oft ist es ja im Leben so, dass je näher man sich kommt, desto tiefer kann man sich auch im Streit auseinanderleben. Basti stammt wie ich ja aus dem Chiemgau, beide starteten wir unsere beruflichen Laufbahnen fast gleichzeitig an der Säbener Straße. Anfangs lud er mich noch zu seiner Geburtstagsfeier in den Eiskeller in Aschau ein oder wir spielten bei ihm zu Hause gemeinsam Playstation. Später schrieb ich den ein oder anderen Artikel, der ihm nicht gefiel, einer davon hieß „Chefchen Schweinsteiger“. Da gab es dann mal richtig Ärger bei einer Pressekonferenz. Es folgten einige Jahre, in denen wir nicht miteinander sprachen.

Wie haben Sie sich wieder versöhnt?

Falk:Zu seinem Karriere-Ende hin, als Basti schon in Chicago spielte und etwas Abstand vom Fußball-Zirkus in Europa bekam, näherten wir uns einander Stück für Stück wieder an. Am Ende flog ich nach Chicago, wo wir uns dann bei einem mehrstündigen Gespräch versöhnten. Dass mich Basti dann auch in seiner Dokumentation als Experte dabeihaben wollte, zeigte für mich wirklich Größe und hat mich sehr gefreut. Er wusste ja, dass ich in seiner Karriere auch zeitweise kritisch mit ihm war. Doch er weiß auch, dass ich einer der ersten Reporter war, der ihm seine Weltkarriere zugetraut hatte und am Anfang so viele Artikel über ihn schrieb, dass mich Uli Hoeneß schon mal rund machte, dass ich es nicht damit übertreiben solle.

Auch andere Bayern-Stars kennen Sie außerhalb der Interview-Zonen sehr gut. Welche imponieren Ihnen besonders, welche sind am normalsten geblieben?

Falk: Mir fällt es wirklich schwer, da einzelne Spieler herauszupicken, da es echt viele gute Jungs sind. Gerade die Weltmeister-Generation ist trotz ihrer großen Erfolge erstaunlich normal geblieben. Philipp Lahm ist nicht umsonst nie zum FC Barcelona gewechselt, weil er unsere Heimat so schätzt. Mit Lukas Podolski kann man unheimlich viel lachen, er hat sich in all der Zeit überhaupt nicht verändert, dabei kenne ich ihn, seit er 19 ist. Wir telefonieren noch heute mehrmals in Monat. Lothar Matthäus vergisst nie deinen Geburtstag. Und Thomas Müller ist einfach Thomas Müller.

Ist Thomas Müller wirklich so lustig, wie er rüberkommt. Das fragen sich viele. Ist er?

Falk: Thomas könnte für den TuS Prien spielen und er wäre genau der gleiche Müller. Als ich für ihn als Ghostwriter 2014 seine Weltmeister-Kolumne schrieb, fragte er, ob wir diese statt in der Ich- nicht in der Wir-Form schreiben könnten, damit er sich nicht über die Mannschaft stellen würde. Das ging natürlich nicht. Und Schafkopf spielt er wie Fußball – völlig unberechenbar. Das geht nicht immer gut. Beim letzten direkten Duell habe ich ihm 20 Euro abgenommen.

Versöhnung nach sieben Jahren. Weil ihn Falk als „Chefchen“ tituliert hatte, herrschte Eiszeit zwischen dem Journalisten und Bastian Schweinsteiger.

Wie wär’s mit ein oder zwei kleinen Anekdoten aus dem Reporterleben?

Falk:Dazu fällt mir eine Anekdote ein, bei der wir beinahe Louis van Gaal per Helikopter an den Chiemsee geflogen hätten. Ich saß im Januar 2011 mit dem holländischen Trainer im Bayern-Trainingslager in Katar zum Interview im Mannschaftshotel. Am Ende des Gesprächs machte ich ihm einen Vorschlag und zeigte ihm ein Bild von unserem Märchenkönig Ludwig II. Meine Frage war, ob er sich für uns im Schloss Herrenchiemsee im Hermelin-Mantel des Königs fotografieren lassen würde. Für die Anreise würden wir einen Hubschrauber anmieten. Die Idee gefiel ihm sehr gut, allerdings hatte van Gaal eine Bedingung: Er müsste dafür schon einen Titel am Saisonende vorweisen können. Den DFB-Pokal ließ er dafür nicht zählen. Weil Bayern aber auch in der Meisterschaft abgeschlagen war, wurde van Gaal im April entlassen. Aus unserem Märchenkönig-Foto wurde so leider nichts.

Was war der bisher emotionalste Moment, den Sie als Reporter miterleben durften mit dem FC Bayern und der Nationalmannschaft?

Falk: Im Fußball gibt es ja so viele. Die Niederlage im „Finale dahoam“ 2012 in München mitzuerleben war natürlich bitter, den Champions-League-Sieg 2013 in Wembley zu sehen, großartig. Allerdings hatte ich einen Sieg in der Königsklasse schon 2001 miterlebt, eine Finalniederlage bereits 1999. Beim Triumph unserer Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2014 in Rio dabei zu sein, war dagegen einzigartig. Wobei das 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien vielleicht noch emotionaler war. Obwohl ich im Stadion saß, fühlte sich dieses Spiel total unwirklich an. Es war einfach zu schön, um wahr zu sein.

Vor welchem Spieler oder Funktionär haben Sie den größten Respekt?

Falk:Das ist sicher Franz Beckenbauer. Er war wohl der größte Spieler, den Deutschland je hatte, international nur vergleichbar mit Pelé oder Maradona. Dennoch ist er einer der bodenständigsten Menschen, die ich im Fußball kennenlernen durfte. Er behandelt die Menschen nicht nur immer mit größtem Respekt, sondern war erst zufrieden, wenn er jeden einzelnen im Raum zum Lachen gebracht hatte. Beim Kaiser blieb selten ein Auge trocken. Und ihn zu einem Essen einzuladen, ist so gut wie unmöglich. Er zahlt immer für alle. Lothar Matthäus hatte mir zuletzt erzählt, dass es Beckenbauer inzwischen wieder besser gehe. Das freut mich umso mehr, da er es in letzter Zeit nicht immer leicht hatte.

Sie sind oft sehr kritisch in Ihrem Berichten. Hand aufs Herz: Wie gut waren sie selbst als Fußballer?

Falk: Sagen wir mal so: Ottmar Hitzfeld hat uns mal bei einem Spiel im Trainingslager in Marbella beobachtet, bei dem wir Journalisten gegen die Betreuer und Physios der Bayern gespielt hatten. Bei der anschließenden Pressekonferenz, zu der wir wegen einer Verlängerung zu spät kamen, sagte er zu Beginn: ,Wenn Sie uns in der Rückrunde bewerten, denken Sie immer daran, dass ich Sie spielen gesehen habe‘. Ich glaube, die Noten fielen in den kommenden Spielen etwas besser aus. Hätte ich sehr gut Fußball gespielt, würde ich wohl selbst auf dem Rasen stehen statt darüber zu schreiben. Meine Ex-Mitspieler vom TuS Prien,TSV Rimsting undBreitbrunn können das sicher bezeugen. Doch es gibt Hoffnung: Mein Sohn macht es derzeit beim TuS Prien viel besser als ich.

Zum Buch:

„Inside FC Bayern“, das Erstlingswerk des Prieners Christian Falk, ist im Riva-Verlag (ISBN-Nummer 978-3-7423-1377-5 erschienen.

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