Interview mit einem Retter der Bergwacht Rosenheim-Samerberg

Unglück in der Oberpfalz: So erlebte ein Höhlenretter aus Rosenheim den Einsatz

Rettungseinsatz
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Höhlenretter kommen von ihrem Einsatz. Bei der Erforschung der Mühlbachquellhöhle in der Fränkischen Alb hatte sich einer von vier Höhlenforschern verletzt und ist anschließend gestorben.
  • Jennifer Bretz
    vonJennifer Bretz
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Der tragische Vorfall bei einer Höhlenbegehung im Landkreis Neumarkt in der Oberfpalz, bei dem eine Person starb, zeigt wieder einmal deutlich, wie wichtig Höhlenretter sind. Beteiligt waren auch Retter aus der Region. Einer von ihnen hat gegenüber rosenheim24.de von dem Einsatz berichtet.

Samerberg - Bei der Erkundung einer Höhle im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz ist es zu einem tragischen Unglück gekommen. Ein Forscher starb laut Polizei bei einem Tauchunfall. Eine großangelegte Rettungsmission blieb erfolglos. Bei der Rettungsaktion in der Mühlbachquellhöhle, die überregional für Aufmerksamkeit sorgte, war auch die Bergwacht Rosenheim-Samerberg mit neun Höhlenrettern beteiligt. David Männl, Leiter der Höhlenrettung am Samerberg schildert gegenüber rosenheim24.de den Einsatz.

rosenheim24.de: Wie lange gibt es die Höhlenretter bei der Bergwacht Rosenheim-Samerberg schon und aus wie vielen Rettern besteht sie?
Männl: Seit 1976 beschäftigt sich Bergwacht Rosenheim wegen der zahlreichen Höhlen im Dienstgebiet mit der Höhlenrettung. Seit 1999 gibt es die Höhlenrettung offiziell in der Bergwacht Bayern. Seit 2009 ist die Bergwacht Bayern gesetzlich beauftragt für die Rettung aus Höhlen in Bayern. Zurzeit besteht die Höhlenrettung Samerberg aus 16 Personen aus verschiedenen Bereitschaften. Höhlenretter in Bayern sind aktive Bergwacht-Einsatzkräfte, die eine aufwendige Ausbildung zum Höhlenretter durchlaufen haben und in ständiger Fort- und Weiterbildung sind. Sie sind auf 8 Höhlenrettungswachen über Bayern verteilt.
rosenheim24.de: Zum Einsatz am Wochenende bei der Höhlenrettung in der Oberpfalz: Bis die Partner des Höhlentauchers Hilfe holen konnten, verging bereits eine halbe Stunde. Dann werden auch noch Rettungskräfte aus dem hunderte Kilometer entfernten Rosenheim gerufen. Warum ist das so? 
Männl: Rettungen aus Höhlen sind sehr zeit- und personalintensiv. In der Bergwacht Bayern haben wir rund 80 ausgebildete Höhlenretter. Die Einsatzgruppe vor Ort ist zuständig für die Erstversorgung. Nachfolgende Gruppen werden für den Transport benötigt.
rosenheim24.de: Wann ging die Alarmierung bei Ihnen ein?
Männl: Alarmierung war am Samstag, den 6. Februar um 16:40 Uhr
rosenheim24.de: Wie viele Retter sind ausgerückt? 
Männl: Von der Höhlenrettungswache Samerberg sind 9 Höhlenretter ausgerückt. Diese setzen sich aus verschiedenen Bereitschaften zusammen. BW Rosenheim-Samerberg, BW Wasserburg, BW Oberaudorf und BW Bad Feilnbach.
rosenheim24.de: Und was für Material führen Höhlenretter mit sich?
Männl: Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Jede Höhle und jeder Einsatz erfordert passende Ausrüstung (Schachthöhlen, Wasserhöhlen, Eishöhlen, mehrtägige Höhlen usw.) In diesem Fall war Ausrüstung für eine horizontale Wasserhöhle ohne Biwak (Übernachtung) notwendig. In unserem Höhlenanhänger, der in der Berg- und Höhlenrettungswache Samerberg stationiert ist, befindet sich die Ausrüstung, um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden.
rosenheim24.de: Wann sind die Retter in Dietfurt angekommen?
Männl: „Die Ankunft in Mühlbach bei Dietfurt war um ca. 19:25 Uhr
rosenheim24.de: Was war dort Ihre Aufgabe?
Männl: Unsere Aufgabe war die Einrichtung einer Seilsicherung über einen Wasserfall und anschließend der Transport des Verunglückten.
rosenheim24.de: Ein Arzt hat noch während des Transports an die Oberfläche alle Maßnahmen einstellen lassen. Wie ist das für die Retter? Wie arbeitet ein solcher Einsatz nach?
Männl: Als aktiver Bergretter wird man immer wieder mit schweren Unfällen konfrontiert. Reicht zur Aufarbeitung des Geschehens die Nachbesprechung im Team nicht aus, stehen in der Bergwacht Bayern ausgebildete Spezialisten für die psycho-soziale Notfallversorgung (PSNV) zur Verfügung. Nach dem Alarmierungsbild war uns bei der Anfahrt bereits bewusst, dass wir mit dem Schlimmsten rechnen müssten. Das wurde im Team auch kommuniziert.
rosenheim24.de: Als Höhlenretter trainiert man, um für solche Einsätze gerüstet zu sein, doch kann man sich, vor allem auch mental, auf so einen Einsatz vorbereiten?
Männl: Wichtiges Element hierbei sind die gute Ausbildung, eine gute Vorbereitung der Einsatzkräfte und des Materials, das Beherrschen der notwendigen Techniken und die Teamarbeit. Das gibt uns die Sicherheit Einsätze stressfreier zu bewältigen.
rosenheim24.de: Wie genau üben die Höhlenretter? Wie oft und vor allem wo?
Männl: Neben den normalen Aus- und Fortbildungen für den Bergwachtdienst als Bergretter treffen wir Höhlenretter uns monatlich für spezielle Höhlenrettungsausbildungen. Die Ausbildung findet in der Rettungswache, in Höhlen und bereitschaftsübergreifend im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung (ZSA) in Bad Tölz statt. Zusätzlich werden gemeinsame Höhlentouren durchgeführt.
rosenheim24.de: Bei welchen anderen Einsätzen kommen die Höhlenretter noch zum Einsatz? 
Männl: Überwiegend bei Einsätzen in natürlichen Höhlen oder künstlich angelegten Hohlräumen. Alle Höhlenretter sind auch normale Bergretter. Bei Einsätzen mit hohem Bedarf an Sicherungsmaterial (Schneechaos, Bergwaldbrand usw.) kommt unser zusätzliches Fachwissen und Material zum Einsatz.

Höhlenrettung ist Aufgabe der Bergwacht Bayern

Die Durchführung der Höhlenrettung ist nach dem Bayerischen Rettungsdienstgesetz Aufgabe der Bergwacht Bayern. Deren Höhlenretter sind ehrenamtliche Bergretter, die für den Einsatz in der Höhle eine umfangreiche Spezialausbildung durchlaufen haben und die bereitschaftsübergreifend in den Höhlenrettungsgruppen organisiert sind.

jb

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