Das Hochwasser hält die Region Rosenheim in Atem – das waren die größten Flut-Einsätze

Fluten auf der Autobahn A8 auf Höhe Wasserwiesen: Mit 4000 Sandsäcken wurde ein Deich errichtet, um zumindest eine Fahrspur freizuhalten.Reisner (2)/H. Reiter/Klemm
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Unwetter-Chaos in der Region Rosenheim: Bis in die Abendstunden hinein waren am Dienstag weit über 1000 Kräfte von Feuerwehren, THW und Wasserwacht im Einsatz, um der Überflutungen Herr zu werden. Heftige Regenfälle hatten Bäche und Flüsse über die Ufer treten lassen. Abschnittsweise musste auch die Autobahn A8 gesperrt werden.

Rosenheim– DieUnwetterwarnungen für die Region hatten sich in der Nacht auf Dienstag, 4. August, bewahrheitet. Starkregenfälle mit teils über 100 Litern Niederschlag pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde ließen insbesondere die kleineren Bäche und Flüsse anschwellen – während die „Großen“, also Inn, Mangfall und die Tiroler Ache, keine allzu großen Probleme bereiteten. Die Deiche hielten den Wassermassen stand. Wasserwirtschaftsamts-Chef Paul Geisenhofer schätzte die Hochwasserlage als zehn- bis 20-jährliches Ereignis ein – kein Vergleich zum Jahr 2013 mit dem Jahrhunderthochwasser der Mangfall.

Erster Einsatz um 3.30 Uhr morgens

Anders die Lage abseits von den großen Flussläufen: Hier ließen die Regenmassen Bäche und Gräben über die Ufer treten, Keller liefen voll, Straßen wurden unpassierbar, landauf, landab.

Der erste Einsatz in der Nacht auf Dienstag: in den frühen Morgenstunden gegen 3.30 Uhr, im Gemeindegebiet Tuntenhausen. Weiter ging es im Raum Bruckmühl, es folgten Notrufe aus Höhenmoos und Rohrdorf – und irgendwann ging es für die Hilfskräfte nur noch Schlag auf Schlag: Alarmierungen in der gesamten Region, bis zum Abend sollten es über 450 Einsätze werden. Allein im Landkreis Rosenheim waren nach Angaben von Kreisbrandrat Richard Schrank über 1100 Feuerwehrler im Einsatz, zudem rund 50 Kräfte des THW und etwa 20 von der Wasserwacht.

Ein Bagger verhinderte auf der gesperrten Innbrücke in Wasserburg die Ansammlung von Treibholz.

B15 bei Hochstätt geflutet

Einer der Schwerpunkte: eine vollkommen überflutete B 15 auf Höhe Hochstätt, wo auf einer Länge von 400 Metern das Wasser einige Meter hoch stand. Ein dort liegengebliebener Kleintransporter konnte nicht mehr geborgen werden – er versank laut Einsatzleiter Schrank vollständig in den Fluten. 

Spektakuläres Bild von der B15 auf Höhe Hochstätt: Hier war die Straße auf 400 Metern überflutet.

Mit einer Hochleistungspumpe der Feuerwehr Rosenheim wurde schließlich bis in die Nacht hinein versucht, die Wassermassen abzupumpen – um baldmöglichst die B15 wieder für den Verkehr freigeben zu können. Mit der Vollsperrung verbunden: ein Verkehrschaos rund um Hochstätt und nördlich von Rosenheim.

Kirchdorf bei Raubling: 40 Häuser unter Wasser

Darüber hinaus arg vom Hochwasser gebeutelt: der kleine Ort Kirchdorf bei Raubling. Hier war ein Bach über die Ufer getreten, hatte an die 40 Häuser geflutet. Auch hier gingen die Einsätze – Feuerwehr und THW waren mit Hochwasserpumpen vor Ort – bis spät in die Nacht.

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Autobahn A8 gesperrt

Von mehreren Sperrungen war den gesamten Tag über die Autobahn A 8 betroffen: in den Morgenstunden auf Höhe Frasdorf/Achenmühle, wo aufgrund von Überflutungen Vollsperrungen notwendig waren; in den Nachmittags- und Abendstunden dann auf Höhe Grabenstätt sowie im Bereich Wasserwiesen/Ausfahrt Rosenheim-West. Bis zum Abend konnten Feuerwehren und THW das Wasser mit Hilfe von rund 4000 Sandsäcken so weit zurückdrängen, dass der Verkehr zumindest einspurig in Fahrtrichtung Salzburg vorbeigeleitet werden konnte.

Gewaltige Wassermassen nach den Starkregenfällen: die Prien in Aschau.

Jugendlager in Bad Feilnbach evakuiert

Groß war die Aufregung in der Nacht auf Dienstag am Jenbach in Bad Feilnbach: Hier musste gegen 3 Uhr nachts das „Wildniscamp“ geräumt werden. Die Bergwacht brachte zwölf Jugendliche in Sicherheit.

Die Lage im Stadtgebiet Rosenheim

Auch das Stadtgebiet Rosenheim war von den massiven Regenfällen betroffen. Keller und Tiefgaragen standen unter Wasser, zahlreiche Straßen wurden überflutet, insbesondere im Bereich Pang (Auerbach) sowie in Westerndorf bei Pang, wo die Kalten und Nebenbäche über die Ufer traten. Auf Wiesen und Feldern bildeten sich riesige Seen. An der Kalten bei Hohenofen wurde gar dieHochwassermarke von 2013 erreicht.

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Die Lage in Traunstein

Die Feuerwehren im Landkreis Traunstein mussten bis in den Nachmittag 550-mal ausrücken. Meistens standen Keller unter Wasser. Besonders betroffen war der südliche Landkreis im Einzugsbereich von Tiroler Ache und Traun. 80 Wehren waren ab 5 Uhr unterwegs. In Siegsdorf lief Heizöl aus, weil ein Tank aufschwamm und Leck schlug.

Am Nachmittag entspannte sich die Lage. Der Scheitelpunkt der Hochwasserwelle wurde am Pegel Hochberg bei Traunstein mit 2,68 Metern über Pegelnullpunkt um 9 Uhr erreicht. Um 14.30 Uhr lag er nur noch bei 1,87 Metern. An der Tiroler Ache sanken die Pegel langsamer. An der Messstelle Staudach war das Wasser über Nacht um drei Meter auf etwa 4,75 Meter angestiegen.

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