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Schwimmer verunsichert: Sind sie gefährlich?

Hitze-Sommer: Jetzt erobern China-Quallen die Badeseen in unserer Region

Winziger Zugroaster: Die Süßwasser-Qualle aus China, die auch vermehrt in bayerischen Seen auftaucht.
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Winziger Zugroaster: Die Süßwasser-Qualle aus China, die auch vermehrt in bayerischen Seen auftaucht.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Der Klimawandel setzt den Gewässern in unserer Region mehr und mehr zu. Zudem begünstigen die hohen Temperaturen die Ausbreitung von Süßwasserquallen in den Badeseen. Die Tiere konnten nun mehrfach nachgewiesen werden - so etwa auch im Chiemsee. Ein Grund zur Sorge?

Rosenheim – Vor einigen Jahren noch eine Seltenheit, nun schon weit verbreitet: Ausgerechnet eine chinesische Süßwasser-Qualle gehört in den Gewässern der Region Rosenheim offenbar zu den Gewinnern des Klimawandels. Craspedacusta Sowerbii heißt sie, mit nur zwei Zentimetern Größe kam sie offenbar als blinder Passagier mit Wasserpflanzen oder Zierfischen nach Bayern. Das vermutet zumindest der Landesfischereiverband.

Fest steht: Dank steigender Temperaturen vermehrt sie sich. „Vor ein paar Jahren war sie noch ein Geheimtipp“, sagt Prof. Dr. Herwig Stibor von der Limnologischen Station der Ludwig-Maximilians-Universität in Seeon. „Jetzt findet man sie im Chiemsee und in den meisten anderen Seen.“

China-Quallen: Sind sie gefährlich?

Die Seen der Region Rosenheim locken im Sommer aber auch Menschen an. Eine gute Nachricht zuerst: Die Süßwasser-Qualle tut niemandem weh. Und auch sonst steht dem hochsommerlichen Badevergnügen in Stadt und Landkreis offenbar nichts im Wege. Die Qualität der Seen, Flüsse und Weiher in der Region Rosenheim bekommen vom Gesundheitsamt regelmäßig ausgezeichnete Noten. Die Sperrung des Pelhamer Sees für einige Tage im vergangenen Jahr war offenbar eine Ausnahme.

Die Trockenheit dürfte den Seen zu schaffen machen

Es gibt allerdings auch eine schlechte Nachricht: Der Klimawandel gibt nicht nur Süßwasser-Quallen Auftrieb. Er setzt auch den Gewässern zu. Noch befinde man sich im grünen Bereich, sagt Andreas Holderer, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim. „Aber es ist schon eine große Trockenheit.“ Und man werde auch im klimatisch begünstigten Alpenvorland lernen müssen damit umzugehen. Heiße Sommer, so sagt Holderer, „werden sicher häufiger“.

Was Hitze und Mangel an Niederschlägen anrichten, beobachtet Herwig Stibor. Mit seinen Kollegen forscht er, wie Gewässer auf Umwelteinflüsse reagieren. „Über die Jahre hinweg gesehen steigen die Temperaturen im Mittel“, sagt Stibor, „das Wasser wird im Schnitt pro Jahrzehnt 0,3 Grad wärmer.“ Vor allem flache Seen bekämen Probleme, weil die Wärme Bakterien gedeihen lässt und diese Kleinstorganismen viel Sauerstoff verbrauchen. Und das, wo in warmem Wasser doch ohnehin weniger Sauerstoff gelöst ist als in kaltem Wasser: „30 Grad warmes Wasser kann nur noch 60 Prozent von dem Sauerstoffwert haben, den vier Grad kaltes Wasser aufweist.“

Seen mischen sich kaum mehr durch

Durch die Wärme werde Wasser außerdem träger, berichtet Stibor. „Die Wasser-Dichte sinkt exponentiell mit der Temperatur.“ Heißt: Je wärmer es wird, desto schwieriger ist zu mischen. „Bei einer Wassertemperatur von vier Grad kann ein Windstoß einen ganzen See durchmischen“, sagt Stibor. Bei 30 Grad aber kann ein Sturm über einen See fegen, ohne die trübe Suppe noch in Wallung zu bringen. In den Seen bilden sich Schichten – warmes Wasser oben, kaltes unten. Das engt Lebensräume ein, da die tieferen Schichten immer weniger Sauerstoff erhalten.

„Wir haben noch keine akute Gefahr“, sagt daher auch Stibor. „Aber man wird mit Veränderungen rechnen müssen.“ Etwa durch Algen. Sie gedeihen gut in der Wärme, kommen auch mit wenig Sauerstoff aus. Manchmal stellen sie ein eher ästhetisches Problem dar, so wie derzeit an der Mangfall bei Rosenheim. Dort sieht Andreas Holderer mehr und mehr Kiesbänke auftauchen, und dazwischen grünes Wasser und schleimiges Gewächs. „Das ist aber nicht gesundheitsschädlich“, beruhigt Holderer.

Algenplagen könnten zunehmen

Anders die Algenteppiche, die in den vergangenen Jahren zum Beispiel am Simssee, am Langbürgner See oder am Friedlsee auftauchten. Bei normaler Konzentration sind diese Gewächse ungefährlich. Bei starker Vermehrung aber können sie Durchfall, Erbrechen oder Hautausschlag verursachen. Hunden und Kühen könne die Algenart sogar lebensgefährlich werden, sagt Stibor.

Diese Probleme könnten sich mit steigenden Temperaturen verschärfen. Auch die Artenvielfalt dürfte leiden, sagt Herwig Stibor. Immerhin gibt es eine gute Nachricht vom winzigen Wärme-Gewinner: Anders als der Klimawandel scheint die Süßwasser-Qualle auch für die heimische Tierwelt keine Bedrohung darzustellen. „Sie tritt nicht in den rauen Mengen auf, dass sie den Fischen das Futter wegfressen würde.“

Seen nicht mehr so stark belastet wie vor ein paar Jahren

Da ähneln Flüsse und Seen den Menschen, zu viel Nährstoffe tun nicht gut: Was den Eintrag an Düngemitteln betrifft, haben die Gewässer in Stadt und Landkreis Rosenheim in jüngster Zeit Fortschritte gemacht. Nach Auskunft von Herwig Stibor beträgt die Phosphor-Konzentration im Chiemsee nur noch ein Zehntel der Konzentration der 80er Jahre – ein Verdienst unter anderem von verbesserter Abwasserreinigung, sagt Stibor.

Eine Veränderung des Umweltbewusstseins zeichnet sich im Wasserverbrauch ab. Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim berichtet, dass Mitte der 90er Jahre der Verbrauch des durchschnittlichen Rosenheimers bei 150 bis 160 Litern pro Tag gelegen habe. „Heute sind es noch 130“, sagt Holderer.  

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