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Opfer überlebt schwer verletzt

Hinterrücks Ehefrau mit Messer angegriffen: 54-jähriger Rosenheimer muss sechs Jahre in Haft

Nicht mit der Faust, sondern mit einem Messer hatte ein 54-jähriger Rosenheimer seine von ihm getrennt lebende Ehefrau (51) attackiert und schwer verletzt.
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Nicht mit der Faust, sondern mit einem Messer hatte ein 54-jähriger Rosenheimer seine von ihm getrennt lebende Ehefrau (51) attackiert und schwer verletzt.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Weil er seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit einem Messer attackiert und schwer verletzt hatte, muss ein 54-jähriger Rosenheimer sechs Jahre in Haft. Ein Traunsteiner Gericht kam zur Überzeugung, dass der Mann die 51-Jährige „verletzen, bestrafen und kennzeichnen“ wollte.

Traunstein/Rosenheim – Nur glücklichen Umständen verdankt eine 51-Jährige aus Rosenheim, dass sie die Messerattacken ihres 54-jährigen Noch-Ehemanns überlebte. Das Schwurgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs schickte den Täter am Montag (9. August) wegen gefährlicher Körperverletzung für sechs Jahre hinter Gitter. Weiter ordnete die Kammer die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Vor Antritt der Therapie muss der Täter 18 Monate im Gefängnis verbüßen.

Übermäßiger Alkoholkonsum

Das Paar ist seit 22 Jahren verheiratet, hat drei Kinder, darunter einen minderjährigen Sohn, und lebt seit etwa 15 Jahren in Rosenheim. Erst zu monatelangen Streitigkeiten, dann zur Trennung führten der übermäßige Alkoholkonsum des Mannes und seine Eifersucht auf eine Reha-Bekanntschaft seiner Frau. Der Angeklagte ging für einige Wochen zu Verwandten nach Schweden. Nach seiner Rückkehr ließ die 51-Jährige ihn nicht mehr in die früher gemeinsame Wohnung.

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Nach einem aggressiven Zwischenfall mit Bedrohungen erwirkte sie beim Amtsgericht Rosenheim kurz vor der Tat ein Kontaktverbot, duldete aber, dass er im Keller schlief. Der 54-Jährige ließ sich ohne Wissen der Ehefrau für die Wohnung im fünften Stock einen Nachschlüssel anfertigen.

Unbemerkt gelangte der 54-Jährige am Abend des 20. Februar 2021 in die Wohnung, was er – wie das folgende Geschehen – mit dem Handy aufnahm. Zwischendurch legte der mit knapp drei Promille alkoholisierte Mann das Mobiltelefon ab. Die Tonaufnahme lief weiter.

Das Opfer rettet sich schwer verletzt in die Wohnung der Schwester

Er griff die Frau in der Küche unvermittelt von hinten mit dem Messer an, hielt sie an den Haaren fest, führte einen Schnitt quer durch ihr Gesicht und brachte sie zu Boden. Dann verletzte er sie mit dem Messer vielfach an Kopf und Körper. Die verzweifelten Schreie des Opfers, die Rufe nach „Hilfe“ und „Polizei“, die Bitte an den kleinen Sohn, die Polizei zu verständigen – alles war auf dem in dem Prozess gezeigten Handyvideo festgehalten.

Während der Rangelei gelang der massiv verletzten 51-Jährigen die Flucht. Sie rettete sich zu ihrer Schwester im gleichen Haus. Der Täter floh. Polizeibeamte konnten ihn wenig später im Salinpark stellen.

„Sie hat mich verletzt. Ich wollte sie verletzen.“ Das erklärte der 54-Jährige in der Hauptverhandlung zum Motiv. Den ersten Schnitt quer durch das Gesicht habe er gesetzt, „damit sie eine Narbe hat“. Auch sie habe ihm Narben zugefügt. Wie viele Schnitte er noch gemacht habe, wisse er nicht. Als er Blut gesehen habe, habe er aufgehört und nichts mehr wahrgenommen. Die 51-Jährige und zwei der Kinder beriefen sich in dem Prozess auf ihr Aussageverweigerungsrecht. Die Aussage des Opfers floss über den damaligen Ermittlungsrichter in das Verfahren ein.

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Die rechtsmedizinische Sachverständige Dr. Jutta Schöpfer berichtete, die klaffende Wunde im Gesicht der Frau sei mit feinen Stichen genäht worden und inzwischen fast nicht mehr sichtbar: „Man kann froh sein, dass es gute Ärzte in den Kliniken gibt.“ Der psychiatrische Gutachter, Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee, attestierte trotz der knapp drei Promille des 54-Jährigen eine lediglich leicht- bis mittelgradige Alkoholintoxikation bei der Tat. Dennoch gehe er von einer möglicherweise erheblich verminderten Steuerungsfähigkeit aus – durch die hohe Alkoholisierung in Verbindung mit dem psychischen Zustand des eifersüchtigen Mannes. Die Voraussetzungen für Unterbringung in einer Entziehungsanstalt seien erfüllt.

„Verletzter Stolz, Eifersucht und Rache“

Staatsanwalt Wolfgang Fiedler beantragte wegen versuchten Mords aus Heimtücke und niederen Beweggründen sowie wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Varianten eine Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren. Die Unterbringung zum Entzug sei anzuordnen, ebenso ein Vorwegvollzug von dreieinhalb Jahren im Gefängnis. „Verletzter Stolz, Eifersucht und Rache“ seien die Hintergründe der „egoistischen und feigen Tat“. Der 54-Jährige habe mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt. Die schweren seelischen Folgen für seine Mandantin hob Nebenklagevertreter Maximilian Hoh aus Rosenheim heraus.

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Einen „bedingten Tötungsvorsatz“ des 54-Jährigen verneinte die Verteidigerin, Julia Scheublein-Asmus aus Raubling. Aus dem Besteckkasten im Keller habe der Angeklagten „das kleinste der großen Messer“ geholt und später „aus Mitleid“, weil die Frau blutete, mit den Angriffen aufgehört.

Tötungsvorsatz nicht nachweisbar

Die Tat sei „nur“ eine gefährliche Körperverletzung, eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren ausreichend. Dazu sei die Unterbringung anzuordnen. Im „letzten Wort“ sprach der 54-Jährige von der Hoffnung, dass ihn seine Familie „zurücknimmt“.

Im Urteil begründete der Vorsitzende Richter, der teilgeständige Angeklagte habe die 51-Jährige „verletzen, bestrafen und kennzeichnen wollen“. Ein Tötungsvorsatz, ob direkt oder bedingt, sei nicht nachzuweisen.

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