Ein Heim für Bella und Babsi

Um das Wohl ihrer Lieblinge sorgen sich Anna und Marie. Fotos Goss
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Um das Wohl ihrer Lieblinge sorgen sich Anna und Marie. Fotos Goss

Sie sind verspielt, neugierig und bemühen sich so oft es geht um Streicheleinheiten. Bella und Babsi sind zwei ganz normale Hauskatzen.

Aber nur auf den ersten Blick: Die Samtpfoten der Familie Beutler/Vosmansky aus Feldkirchen-Westerham haben die ersten zwei Jahre ihres Lebens in einem Tierversuchs-Labor verbracht.

Feldkirchen-Westerham/Ostermünchen - Die Suche nach einem Stubentiger führte Marko Beutler und Zdena Vosmansky vor einem halben Jahr ins Tierheim nach Ostermünchen. "Wir wollten zwei Katzenbabys mitnehmen", erinnert sich das Paar. Doch es sollte anders kommen.

Das Tierheim kooperiert seit rund zehn Jahren mit einem Tierversuchs-Labor. Katzen, die dort nicht mehr gebraucht werden, gehen in die Vermittlung. "Mehrere hundert Tiere haben wir so schon in Familien untergebracht", sagt Josefa Estner, die stellvertretende Vorsitzende der "Interessengemeinschaft Mensch und Tier". Babsi und Bella sind zwei der ehemaligen Versuchstiere - und sie eroberten die Herzen der Familie Beutler/Vosmansky im Sturm.

Schon beim ersten Besuch im Tierheim ging das Schmusen los. Bis heute ist es so geblieben. Besonders die Töchter Anna und Marie sind begeistert. Die Sieben- und die Fünfjährige sind die einzigen Menschen, von denen sich das Katzengespann gerne auf den Arm nehmen lässt. Ein Umstand, der in der Vergangenheit der Katzen begründet ist. "Wenn im Labor jemand kam und die Viecherl hochgenommen hat, wurde ja immer etwas mit ihnen gemacht", sagt Josefa Estner. Deshalb mögen es die Tiere lieber, wenn man sie auf dem Kratzbaum streichelt. Oder im Bett. Babsi etwa weicht der kleinen Anna auch beim Schlafengehen nicht von der Seite.

"Die sind viel anhänglicher als alle Katzen, die ich bisher kannte", sagt Marko Beutler. Allerdings bemerkt er auch eine gewisse Tollpatschigkeit bei seinen vierpfotigen Mitbewohnern. Nach draußen dürfen Babsi und Bella trotzdem. "Sie haben sogar schon ihre erste Maus gefangen", sagt Beutler.

Die Anhänglichkeit geht indes manchmal auch zu weit. Dann nämlich, wenn Anna in die Schule geht - und Babsi hinterher trottet. "Das ist zu gefährlich", sagt Mama Zdena Vosmansky - und sperrt Babsi jetzt so lange ein, bis Anna nicht mehr zu sehen ist.

Bevor die Katzen nach Feldkirchen-Westerham kamen, wurden Ektoparasitenmittel, also Medikamente gegen Flöhe, Läuse oder Milben, an ihnen getestet, wie Estner informiert. Sie selbst war noch nie im Labor vor Ort, ist sich aber sicher, dass "die Mitarbeiter dort gut mit den Katzen umgehen. Die Tiere haben keine Angst vor Menschen."

Freiheit ist

Tieren fremd

Allerdings mussten Babsi und Bella, so wie die anderen Laborkatzen auch, alles neu lernen: "Die kennen ja nur das Labor, ein paar andere Katzen und ein Katzenklo", sagt Estner. Die Freiheit ist ihnen fremd, genau wie das meiste Spielzeug, Couch, Bett, Fernseher oder alles andere, was sich in einem normalen Haushalt so findet.

Das merkte auch die Familie Beutler/Vosmansky. "In den ersten Tagen haben wir uns schon Sorgen gemacht. Eine Katze hat sich nur verkrochen. Die andere hat stur die Wand angestarrt", berichtet das Paar. Nur das Fressen, "das klappte auf Anhieb", sagen beide und lachen. Nach ein paar Tagen legte sich das Unwohlsein der Tiere - und sie eroberten ihren Platz im Familienleben.

Laborkatzen sind übrigens nicht nur neugierig und anhänglich - sondern auch recht still: "Babsi miaut erst seit wenigen Wochen", sagt Marko Beutler. "Die sind einfach keine großen Redner", pflichtet auch Estner bei. Ansonsten fallen ihr keine großen Unterschiede zu "normalen" Stubentigern ein: "Es sind und bleiben nun einmal Katzen."

Bald ist es wieder soweit: Dann wird sich das Labor wieder melden und das Tierheim Ostermünchen um Mithilfe bei der Vermittlung bitten. "Das geht dann immer sehr kurzfristig. Innerhalb von 14 Tagen nach der ersten Meldung des Labors kommen die Katzen und Kater bei uns an", sagt Estner. Zwischen sechs und 25 Tiere sind es jedesmal, die ein neues Heim suchen. Und dieses Zuhause sollte genauso schön sein wie das von Bella und Babsi.

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